¡Rezension!: Marina

VanaVanille


Titel: Marina
Autor/in: Carlos Ruiz Zafón
Verlag: Fischer
Originaltitel: -
Seitenzahl: 352
Preis: 19,95 € (D)
ISBN:
978-3-10-095401-5




Wer "Der Schatten des Windes" mochte, wird wahrscheinlich auch seinen Gefallen an "Marina" finden. Zwar baut das Buch nicht auf den altbekannten Figuren des Bestseller Romans auf, wie es bei "Das Spiel des Engels" der Fall war, doch dafür behält Zafón seine Umgebung des düsteren, aber dennoch so schönen Barcelonas bei, welches für eine grausige und magische Atmosphäre sorgt. Das liegt größtenteils auch daran, dass der Autor es weiß seine beschriebene Umgebung mit wunderschönen Vergleichen in Szene zu setzen und dem Leser somit eine Stadt näher zu bringen, in der er vielleicht selbst noch nie war, die er aber durch die Beschreibungen ganz einfach lieben lernt.

Auch Zafóns Schreibstil ähnelte denen in seinen vorhergegangenen Romanen und fesselte mich schon zu Beginn der ersten Seite. Trotz vieler Details zu Orten und Personen lässt sich das Buch sehr flüssig lesen und verspricht einen spannenden Verlauf. Keine Pausen werden gelassen und die Erzählung so zügig fort geführt, dass man hinter jeder Seite ein neues Rätsel oder Geheimnis entdeckt, welches zu lösen gilt. Langatmige oder gar öde Stellen konnte ich jedenfalls in keinem einzigen Kapitel entdecken und damit hatte mich der Roman, was die Sprache anbelangt, bereits nach wenigen Passagen voll und ganz für sich gewonnen.

Selbst seine Charaktere erinnerten mich stark an die Protagonisten und Nebenfiguren der letzten beiden Bücher. Mit ihrem oftmals sarkastischen Witz und den außergewöhnlichen Persönlichkeiten hatte jede Person etwas Besonderes an sich und machte sie ausschlaggebend für den Rest der Geschichte. Ich bin immer wieder restlos begeistert, wenn der Autor mit kleinen Nebensächlichkeiten und Angewohnheiten über die Figuren berichtet, die einem dadurch viel näher kommen, als wenn man sie schlicht als klug, nett oder bösartig bezeichnet. In Zafóns Werken sprechen die Charaktere, selbst wenn sie keine allzu große Rolle spielen, durch ihre Taten und ihre Vergangenheit, nicht durch die Einschätzung anderer Figuren. Jede von ihnen scheint eine Seele zu haben und ich vermute, dass genau diese Tatsache die Werke des spanischen Autors so lesenswert macht.

Sehr speziell an "Marina" war übrigens, dass der Protagonist Óscar zwar durch den Roman führt, man über ihn als Menschen allerdings sehr wenig erfährt. Wichtig ist in diesem Roman nur, was er für ein Abenteuer erlebt und welche Menschen er dabei kennenlernt. Statt also die volle Konzentration auf den Erzähler des Buches zu lenken, scheint Óscar eher zurückhaltend gegenüber den anderen zu sein, nicht immer logisch handelnd und mehr dafür gedacht, die Geschichte der anderen wieder zu geben, und eher weniger seine eigene. Das ist ein ziemlich großer Unterschied im Vergleich zu Zafóns anderen beiden Romanen, macht das Buch allerdings nicht schlechter, sondern bestätigte damit nur den Titel "Marina".

Wie bereits erwähnt, konnte mich besonders die Spannung, die sich im Verlauf des Buchs immer weiter verstärkte, voll in ihren Bann ziehen. Es gab viele Situationen des Nervenkitzels, ja, sogar des Horrors, die speziell schwächere Gemüter sicherlich schockiert hätten. Für einen Leser mit schwachen Nerven eignet sich "Marina" damit eher weniger, denn Blut, Mord und skurrile Gestalten sind ständige Gefährten und können einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Sehr schön war dabei auch der große Teil an Fantasie und Magie, der immer wieder auftauchte und dem Buch etwas zusätzlich Mysteriöses verlieh. So konnte es mich in jeglicher Hinsicht zufrieden stellen.

