¡Rezension!: Der Joker

VanaVanille

 


Titel: Der Joker
Autor/in: Markus Zusak
Verlag: cbt
Originaltitel: (I am) The Messenger
Seitenzahl:
448
Preis: 8,95 € (D)
ISBN:
978-3-570-30539-3



 

Klappentext

In Eds Briefkasten liegt – eine Spielkarte. Ein Karo-Ass. Darauf stehen drei Adressen. Die Neugier treibt ihn hin zu diesen Orten, doch was er dort sieht, bestürzt ihn zutiefst: drei unerträglich schwere Schicksale, Menschen, die sich nicht selbst aus ihrem Elend befreien können. Etwas in Ed schreit: »Du musst handeln! Tu endlich was!« Dreimal fasst er sich ein Herz, dreimal verändert er Leben. Da flattert ihm die nächste Karte ins Haus. Wieder und wieder ergreift Ed die Initiative – doch wer ihn auf diese eigenartige Mission geschickt hat, ist ihm völlig schleierhaft.


Erste Gedanken
 
Wie lange hatte ich mir dieses Buch schon vorgenommen? Fast jedes Mal wenn ich die Buchhandlung betrat, lächelte es mich groß und breit an. Trotzdem konnte ich mich erst jetzt, nach Jahren, überwinden und griff es mir. Ich hatte überhaupt keine Ahnung was mich denn nun erwartete und kannte von Herrn Zusak bisher auch nur "Die Bücherdiebin" (übrigens eins meiner absoluten Lieblinge). Voller Neugier begann ich also zu lesen.

Meine Meinung

Ed, unser Protagonist, ist die Spitze der Gewöhnlichkeit und hat bis zum Beginn des Romans noch nicht viel in seinem Leben geleistet. Sein Alltag besteht aus Taxifahren, Karten spielen, essen und schlafen - was ihn allerdings nicht zu stören scheint - bis sich an einem Tag alles verändert. Ed verhindert einen Banküberfall und bekommt plötzlich eine seltsame Spielkarte zugeschickt auf der drei Adressen stehen. Aus Neugier besucht er die verschiedenen Orte und wird mit einem Mal in das Leben anderer Menschen gerissen, die ihn früher nie interessiert hätten. Unser Held muss handeln, seine passive Haut ablegen und endlich aktiv werden, damit er die Botschaft überbringen kann, die ihm auferlegt wurde. Hätte ich das vorher gewusst, so wäre meine Hand schon früher zu diesem Roman gewandert, denn die Idee dahinter gefällt mir wirklich sehr.

Ed ist mir ziemlich sympathisch, denn er liebt es zu Lesen, hat einen herrlich sarkastischen Humor und scheint auch sonst eine hilfsbereite Person zu sein. Er erinnerte mich an einigen Stellen an Holden aus "Der Fänger im Roggen", denn seine Einstellung zum Leben und der daraus folgende Witz waren sehr identisch. Außerdem hat auch Ed ein Problem mit seinem Ehrgeiz. Man kann sogar sagen, dass er der typische Versager ist. All seine Geschwister haben es weiter gebracht als er, seine Mutter verachtet ihn und seine große Liebe erwidert seine Gefühle nicht. Fast scheint er sich damit abzufinden, doch dann kommen die Karten ins Spiel, womit die Story überhaupt erst beginnt.

Was die anderen Charaktere des Buchs betrifft so war meine Einstellung zu ihnen nicht ganz so deutlich. Eds beiden besten Freunde Marv und Ritchie konnte ich eigentlich gut leiden. Marv war zwar in manchen Situationen eher nervig und unsozial, aber im Verlauf des Geschehens merkt man, dass auch in ihm ein weicher Kern steckt. Audrey dagegen, Eds große Liebe, war meiner Meinung nach ein furchtbarer Charakter. Man erfährt schon am Anfang, dass sie seine Liebe eigentlich erwidert, aber nicht über ihren Schatten springen und einsehen kann, dass er ihr gut tun würde. Sie ist ihm gegenüber so rücksichtslos, dass es mich wahrlich aufgeregt hat, dass er immer noch so von ihr schwärmt. Ich hätte mir wirklich einen stärkeren Charakter an ihrer Stelle gewünscht, aber naja, wo die Liebe eben hin fällt.

Ed wird durch die Aufgaben der Spielkarten mit Menschen konfrontiert, denen er helfen und eine Botschaft überbringen soll. Darunter befinden sich einige sehr liebenswürdige Figuren auf die man sich immer wieder freut. An einer Stelle kamen mir sogar die Tränchen, sodass ich sagen kann, dass für Emotionen auf jeden Fall gesorgt ist. Trotzdem gab es Kapitel, die ich einfach zu dick aufgetragen fand. Die Situationen wurden mir zu dramatisch wiedergegeben, dass ich sie doch schon etwas lächerlich fand. Zwar tut Ed wirklich sein Bestes und erledigt seine Aufgabe mit Bravour, aber er wird von manchen Menschen so empfangen, als wäre er ein Himmelswesen und das war - so kam es mir jedenfalls vor - sehr realitätsfremd.

Die Sprache des Romans ist sehr lässig und modern. Manchmal werden hinter einzelnen Wörter Punkte gesetzt, was sicherlich auch dazu dienen soll diese Begriffe zu betonen. Zuerst hat es mich ein wenig gestört, weil ich die eigentliche Schönheit des Satzbaus vermisste, aber die gut gewählten Metaphern und Bilder sorgten dann, trotz des eher gewöhnungsbedürftigen Schreibstils, für ein angenehmes Gesamtbild.
 
Ich finde es ziemlich schwer etwas Aussagekräftiges zu diesem Buch zu schreiben, ohne dabei zu spoilern und Dinge zu verraten, die jeder für sich lesen sollte. Schlussendlich kann ihr nur sagen, dass ich das Buch im Großen und Ganzen sehr schön fand, denn es wird eine Geschichte erzählt, die ausdrücken will, dass jeder etwas schaffen kann, wie gewöhnlich er sich selbst auch einschätzen mag. Zwar wäre mir der englische Titel "The Messenger" um einiges lieber gewesen, weil es zu dem Kontext einfach besser passt (the messenger = der Bote), aber man musste ja schon oft genug feststellen, dass die deutschen Verlage irgendwie einen Hang dazu haben sich schreckliche neue Titel auszudenken.
Trotzdem bleibt "Die Bücherdiebin" weiterhin mein Favorit von Markus Zusak.


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