¡Rezension!: Blutrote Lilien

VanaVanille


Titel: Blutrote Lilien
Autor/in: Kathleen Weise
Verlag: Planet Girl
Originaltitel: -
Seitenzahl: 336
Preis: 14,90 € (D)
ISBN:
978-3-522-50218-4



Die 15jährige Charlotte begibt sich zusammen mit ihrer Zofe Manon an den Hof des Louvre in Paris. Als junge Adelstochter soll sie dort ihren Verlobten heiraten und versuchen unter die Favoritinnen des Königs zu geraten, damit das Ansehen ihrer Familie steigt und die Zukunft des Mädchens gesichert ist. Doch das Paris, was Charlotte so sehnlichst erwartet hat, erweist sich auf den zweiten Blick als ein Gefängnis voller Verrat, Intrigen und Gerüchte vor denen auch die junge Adlige nicht geschützt ist.
Schnell zeigt sich, dass die Protagonistin nicht mit allem einverstanden ist, was sich am Hofe zuträgt. So wird sie bald zu einer kleinen "Rebellin", die erst herausfinden muss, wem sie trauen kann und wem nicht. Schockiert muss dabei selbst der Leser feststellen, dass sich die vorerst so guten Charaktere plötzlich in egoistische Tyrannen verwandeln und das Verlangen nach Macht und Reichtum einen Menschen vollständig verändern kann.

Gefesselt las ich das Buch in einem Zug und bin noch immer begeistert von dem fließenden Schreibstil der Autorin. Selbst an eher unspektakulären Stellen wich sie der Langeweile aus und überzeugte mit Humor, der trotzdem weiterhin der damaligen Sprache entsprach - somit also nie unpassend wirkte - und immer einen Hauch von Trotz und Empörung in sich trug.
Umso besser konnte man sich die jugendliche Charlotte vorstellen, die so viel cleverer und tiefgründiger wirkte als all die anderen Figuren im Roman. Das lag aber nicht daran, dass die Autorin den anderen keine Beachtung schenkte, sondern an den selbstsüchtigen und naiven Einstellungen der Menschen am Hof, die all das hin nahmen, was Charlotte hinterfragte. Sie wurde durch diese Andersartigkeit zu einer wirklich sympathischen Protagonistin, die mit Mut, Klugheit und Wissbegierde überzeugte. Selbst als Adlige schien sie nie hochmütig oder arrogant, was es viel einfacher machte sie zu mögen und zu verstehen. Auch ihre ausführlichen Gedanken und Fragen machten einem als Leser deutlich, dass sie nicht auf den Kopf gefallen war und selbst bestimmte, wen sie sich zum Freund nahm - egal wie sehr ihre Familie auch dagegen war.

Leider gibt es durch die vielen Verräter und Egoisten im Buch kaum einen anderen Charakter außer Charlotte, der gleichermaßen sympathisch wirkte. Trotzdem findet sie natürlich hier und da ebenfalls Freunde, denen man vertrauen und etwas abgewinnen kann. Diese sind allerdings nie so ausführlich beschrieben wie Charlotte, was aber daran liegt, dass die Geschichte aus der Perspektive der Protagonistin geschrieben wurde und man deshalb natürlich hauptsächliche ihre Gefühle und Gedankengänge miterlebt. Dennoch konnte ich einige der Nebenfiguren in mein Herz schließen und hätte mir von einigen sogar gewünscht, dass sie öfter aufgetreten wären.

Selbstverständlich kann solch ein Roman nicht ganz ohne Liebesgeschichte ablaufen und diese hat mir sehr gefallen. Es handelte sich nicht um eine aufdringliche Schwärmerei, die irgendwann kitschig und unüberlegt wurde, sondern um ein vorsichtiges Herantasten, welches zwar schnell durchscheinen ließ, wie es schlussendlich ausgehen würde, aber dennoch nie ganz eindeutig und immer ein wenig distanziert war. Was mir außerdem zusagte, war die Tatsache, dass beide nicht sofort Feuer und Flamme füreinander waren, was diese Beziehung einfach seriöser wirken ließ als überschwängliche Liebesgeschichten aus anderen Mädchenromanen.

Trotz des vielen Lobs habe ich dennoch etwas auszusetzen, was mich zwar nicht gestört hat, aber einige Leser vielleicht missfallen könnte. Nach dem Lesen ist mir nämlich aufgefallen, dass die Story doch eher wenig zu bieten hatte. Die Autorin hatte mich mit ihrem fließenden Schreibstil so zum Weiterlesen gezwungen, dass ich erst am Ende bemerkte, dass wirkliche Spannung fehlte und dieser Roman nichts für jemanden ist, der ein abenteuerliches Buch verlangt. Das einzige aufregende Geschehnis ereignete sich erst am Ende des Buches, wo wir schon beim zweiten Kritikpunkt wären. Das Ende ist nämlich ziemlich offen und schreit förmlich nach einem zweiten Teil, von dem ich aber bisher nichts weiß. Vielleicht ergibt sich das noch im Laufe der Zeit, oder aber die Autorin wartet erst darauf, wie ihr erstes Werk bei den Leserinnen ankam. Ich hoffe jedenfalls auf einen zweiten Part, auch wenn ich eigentlich kein Freund von Trilogien (oder wie groß auch immer die Buchreihe sein soll) bin.


Mein Urteil

"Blutrote Lilien" ist ein wunderschöner historischer Roman, der selbst Leserinnen gefallen könnte, die sonst eher wenig für dieses Genre übrig haben. Mit einem fesselnden Schreibstil lässt man das Buch nicht mehr so schnell los und lernt das Leben am Hofe Frankreichs um 1609 kennen, welches hinter seinem schönen Äußeren schreckliche Intrigen verbirgt.
Zusammen mit der Protagonistin Charlotte muss der Leser selbst entscheiden, wem er traut und wem nicht, um schlussendlich vom Verlauf der Geschichte doch überrascht zu werden. Man kann nur hoffen, dass ein zweiter Teil erscheint, der die Geschichte der jungen Adligen und ihrer neuen Liebe fortführt.

2 Kommentare:

  1. Hört sich sehr gut an... vielleicht lese ich es mal irgendwann. Danke für die Empfehlung, tolle Rezi :)

    AntwortenLöschen
  2. @Pia: Ich hoffe, dass es dir auch so zusagt, wie mir ^^ und danke für das liebe Lob

    AntwortenLöschen

Ich liebe Kommentare, oh ja, ich liebe sie wirklich. Aber bitte schreibt keine nichtssagenden Einzeiler und verlinkt danach auf euren Blog. Die Kommentarfunktion soll nicht als Werbetafel, sondern für Diskussionen und nette Gespräche dienen.

Ich danke,
Cherry