¡Rezension!: Extrem laut und unglaublich nah

VanaVanille


Titel: Extrem laut und unglaublich nah
Verlag: Fischer
Originaltitel: Extremly loud and incredibly close
Seitenzahl: 480
Preis: 9,95 € (D)
ISBN:
978-3-596-16922-1




Oskar ist Erfinder, Veganer, Pazifist, Tamburinspieler und ein Fanatiker der französischen Sprache, aber zuallererst ist er ein Sohn. Der Sohn seiner wunderschönen Mutter und seines intelligenten Vaters, bis ein Schicksalsschlag die kleine Familie völlig aus der Bahn wirft und Oskar gemeinsam mit seiner Mutter und Großmutter den leeren Sarg seines Vaters beerdigen muss. Doch wie ist er gestorben, was hatte er an diesem Tag vor und könnte es sein, dass er seinem Sohn eine Nachricht hinterlassen hat?
Oskar begibt sich auf eine vergebliche Suche nach den Resten seines Vaters und lernt dabei die außergewöhnlichsten Menschen kennen, die versuchen werden ihm zu helfen.

Als begeisterter Anhänger von originellen Protagonisten, hatte mich Oskar schon mit der ersten Seite des Romans in der Hand. Voller Neugier lauschte ich seinen Erläuterungen und dem außergewöhnlichen Ideenreichtum, der mich im Laufe der Geschichte immer wieder begeistern konnte. Es brauchte also nicht lange, um herauszufinden, dass er alles andere als ein normaler Junge war und somit bald zu einer Hauptfigur wurde, die man als verträumter Leser einfach mögen MUSSTE. 

Was natürlich zuallererst an ihn band, war sein trauriges und ergreifendes Schicksal. Da sein geliebter Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center ums Leben kam, hatte man es zwar mit einem intelligenten, aber innerlich doch sehr verwirrten Kind zu tun, das stets versuchte alles zu begreifen und dadurch nur noch trauriger wurde. Um seine Gefühle zu beschreiben, nutzte er allerdings nie so simple Wörter wie Trauer, oder Wut, sondern erklärte dem Leser seinen Zustand als "Bleifüße", die ihn hinab zogen und gleichzeitig unbeweglich machten. Auch das war ein Grund ihn noch weiter in mein Herz zu schließen, denn er versuchte Emotionen so zu beschreiben, wie er sie selbst fühlte und erläuterte sie dabei so authentisch, dass man jede noch so kleine Stimmung gut nachvollziehen konnte.
Trotzdem war auch das nicht der ausschlaggebende Grund, wieso ich Oskar ab heute zu meinen absoluten Lieblingen der Literatur zählen werde. Vielmehr konnten mich seine Erfindungen und brillanten Ideen für sich gewinnen. Halb genial, halb fantastisch hatten sie immer etwas sehr Anspruchsvolles an sich und waren somit nicht nur die Wünsche eines unschuldigen Kindes, sondern auch praktische Dinge, die man sich im wahren Leben gerne vorstellt.
Um euch ein Beispiel zu geben, habe ich mir eine seiner Ideen einmal heraus gepickt. Falls ihr allerdings nicht gespoilert werden wollt, überlest den Link (das Schlüsselloch) einfach.


Man könnte glauben, dass dem Autoren neben solch einem starken Protagonisten kaum Platz blieb, um sich dann auch noch mit interessanten Nebenfiguren zu beschäftigen. Damit liegt man jedoch vollkommen falsch, denn das Buch besteht nur zur Hälfte aus Oskars Abenteuer.
Während sich der 8jährige mit dem Tod seines Vaters auseinandersetzt und dessen Grund auf die Schliche kommen will, erzählen die Briefe seiner Großmutter und seines Großvaters, der vor der Geburt seines Sohnes verschwand, die Geschichte ihrer Ehe. Auch diese war durchtränkt von Verlusten, Abschieden und vielen traurigen Wahrheiten, die genauso erschüttern, wie der Rest des Romans.
Zuerst erschien mir dieser plötzliche Wechsel zwischen Briefen und Oskars Erlebnissen immer sehr abrupt, aber je öfter er stattfand, desto besser konnte man auch den Sinn dahinter erkennen. Es mussten Fragen beantwortet, Geheimnisse gelüftet und Familiengeschichten aufgedeckt werden, die sich zum Ende des Romans aber alle zusammen fanden und gelöst wurden (auch wenn sie vielleicht den ein oder anderen Leser erst einmal verwirrten).

