¡Rezension!: Nach dem Sommer

VanaVanille


Titel: Nach dem Sommer
Autor/in: Maggie Stiefvater
Verlag: script5
Originaltitel: Shiver
Seitenzahl: 424
Preis: 18,90 € (D)
ISBN:
978-3-8390-0108-0




Sehnsucht ... mehr existiert zwischen Sam und Grace nicht, während sie sechs lange Jahre aufeinander warten.Sie will ihren Wolf, er das Mädchen, welches er damals rettete. Doch als Grace erkennt, wer ihr Wolf in Wirklichkeit ist, wird sie mit einem Mal zu seiner Beschützerin und tut alles um ihn nicht wieder zu verlieren. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sams Körper dem Wolfsein wieder nachgeben wird und diesmal gibt es kein Zurück.

Eigentlich komme ich auf den Schreibstil des Autors immer erst später zu sprechen, aber hier kann ich es einfach nicht lassen, denn Maggie Stiefvaters Art zu erzählen, hat mich vom ersten Kapitel an fesseln können. Ihre metaphorische Sprache war an vielen Stellen so poetisch, dass sich das Buch selbst las wie ein Gedicht und man einer wunderschönen Träumerei verfiel. Es wird dem Leser nicht schwer fallen zu erkennen, dass die Autorin sich sehr für Poesie und Musik interessiert, denn diese beiden Künste waren jederzeit im Buch präsent und begleiteten die Figuren auf ihrem Weg. Besonders Sam brachte diese Komponenten durch seinen Charakter in den Roman mit ein, was ihn eindeutig zu meiner Lieblingsperson machte (Sam liebt Rilke, also liebe ich Sam).

Die Geschichte wird abwechselnd aus Grace' und Sams Sicht erzählt, sodass der Leser die Chance bekommt beide Protagonisten besser kennen zu lernen. Während Grace eher die praktisch veranlagte und rationale Person in der Beziehung war, und damit leider nicht viel Sympathie bei mir gewinnen konnte, übernahm Sam die Rolle des verträumten und romantischen Parts, der ihn zu einer Figur machte, die man einfach lieben musste. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass die zwei auch Gemeinsamkeiten hatten. Da beide eher zurückgezogen und vorsichtig waren, brauchte man als Leser schon seine Zeit um hinter ihre Fassade blicken zu können. Erst nach und nach begriff man, was in ihnen vorging und welche Ängste sie teilten.
Aus diesem Grund glaubte ich, dass mich eine tiefsinnige und vorsichtige Liebe erwarten würde. Ich freute mich auf Zartheit und erregende Distanz, aber leider war das einer der Punkte, der mich etwas enttäuschte. Dafür, dass Grace sich selbst als introvertiert und ruhig beschrieb, verfiel sie ihrer Lust ziemlich schnell (machte dies auch deutlich) und zerstörte damit leider meinen Traum von einer Liebe der besonderen Art. Die Beziehung wurde zwar nicht oberflächlich und kitschig, aber die außergewöhnliche Atmosphäre, die noch zu Beginn des Buches bestand, löste sich leider viel zu schnell auf und verlor ihren Reiz.

Wie man sich bereits denken kann, blieb neben den beiden kaum Platz für vernünftige Nebenfiguren. Zwar gab es den ein oder anderen, der wohl auch im zweiten Teil eine größere Rolle spielen wird, aber wirklich ins Herz schließen konnte man kaum jemanden. Das lag allerdings auch daran, dass es in Nach dem Sommer niemand eindeutig Bösen oder Guten gab. Jede Person hatte ihre Stärken und Schwächen und stach dadurch nicht besonders heraus.

Auch was den Verlauf des Romans betrifft, so blieb dieser eher flach und unspektakulär. Die Autorin nahm sich mehr Zeit für die Beschreibungen der Gefühle zwischen den beiden Protagonisten und hatte an Story selbst eher weniger zu bieten. Verteilt auf rund 420 Seiten erzählte sie eine Geschichte, die gut auch auf der Hälfte Platz gehabt hätte, durch die Emotionen und Gedanken jedoch in die Länge gezogen wurde. Allerdings muss ich sagen, dass mich das im Nachhinein nicht so sehr störte, wie es sich hier vielleicht lesen lässt. Wenn man mit der Erwartung an das Buch herangeht, dass sich dahinter lediglich eine Liebesgeschichte mit fantastischen Teilen verbirgt, kommt man auf alle Fälle auf seine Kosten und wird nicht enttäuscht.


Mein Urteil

Nach dem Sommer ist ein fantastischer Liebesroman, der mich besonders mit seiner Sprache begeistern konnte. Zwar bietet die Geschichte keine atemberaubende Spannung, aber wer sich eine gefühlvolle, jugendliche Romanze der besonderen Art wünscht, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.

5 Kommentare:

  1. "Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestalt, und will niemals blind sein oder zu alt um dein schweres schwankendes Bild zu halten. Ich will mich entfalten. Nirgends will ich gebogen bleiben, denn dort bin ich gelogen, wo ich gebogen bin. " (Rainer Maria Rilke) S. 220

    Hach Kirsche, die Sprache - soooo schön. Du magst Rilke, ich mag Rilke und darum mögen wir Sam :-)))) Das hast du klasse geschrieben.

    LG,
    Damaris

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  2. @Damaris: Schön, dass man hier weitere Rilke-Freunde findet :D Ich war auch begeistert von den Zitaten.

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  3. hi
    ja, Rilke´s Zitate sind toll!
    Aber es eindeutig auch der Schreibstil von Meggie Stiefvater (und der Übersetzerin), was mich am Buch fasziniert.
    Wenn ich mal in eine andere Welt abtauchen möchte - ich greife immer nach dem Buch.
    LG

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  4. Rilke ist super. Also bei der Szene im Buchladen, wo das Gedicht von oben vorkommt, musste ich ja schon 2-3 Mal schlucken. Hat mich sehr ergriffen!
    LG,
    Damaris

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  5. Ich war am Anfang auch etwas spektisch, dass es in Richtung Twilight-Abklatsch geht...
    zu unrecht. dieses Buch ist soo toll geschrieben *seufz*
    gehört zu meinen absoluten lieblingen:)

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