¡Rezension!: Rotkäppchen muss weinen

VanaVanille


Titel: Rotkäppchen muss weinen
Verlag: Fischer
Originaltitel: -
Seitenzahl: 224
Preis: 6,95 € (D)
ISBN:
978-3-596-80858-8




Malvina ist gerade einmal 13 Jahre alt, hat eine beste Freundin, Probleme mit ihren Eltern und einen Kopf voller Fantasie. Sie ist also ein ganz normales, unschuldiges Kind, wenn man von den Besuchen bei ihrem Großvater absieht. Denn ihr Opa scheint äußerlich zwar ein netter Mensch zu sein, verbirgt aber eine schreckliche und zerstörerische Neigung, die das junge Mädchen immer dann zu spüren bekommt, wenn sie mit ihm allein ist. Wem soll sie davon erzählen? Werden ihre Eltern ihr glauben? Und was ist mit Lizzy? Wird sie nach der furchtbaren Wahrheit weiterhin mit Malvina befreundet sein wollen?

Es gibt auf dem deutschen Buchmarkt, soweit ich weiß, nur sehr wenige Bücher, die sich mit dem Thema Kindesmissbrauch in der eigenen Familie beschäftigen. Aus diesem Grund war ich auch sehr skeptisch, als ich das Buch aufschlug. Die junge Malvina scheint zu Beginn des Romans ein ganz gewöhnlicher Teenager zu sein. Sie erzählt dem Leser von ihrer Familie, ihrer besten Freundin und den vielen kleinen Problemen, die sie in ihrem Leben bisher hatte; angefangen beim zu kleinen Busen bis hin zu den komplizierten Jungs, die bisher kein Interesse an ihr gezeigt haben. Nur ganz langsam erfährt man Näheres über ihren Großvater, der das Mädchen schon seit Längerem missbraucht. Es wird deutlich, dass Malvina selbst versucht sich vor dieser Tatsache zu verschließen, auch weil sie kein Verständnis bei ihren Eltern findet.
Immer wieder meidet sie das Thema "Großvater", spielt dem Leser eine heile Welt vor und wendet das Blatt erst zur Hälfte des Buches.

Die Autorin bewirkte damit ein verstörendes Bild ihrer Protagonistin. Auf der einen Seite sah der Leser ein unschuldiges Mädchen, was gerne mit ihrer besten Freundin spielte und dabei war sich das erste Mal zu verlieben, auf der anderen ein geschändetes Kind, welches sich selbst Vorwürfe machte und unter dem ständigen Druck ihrer Familie stand, die all das ignorierte, was Malvina von sich gab. Der einzige Grund, wieso man bei dieser schrecklichen Geschichte nicht anfängt Tränen zu vergießen, ist, dass der unvermeidliche Hass, der beim Lesen und Erkennen aufkommt, alle anderen Gefühle dominiert. Besonders der ignorante Vater des Mädchens ließ mich in vielen Situationen solch eine Wut empfinden, dass ich am liebsten, gemeinsam mit Malvina, angefangen hätte zu schreien. Man kann nicht verstehen, wie sich ein Elternteil so verhalten kann und muss dann beim weiteren Nachdenken erschüttert feststellen, dass solche Personen wirklich existieren.

Hanikas Schreibstil blieb im ganzen Roman eher simpel und leicht zu lesen. Selbst die Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede ließ sie weg, sorgte damit aber nicht für Verwirrung. Der Text blieb verständlich, und ganz besonders ehrlich. Warum sollte die Autorin auch irgendwelche Ausschmückungen nutzen, wenn es doch um ein Thema geht, welches von jeglicher  Schönrederei befreit werden und ernst genommen werden sollte?!
Entgegen dem wirkt allerdings Malvina selbst, denn mit ihren eigenen zarten Umschreibungen erhoffte sie sich der Thematik zu entgehen. Gerade an diesen Stellen tat mir das Herz besonders weh. Die häufigen Versuche der Protagonistin ihrem ganzen Schicksal zu entfliehen, konnten einfach nur mitreißen und den Leser aufrütteln.


Mein Urteil

Ein unglaublich ehrliches Buch, was sich ganz vorsichtig an das Thema Kindesmissbrauch herantastet und damit noch viel mehr erschüttern kann, als mit harten, bösartigen Worten. Der Roman soll nicht nur denen Mut machen, die sich in einer so schmerzlichen Situation befinden, sondern auch denen, die den Opfern helfen wollen, denn es beweist, dass wahre Freunde unersetzlich sind.


10 Kommentare:

  1. Hört sich sehr interessant an.
    Wie bist du auf das Buch gestoßen?
    Lg, Antje

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  2. @Antje: Hab mich ein wenig in der Buchhandlung meines Vertrauens umgesehen und hab es dort entdeckt. ^^ Ist allerdings schon eine Weile her.

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  3. Das Buch ist toll. Der Schreib still ist einfach und dabei doch tiefgründig. ♥
    Ich glaub ich habe sogar mal Zitate aus dem Buch gepostet.

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  4. @Lexy: Schön, dass es dir auch so gut gefallen hat ^^

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  5. Ich mag diese Art von Literatur! =)
    Die Rezension ist wirklich schön geschrieben.
    Liebe Grüße, Tanja

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  6. @Tanja: Vielen Dank! :) Ich fand sie selbst leider nicht so gut.

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  7. Bei mir SUBt das Buch auch noch, ich werde es i nächster Zeit endlich mal lesen. Ich habe es bisher immer vor mir her geschoben, weil es doch eher ein nicht so erfreuliches Thema ist.
    LG
    Anja

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  8. @Buchmelodie: Ja, das Thema ist wirklich alles andere als erfreulich, aber neben erquickenden Jugendbüchern muss man auch mal etwas lesen, was nicht ganz so unterhaltend und eher realistisch ist, finde ich jedenfalls. ^^

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  9. Schöne Rezi, die gut herüber bringt, was das Buch ausdrücken will :)

    LG Nanni

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