¡Rezension!: Portal des Vergessens

VanaVanille


Titel: Portal des Vergessens
Autor/in: Stephan R. Bellem
Verlag: Otherworld
Originaltitel: -
Seitenzahl: 288
Preis: 14,95 € (D)
ISBN:
978-3-8000-9533-9




Peter ist ein junger Geschichtsstudent, der seit einem tragischen Autounfall, bei dem seine Eltern ums Leben kamen, das Gedächtnis und damit jegliche Erinnerungen an seine Familie verloren hat. Aus diesem Grund sucht er wöchentlich seine Therapeutin Dr. Wünschler auf, die ihm beim Wiedererlangen seines Gedächtnisses, sowie bei den realistischen und furchteinflößenden Träumen, die ihn seit kurzem immer wieder heimsuchen, helfen soll. Doch immer mehr vermischt sich Realität mit Traum bis Peter nicht mehr weiß, welches der beiden Leben wirklich sein eigenes ist. 

Portal des Vergessens ist ein gutes Beispiel dafür, wie Cover und Klappentext eines Buches manchmal total in die Irre führen können. Denn leider musste ich schnell herausfinden, dass weder der Protagonist, noch das Genre des Romans meinen Wünschen entsprach. Meine Hoffnung auf eine neuartige Handlung zwischen zwei Welten verpuffte bereits auf den ersten Seiten und plötzlich sah ich mich mit einer Geschichte konfrontiert, die man in das typische, mittelalterliche Fantasy Genre einordnen konnte (absolut nicht mein Geschmack), gemischt mit einem kleinen Bisschen an Science-Fiction.

Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt. Während Peter über sein alltägliches Leben und die schrecklichen Alpträume berichtet, gibt es abwechselnd dazu auch noch Kapitel mit Sicht auf Vryn, Peters Traum-Ich, der in seiner Welt Melaras zusammen mit dem König gegen die feindlichen Mächte und seinen eigenen Bruder Vorlokk kämpft. Durch eine alte Prophezeiung sind ihre Schicksale verbunden, denn es heißt, dass einer von beiden den anderen töten muss, um König des Reiches zu werden.
Schon an dieser Stelle wusste ich, dass das Buch mir eindeutig nicht gefallen würde. Erstens fand ich die Idee einer Prophezeiung und die beiden Rollen des bösen, älteren und des friedliebenden, jüngeren Bruders derart durchgekaut, dass man nicht einmal mehr überlegen musste, wie die Geschichte ausgehen würde. Außerdem bestand dieser Fantasypart hauptsächlich aus Kriegstreiberei und deren Planung, die mir auf Dauer auf die Nerven gingen und mich langweilten, weil einfach nichts passierte.

Beruhigend wäre es gewesen, wenn sich dafür jedenfalls die in der Realität spielenden Kapitel gelohnt hätten, aber auch diese ließen zu wünschen übrig. Angefangen mit dem überheblichen Protagonisten - der sich scheinbar für den Besten hielt - bis hin zu dümmlichen besten Freunden, gut aussehenden Frauen und der zwielichtigen Psychologin, keiner der handelnden Charaktere gefiel mir auch nur ansatzweise. Neben Peter kamen mir die anderen Personen auch nur vor, als wären sie Mittel zum Zweck, und würden keinen höheren Sinn haben. Sie existierten nur, damit die Geschichte so verlaufen konnte, wie sie schlussendlich verlief. Wer also auf charakterstarke Nebenfiguren hofft (so wie ich), der wird bei Portal des Vergessens auf keinen Fall Freude finden.
Selbst die Handlung schien belanglos und nur als Überbrückung zu dienen, bis Peter wieder in seine Träume abtauchte. Das sah man auch gut daran, dass uninteressante Nebensächlichkeiten in den Vordergrund gespielt wurden: Eine Liebesbeziehung, die keine war, eine Demo, die nie stattfand und die ständige Präsenz von Essen und dessen ausführliche Beschreibung. Und der letzte Punkt ist kein Scherz. Die Speisen der Figuren wurden detailreicher erläutert als deren Charakter, sodass ich mich in manchen Situationen wirklich fragte, ob der Autor vielleicht hungrig war, als er das Buch schrieb. 

Alles in allem konnte mich der Roman also nicht überzeugen. Da die meisten Ideen eher alt waren und auch nicht irgendwie neu bearbeitet wurden, blieb die ganze Geschichte sehr durchschaubar und eher einfältig. Besonders Leser wie ich, die einen großen Wert auf ausgeklügelte Charakter und atemberaubende Spannung legen, konnte der Autor mit diesem Werk nicht zufrieden stellen.


Mein Urteil

Ein eher gewöhnlicher Fantasyroman, der mehr verspricht, als er schließlich hergibt. Für Freunde der leichten Literatur und dem altbekannten Kampf zwischen Gut und Böse mag sich das Buch zwar eignen, wird aber enttäuschend auf die Leser wirken, die sich etwas Neuartiges erhofften.

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