¡Rezension! - Blind Date

Erdbeere


Titel: Blind Date
Autor/in: Brigitte Blobel
Verlag: Arena
Originaltitel: -
Seitenzahl: 282
Preis: 13,99 € (D)
ISBN:
978-3401063072




Zoe ist blind – und das seitdem sie 14 Jahre alt ist. Mit dieser Tatsache scheint sie oftmals besser zu Recht zu kommen als viele ihrer Mitmenschen. Vor allem ihre Mutter scheint mehr als bestürzt darüber zu sein, dass ihre geliebte Tochter blind ist. Deshalb lebt Zoe in einer WG in Berlin. So soll sie ihren Weg in die Selbstständigkeit zurückfinden und lernen, ihr Leben so normal wie möglich zu führen. Sie geht einkaufen, zur Schule und hat einen Nebenjob in einem Call – Center. Eines Tages landet sie mit einem ihrer Anrufe bei Lennart Grün, der junge Mann mit der samten Bassstimme. Beide kommen ins Gespräch, verstehen sich auf Anhieb und verabreden sich für weitere Telefonate. Doch eines Tages bittet Lennart, der nichts über Zoes Blindheit weiß, sie um ein richtiges Treffen.

Brigitte Blobel erzählt in ihrem Buch die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich ihren neuen Leben anpassen muss. Blindheit ist ein komplexes Thema, dass Blobel gekonnt und authentisch zu beschreiben weiß.  Meist gelingt es ihr gut, die Gefühlswelt einer Sehbehinderten dem Leser zu vermitteln. So beschreibt sie die alltäglichen Gefahren, die Zoe erwarten und für uns Sehenden nicht als solche erkennbar sind. Dabei bringt sie den Leser zum Nachdenken.  Ich habe mir beim Lesen  öfter vorgestellt, wie es wäre, selber blind zu sein oder mich in Zoes Lage versetzt. Ich war beeindruckt von dem, was sie alles ohne Hilfe schaffen konnte und wie sie ihr Leben so normal wie möglich meisterte. Als sich Zoe dann zum ersten Mal verliebt, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Sie weiß nicht, wie Lennart auf sie reagieren wird. Blobel spricht hier das Thema der Akzeptanz und Toleranz gegenüber Handicaps an, denn  viele Menschen haben immer noch Berührungsängste gegenüber Blinden oder generell Behinderten. Auch das macht Zoe zu schaffen. Doch als es zum Treffen kommt, konnte Lennart, meines Erachtens, nicht besser reagieren.

Die Beziehung zwischen Zoe und Lennart fand ich teils merkwürdig und unbefriedigend. Zoe schien sich schnell in Lennart verliebt zu haben. Da das Buch aus Zoes sowie aus Lennarts Sicht erzählt wird, wusste der Leser auch über seine Gedanken und Gefühle bescheid. Beim ihm war ich mir die ganze Zeit im Unklaren, welche Gefühle er für Zoe hegte. Für mich hat Blobel die Figur zu sehr in die Rolle des großen Fußball Fans gedrängt.  Das Buch spielt in der Zeit während der WM 2010, daher hatte er sich ,meiner Meinung nach, zu viele Gedanken über Fußball gemacht. Generell trat mit Lennart das Thema Fußball verstärkt in den Vordergrund. Sollte jemand kein Interesse an Fußball hegen, so wird ihm dieser Part des Buchs wohl kaum gefallen. Für mich, als minimaler Fußball Fan, war die Sache ganz interessant. Es wurden die bekannten Spiele von damals angesprochen und dem Leser wurden Zeit und Stimmung, die damals im Land herrschten,vor Augen gehalten. Dass das Thema Fußball manchmal so sehr präsent war, war nicht immer passend. Viel lieber hätte ich etwas über Lennarts Gefühle erfahren; gewusst, wie er auf Zoes Blindheit reagiert und wie er darüber  wirklich denkt. Das kam leider etwas zu kurz. Allgemein fand ich die Figur des Lennarts etwas oberflächlich geraten. Er besaß kaum Tiefe und ich wusste nie, genau wie Zoe, woran ich bei ihm war. Zoe fand ich als Charakter sehr stark und optimistisch. Sie konnte gut mit ihrer Erkrankung umgehen. Blobel hat ihr Leben eingehaucht und beschrieb sie und ihr Verhalten sehr authentisch. Die  Nebenfiguren fand ich allerdings teilweise sehr klischeehaft. Hier verrennt sich Blobel in Theorien, die ich selber absurd und lachhaft fand.

