¡Rezension!: Tote Mädchen lügen nicht

VanaVanille
Beschreibender Text für Surfer ohne Bilder 

  Titel: Tote Mädchen lügen nicht
  Autor: Jay Asher
  Verlag: cbt
  Originaltitel: Thirteen Reasons Why
  Seitenzahl:
288
  Preis: 9,99 € (D)
  ISBN:
978-3-570-30734-2





Klappentext

Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...


Erste Gedanken
 
Ich hatte das Cover schon öfter in der Buchhandlung meines Vertrauens gesehen, fühlte mich allerdings wegen des eher unkreativen Designs nie wirklich angesprochen (da sieht man mal wieder, dass das Cover doch eine gewaltige Rolle spielt). Nachdem mir dann aber die liebe Erdbeere erzählte, dass es das Buch auch als Ebook gibt (keine Angst, ich verabscheue es am PC zu lesen, aber ich hatte kein Buch mehr hier), habe ich mich überwunden und es gelesen, da der Klappentext doch schon eine interessante Story versprach.


Urteil

Stellen wir uns nur für einen kurzen Moment vor, dass eine unserer Mitschülerinnen Selbstmord begangen und allen, denen sie die Schuld an ihrem Tod gibt, durch Tonaufnahmen Nachrichten hinterlassen hat, die sie dazu bringen sollen, sich schlecht zu fühlen. Bis dahin noch ganz glaubwürdig! Was allerdings danach folgt, ist doch eher unrealistisch (auch wenn man solch eine Situation nur schwer einschätzen kann). Vielleicht sollte ich allerdings erst einmal mit den positiven Punkten anfangen:

In dem Buch wird ein Thema behandelt, was nur selten Platz in Jugendbüchern findet. Dabei spreche ich nicht von Selbstmord allgemein, sondern eher von den Menschen, die die Selbstmörderin zurück gelassen hat. Es wird erklärt, wieso es so weit kommen konnte und wer die ausschlaggebenden Personen dabei waren. Das Werk soll also dazu dienen, jedem klar zu machen, dass er hätte helfen können auch wenn er selbst vielleicht meinte, keine Rolle gespielt zu haben. Soweit finde ich das Werk auch sehr gelungen und fesselnd, da es einen schon neugierig macht, was denn nun alles passieren musste, um ein sonst doch eher beliebtes Mädchen in den Freitod zu stürzen. Es ist also nicht verwunderlich, dass das Buch auch zur Schulliteratur gehört (natürlich nicht überall). Ob dies nun so eine gute Entscheidung war, wird sich später noch zeigen.

Was mich betrifft, so konnte ich keinen der einzelnen Charaktere auch nur ansatzweise leiden. Mir ist noch nicht ganz klar, ob das nicht sogar Absicht des Autors war. Er wollte vielleicht, dass man keine der Personen in sein Herz schließt und eher objektiv an die Sache heran geht. Wenn das sein Plan war, dann hat er es auf jeden Fall geschafft.
Ich war mir die ganze Zeit nicht einmal sicher, ob ich auf irgendeiner der beiden Seiten stand. Manchmal hatte ich sogar mehr Mitleid mit denen, die als die Bösewichte dargestellt wurden und verabscheute eher Hannah und Clay. Ich werde kurz erklären, wieso das so ist:

Hannahs Kassetten weckten in mir keine Traurigkeit oder Mitgefühl, denn sie hatte beim Erzählen eine viel zu sarkastische und fast böswillige Einstellung. Man erkannte kein Tröpfchen Kummer, sondern las einfach nur den Wunsch der Rache an all jenen heraus, die sie für die Schuldigen hielt. Manchmal glaubt man schon fast, dass sie nur einen Vorwand suchte um sich umzubringen. Auch macht sie selbst die Fehler, die sie zu ihren Lebzeiten bei anderen gehasst hat. Sie nennt ihre "Auserwählten" zum Beispielt Süße oder Baby, kann sie aber eigentlich überhaupt nicht leiden. Die Falschheit, die sie also noch ein paar Seiten zuvor verurteilt hat, lebt sie selbst aus und lässt sie sehr unglaubwürdig wirken. Es gibt sogar Stellen, da kann man sie selbst nicht mal mehr als Opfer sehen und würde ihr am liebsten eine Ohrfeige verpassen für all das, was sie getan und gelassen hat.