Doch auch ein Meister seines Fachs ist nicht perfekt und so muss ich leider gestehen, dass ich hier und da ein paar Schwachstellen im Roman zu bemängeln habe. Zuerst einmal war das Buch für meinen Geschmack etwas zu dünn. Zwar war die Geschichte in sich geschlossen und auch gut zu verstehen, aber wer Zafón gern liest, der weiß, wie schnell man sich in seiner Welt verfängt und wie traurig man am Ende die letzte Seite um blättert. Wer also einen schönen Wälzer wie "Der Schatten des Windes" erhofft, der wird ziemlich enttäuscht sein, wenn er "Marina" in den Händen hält.

Auch seine Geheimnisse fand ich in diesem Buch durchschaubarer als sonst. Natürlich gab es auch Dinge, die mich vollkommen überraschten, aber leider existierten zu viele Stellen bei denen ich schon wusste, was es mit ihnen auf sich hatte.
Zuletzt wäre noch ein Punkt zu benennen, der mich nicht wirklich gestört hat, andere aber vielleicht traurig stimmen könnte, denn das Buch heißt zwar "Marina" und auch der Klappentext lässt viel erwarten, aber am Schluss war ihr Geheimnis doch eher ernüchternd. Auch die Liebesgeschichte, die sich möglicherweise einige erhoffen, wird nicht so ausgelebt, wie man vermutet. Trotzdem ist die Geschichte zwischen Óscar und Marina eine sehr gefühlvolle und hat auf jeden Fall ihren Reiz.


Mein Urteil

"Marina" ist ein weiterer, wunderbarer Roman des Bestseller-Autors Carlos Ruiz Zafón. Wie auch in seinen anderen Werken besticht er mit außergewöhnlichen Charakteren, unglaublichen Geheimnissen und einem düsteren Barcelona, welches den Leser eine magische Welt voller Rätsel eröffnet. Trotz kleiner Schwachpunkte kann ich es nur jedem empfehlen, der nicht allzu schwache Nerven hat und es liebt gemeinsam mit einem Protagonisten die düstersten Fälle zu lösen.


8 Kommentare:

  1. Auf die Ankunft dieses Buches warte ich auch noch. Es müsste eigentlich schon auf dem Weg zu mir sein. ;-)

    Und dann hoffe ich, dass es mir genauso gut gefällt, wie dir. :-)

    Viele Grüße
    Asaviel

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  2. @Asaviel: Das wünsche ich dir auch =) Mich konnte es zwar nicht so begeistern wie "Der Schatten des Windes", aber es ist trotzdem sehr gelungen.

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  3. Puh, ich lese die Rezi, wenn ich das Buch durchhabe! Hab es nämlich auch noch nicht, aber es müsste auch schon auf dem Weg sein. Bin gespannt! <3
    Liebe Grüße

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  4. @Paperdreams: Dann dir auch viel Spaß beim Lesen. Hoffentlich gefällt es dir. ^^

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  5. Carlos Ruiz Zafón ist einer meiner Lieblingsautoren. Marina hab ich noch nicht gelesen, hört sich aber toll an. LG :)

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  6. @KatarinaLiest: Er ist auch einer meiner Favoriten :D

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  7. Hab es heute in der Hand gehabt und als überlegt ob ich es mir kaufen soll oder nicht.

    Vielleicht werde ich es mir doch noch holen. =)

    Lg Sumpflicht

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  8. @Sumpflicht: Wenn du bisher schon einmal Zafón gelesen hast und seinen Schreibstil mochtest, kannst du mit "Marina" eigentlich nichts falsch machen ;)

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