Manche Aussagen zeugten nicht gerade von großer Charakterstärke. Vielleicht hat sich Blobel hier auch nur etwas unglücklich ausgedrückt. Generell fand ich den Schreibstil sehr einfach gehalten. Für meinem Geschmack manchmal zu einfach. Es gab Dialoge, bei denen ich nach dem Sinn suchte oder die  mich weder interessierten noch relevant für den Verlauf der Geschichte waren.  Die Dialoge kamen mir manchmal einfach zu gekünstelt rüber.


Mein Urteil

Ein gutes Buch, welches zum Denken anregt. Trotz teilweise Klischeehafter Figuren und Dialogen, schafft es Brigitte Blobel dem Leser das Thema Blindheit näher zu bringen.



7 Kommentare:

  1. ich habe das buch auch vor einiger zeit auf einem blog entdeckt und hätte mir mehr davon versprochen. ich werde es wohl nicht lesen, denn mit fussball hab ich so gar nix am hut und dadurch wäre für mich ja schon ein teil der geschichte grässlich.

    lg kerry

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  2. Vielleicht hast du es bei mir damals gelesen? Denn ich habe es rezensiert und mir gefiel es ausgesprochen gut.

    Gut, daß wir alle einen anderen Geschmack haben, so wird es wenigstens nicht langweilig *lach*

    Ich habe vieles gar nicht so empfunden, sondern gänzlich anders :)

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  3. @ Kerry: Das Thema Fußball war nicht mal so schlimm xD Aber ich wollte auch mal was anderes von ihm lesen außer Fußball z.b was er über Zoe denkt O.o Ein bisschen weniger hätte nicht geschadet. ;)

    @Fabella: Puh, du. Ich kann dir echt nicht mehr sagen, auf welchen Blog ich das entdeckt habe =) Aber schon lustig, wie verschieden die Geschmäcker ausfallen können ;) Aber so hat man immer eine Grundlage zum diskutieren, oder? ;)

    @KatharinaLiest: Lies es! xDDD auf deine Meinung wäre ich gespannt. Das Thema ist wirklich gut. Nur an der Umsetzung haperte es, aber das ist nur meine bescheidene Meinung ;)

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  4. Das Buch habe ich auch schon interessiert beliebäugelt. Ich finde es schade, dass die Autoren sich bei solchen Thematiken oft auf das Thema selbst verlassen und drumherum nur eine oberflächliche Geschichte stricken. Bei Die Welle war das auch so, super Grundidee, aber flache Charaktere. Ich vermute den Autoren geht es da mehr um die Aussage, die sie rüberbringen wollen, aber ich finde so was echt schade.

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  5. Lennard redet deswegen die ganze Zeit von Fußball und drückt sich so hart aus, WEIL er mit seinen Gefühlen nicht klar kommt. Die Gefühle und die Hin- und Hergerissenheit muss man zwischen den Zeilen lesen!!!

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  6. Ist doch selbstverständlich, dass ich dir antworte :)
    Finde ich ja komisch, dass das bei euch so ist. Bei uns fällt das jedenfalls gar nicht auf! Aber ich finde gut, dass du das machst obwohl es bei euch nicht so "normal" ist ;)
    Jetzt wo es wärmer wird finde ich Kleider auch sehr angenehm :)

    Übrigens! Ich lese gerade ein Buch von der Autorin im Post vor diesem. Das heißt "Alessas Schuld", vielleicht kennst du das!?

    Liebe Grüße

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Cherry