Da kommen wir schon zu unserem anderen Problemkind: Clay gibt bei allen Aufnahmen seine Kommentare ab, die in manchen Fällen einfach nur dämlich und unnötig sind. Dabei versucht er meist die Schuld von sich zu schieben und erkennt nicht, was er doch für eine wichtige Aufgabe gehabt hätte.
Auch hier weiß ich wieder nicht, ob es sich dabei nicht sogar um eine sehr gute Einschätzung des Autors handelt, denn er hält den menschlichen Charakter perfekt fest, der oft dazu neigt, nicht einsehen zu wollen, dass er einen Fehler gemacht hat.

Daraus folgt, dass ich das Buch in mancher Hinsicht kein bisschen logisch fand. Der Autor stützt sich viel zu sehr auf die Beziehung zwischen Clay und Hannah, die scheinbar beide wussten, dass sie zusammen passen, es trotz ihrer Intelligenz aber niemals hin bekommen haben, wirklich mit einander zu reden. Man kann sogar sagen, dass es niemals soweit gekommen wäre, wenn die beiden doch vernünftig aufeinander zu gegangen wären. Die anderen Kassetten scheinen damit nutzlos und stehen nur für die Sündenböcke, die Hannah brauchte um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Natürlich gab es unter ihnen auch Leute, die wirklich schreckliche Dinge getan haben, aber das waren meist Situationen, die Hannah selbst hätte ändern können und die sie überhaupt nicht belasteten.

Nachdem ich nun wieder viel zu viel geschrieben habe, lautet mein endgültiges Fazit:
"Tote Mädchen lügen nicht" ist trotz der unsympathischen und manchmal auch fragwürdigen Charaktere ein interessantes Buch. Man wird in das Leben einer Person versetzt, die sich durch das Verhalten ihrer Mitmenschen gezwungen fühlt, Suizid zu begehen. Man liest von ihren Ängsten, Emotionen und der daraus folgenden Gleichgültigkeit und kann dabei noch die Reaktionen anderer verfolgen. Die Idee an sich ist eigentlich sehr lehrreich, wurde allerdings nicht wirklich gut umgesetzt, was mich persönlich etwas enttäuscht hat. Ich habe gehofft, dass hinter all dem mehr stecken würde, aber es waren doch nur die kleinen Dinge, die sich wie eine Lawine verbreitet haben und ein Leben unter sich begruben, welches hätte gerettet werden können.



3 Kommentare:

  1. Schade, dass du das Buch nicht so toll fandest. Selbst ich als Thrillerverabscheuer (das ist doch eher ein Thriller, oder?) hätte das Buch noch interessant gefunden aber deine Kritikpunkte sind genau die, auf die ich auch achte. Da lasse ich besser die Finger von :)

    AntwortenLöschen
  2. Ja, ich war auch etwas enttäuscht, weil ich mir mehr erhofft hatte, aber wer weiß, vielleicht gefällt es dir ja doch besser. ^^
    Wie gesagt, die Idee ist nicht schlecht, nur litt meiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit unter all den Charakteren, die an falschen Stellen schlechte Witze gerissen haben.

    AntwortenLöschen
  3. @Pia: Ich würde nicht sagen, dass es ein Thriller ist sondern eher eine Geschichte, die erzählt wie es zu einem Selbstmord gekommen ist (oder dabei krimimäßig-aufklärend zu sein).

    @Cherry: Sehr interessante Rezension. Ich habe das Buch vor etwa 2 Jahren gelesen und mir hat es super gefallen. Ich glaube nicht, dass der Autor die Personen unsympathisch anlegen wollte. Ich mochte beide, aber ich finde auch deine Argumente sehr nachvollziehbar.

    AntwortenLöschen

Ich liebe Kommentare, oh ja, ich liebe sie wirklich. Aber bitte schreibt keine nichtssagenden Einzeiler und verlinkt danach auf euren Blog. Die Kommentarfunktion soll nicht als Werbetafel, sondern für Diskussionen und nette Gespräche dienen.

Ich danke,
Cherry