¡Rezension!: Der Lilienpakt

VanaVanille


Titel: Der Lilienpakt
Autor/in: Corina Bomann
Verlag: Ueberreuter
Originaltitel: -
Seitenzahl: 368
Preis: 12,95 € (D)
ISBN:
978-3-8000-5601-9




Klappentext

1643: Die siebzehnjährige Christine muss den Mord an ihrer Familie miterleben und befindet sich seitdem auf der Flucht. Ein Schmied nimmt sie nur widerwillig auf, denn er hat Angst vor dem Geheimbund »Schwarze Lilie«, der anscheinend etwas mit dem Mord zu tun hat. Als der Musketier d"Athos in Christines Leben tritt, scheint sie ihrem Ziel, die Mörder zu finden, ein Stück näher: Gemeinsam mit seinen Kameraden Porthos und Aramitz will d"Athos die Schuldigen entlarven. Auch Jules, der Sohn des Schmieds, schließt sich ihnen an, für den Christine mehr als bloß Freundschaft empfindet. Doch die Gefahr, in der sie schwebt, ist noch nicht gebannt ...


Erste Gedanken

Als ich den Klappentext las, erwartete ich einen spannenden, historischen Roman, der an Jugendliche gerichtet sein würde. Der Titel "Der Lilienpakt" gefiel mir schon auf Anhieb und ich hoffte, dass auch der Inhalt des Buches meinen Erwartungen gerecht werden würde.


Meine Meinung

Die drei Musketiere, wer kennt sie nicht? Schnell wurde mir beim Lesen klar, dass die Autorin eine begeisterte Anhängerin dieses Romans sein musste, denn viele Figuren aus "Der Lilienpakt" beruhten auf Charakteren des Buchs von Alexandre Dumas. Diese Wiederverwendung von bekannten Namen hätte besonders denen Freude bereitet, die bereits Fans von D'Artagnan, Athos und Co. waren, allerdings habe ich das Buch nie gelesen und kann an dieser Stelle nicht sagen, ob die Persönlichkeiten der Figuren gut wiedergegeben wurden, oder einem ganz anderen Muster entsprachen. Trotzdem fand ich diese Idee der Autorin sehr gelungen und es fiel einem durch die zahlreichen Verfilmungen der Drei Musketiere nicht schwer, sich ein Bild von ihnen und ihrer Zeit zu machen.

Jedoch spielten die Musketiere in Bomanns Buch eher Nebenrollen, die der Protagonistin Christine stets Schutz und Hilfe boten.
Christine war ein sprichwörtlicher Wildfang. Als (eigentlich) feine Dame verschmähte sie den Nähunterricht und übte sich zusammen mit ihren Brüdern lieber im Fechten. Sie war eine sehr starke Persönlichkeit, die im Laufe der Geschichte oft unterschätzt und schlecht behandelt wurde, trotz dessen zeigte sie Mut und Kampfgeist, wie man es von einer Adligen eher weniger erwartete. In manchen Situationen war sie mir schon beinah zu hart und gefühlskalt. Während andere Mädchen nach solch schweren Schicksalsschlägen, wie Christine sie erleiden musste, in ihrem Kummer versunken wären, entfachte in ihr ein so starkes Rachegelüste, dass kaum Platz für Trauer blieb. Zwar hatte auch sie ihre schwachen Momente, aber dennoch fragte ich mich, woher sie diesen sturen Willen nahm, da sie bis zu dem erschütternden Ereignis eigentlich nie Sorgen oder Kummer hatte.
Auch was ihre Gefühle gegenüber Jules betraf, konnte ich diese nie eindeutig einschätzen. Zwar war von Beginn schon erkennbar, wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickeln würde, aber ihre Aussagen standen manchmal vollkommen im Gegensatz zu ihren Gedanken, womit sie bei mir nur skeptisches Kopfschütteln erntete.

Nach anfänglichen Einstiegsschwierigkeiten ließ sich das Buch sehr zügig und fließend lesen. Die Geschichte beinhaltete viele Geheimnisse und Verschwörungen, sodass man als Leser zum Miträtseln aufgefordert wurde. Ich muss leider zugeben, dass einige Lösungen sehr berechenbar waren und somit dem Buch an einigen Stellen die Spannung nahmen, dennoch gab es wiederum solche Fälle, die einen überraschten und völlig aus der Bahn warfen. Aus diesem Grund bewirkte der Text bei mir oft, dass ich einige Kapitel neugierig verschlang, mich durch andere dagegen durch kämpfen musste, um endlich wieder zu angenehmeren Passagen zu kommen.

Der Roman ist in drei Bücher geteilt, die wiederum in mehrere Kapitel aufgeteilt sind. Hauptsächlich wurden die Geschehnisse aus Christines Sicht beschrieben, die allerdings manchmal von Stellen unterbrochen wurden, die oft einen Einblick in die feindlichen Gruppen erlaubten, ohne dass man wusste, aus welcher Perspektive man den Moment gerade beobachtete. Das machte die Geschichte meist ein wenig aufregender und verschaffte dem Leser ein größeres Wissen, womit er allen anderen Figuren überlegen war.

Sprachlich gesehen passten Ausdrücke und Dialoge perfekt in das Alte Paris um 1640. Natürlich wurden auch oft Begriffe benutzt, die heutzutage nicht mehr im normalen Sprachgebrauch zu finden sind, allerdings nie so kompliziert waren, dass man den Text hätte nicht verstehen können.
An dieser Stelle sei noch zu sagen, dass der Herausgeber des Buches sich wieder einmal Mühe gegeben hat und speziell für den Roman eine Karte von Paris anfertigte, auf der wichtige Plätze und Gebäude eingezeichnet und beschriftet sind. Speziell für Leute gedachte, die sich weder im heutigen, geschweige denn im damaligen Paris auskennen.


Mein Urteil

Mädchen, die eine Schwäche für historische Romane und standhafte Protagonistinnen haben, sollte "Der Lilienpakt" eigentlich gefallen und mit Spannung, Trotz und ein wenig Liebe überzeugen können. Besonders Anhänger der Drei Musketiere würden mit diesem Buch auf ihre Kosten kommen und die vielen Beschreibungen und Kampfszenen zusagen.
Wer sich allerdings eine Geschichte mit überraschendem Ende und voller Emotionen wünscht, dem würde ich von diesem Roman eher abraten. Mich konnte die Erzählung in dieser Hinsicht jedenfalls nicht überzeugen. "Der Lilienpakt" ist somit eindeutig eine Frage des Geschmacks.


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