Zugegeben, ein kleiner Junge, der in ganz New York nach Antworten sucht, und Briefe, die über die Vergangenheit eines Ehepaars berichten, klingen auf Anhieb nicht unbedingt spannend, jedoch sollte man nicht voreingenommen an diese Geschichte herangehen, weil sie doch an vielen Stellen überraschen und berühren kann.
Ich weiß nicht, wie Herr Foer das geschafft hat, aber ich konnte meine Hände einfach nicht von seinem Buch lassen. Mich trieb solch unbändige Neugier immer weiter die Seiten zu verschlingen, dass ich gar nicht mitbekam, dass ich sehr schnell auf das Ende zusteuerte. Dabei langweilten mich weder Oskar, noch die Briefe an irgendeiner Stelle, denn ich konnte von beiden nicht genug bekommen und wünschte am Ende der Lektüre doch etwas langsamer gelesen zu haben.

Wem das immer noch nicht Grund genug ist ein Blick in das Buch zu werfen, der sollte wissen, dass der Roman nicht nur aus Text, sondern auch aus Bildern besteht, die allem noch eine persönlichere Note verpassen. Alle davon spielen eine bestimmte Rolle in der Geschichte und lockern gleichzeitig die etwas drückende Stimmung wieder auf. Eine weitere kreative Idee, von der ich vollkommen begeistert bin und die Foers Werk sogar noch ein bisschen lesenswerter macht (wenn man diese Empfehlung, denn noch steigern kann).


Mein Urteil

Eine wunderschöne Geschichte mit ungeahnt gefühlvollen Figuren, die einem das Herz erweichen, weil man ihnen so unglaublich nah ist. Keine Angst, dieses Buch hat vielmehr mit Abschied und Verlust, als mit dem 11. September zu tun und ist damit kein patriotisches Werk an die Amerikaner. Hier geht es um unbeschreibliche Gefühle, Ängste und Eingeständnissen, die fesseln und bewegen, egal ob man Sohn, Vater, oder Großmutter ist. 


10 Kommentare:

  1. Wow...das hört sich ganz nach einem Buch meines Geschmacks an! Und kommt auch shcon auf die Wunschliste! =)
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. @Martina: Dann hoffe ich, dass es dir genauso gut gefällt wie mir. Also ich war vollkommen begeistert und zähle es auch schon zu meinen neuen Lieblingsbücher :)

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  3. Danke für die schöne Rezension! Gehört hatte ich den Titel schon öfter, hab mich bisher aber nie näher mit dem Inhalt befasst...nach dem Lesen deiner Rezension wandert es jetzt auf die Wunschliste :)

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  4. Das Spoiler-Schlüsselloch ist ja herzallerliebst :D

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  5. Sehr schöne und ausführliche Rezension! :)
    Du bist Schuld daran, dass meine Wunschliste gar nicht aufhört zu wachsen :D
    Liebe Grüße ;)

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  6. @pinketuerklinke: Danke für das Lob :) Ich hoffe, dass dir das Buch dann auch gefallen wird ^^

    @MB: Hehe, dankeschön! Ich war auch mal stolz auf die Idee. ;)

    @Jana: Huch, sorry. xD Hoffentlich gefällt dir das Buch dann auch.

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  7. Also das Buch hört sich wirklich richtig gut an. Ich hab davor noch nicht davon gehört, aber jetzt muss ich es auch unbedingt lesen. Steht schon auf meiner Wunschliste :D

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  8. @leseflower: Ich bin auch eher darüber gestolpert und hatte vorher noch nie etwas von diesem Buch gehört (nun bin ich aber froh).
    Hoffentlich gefällt es dir dann auch, sonst mach ich mir Vorwürfe xD

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  9. Ui, das Buch steht auch schon in meinem Regal und nachdem ich deine Rezi gelesen habe, freu ich mich noch mehr drauf! Musste es auch gleich einpacken, als ich die erste Seite in der Buchhandlung Probe gelesen habe.

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  10. @Smitten Kitten: Es ist unglaublich, wie manche Autoren es schaffen schon mit der ersten Seite zu verzaubern.

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Cherry