¡Rezension!: Grimm

VanaVanille


Titel: Grimm
Autor/in: Christoph Marzi
Verlag: Heyne
Originaltitel: -
Seitenzahl: 560
Preis: 17,99 € (D)
ISBN:
978-3-453-26661-2




Früher liebte die junge Vesper es, wenn ihre ältere Schwester Amalia zu ihr ins Bett kroch und ihr wunderschöne Märchen erzählte. Verträumt glitt sie dabei ins Land der Fabelwesen und konnte ihnen immer dann wieder entfliehen, wenn der Satz Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. die Geschichte beendete. Doch seitdem sich Amalia umgebracht hat, geschehen lauter merkwürdige Dinge und Vesper ist sich nicht mehr ganz so sicher, ob all die fantastischen Geschichten wirklich nur in ihrem Kopf existieren, oder doch ein Teil der Realität sind.

Da ich von Marzi bisher kein einziges Buch gelesen hatte, staunte ich über seine sehr detailreiche und ausgeprägte Sprache. Er hatte ein Händchen dafür Gefühle besonders stark auszuschmücken, dem Leser seine Figuren nahe zu bringen und eine Atmosphäre zu schaffen, die voller Emotionen steckte. Auch wenn ich selten ein Freund solch langatmiger Verschnörkelungen des Schreibstils bin, muss ich doch sagen, dass ich seine Worte oft genoss, denn sie steckten voller schöner Metaphern und brillanter Vergleiche, die die Fantasie noch etwas weiter anregten. So konnte man diesen trägen Beginn der Geschichte, trotz wenig Handlung und vieler Details, doch sehr gut lesen.
Was mich später allerdings doch sehr störte, war die Tatsache, dass der Anfang nicht zu enden schien. Bis zu Seite 400 hatte ich stets das Gefühl mich noch in der Einleitung zu befinden, denn die Handlung kam einfach nicht in die Gänge. Zwar hatte der Leser dadurch eine Chance die Figuren besser kennen zu lernen - die es auf jeden Fall auch wert waren - aber trotzdem kann es nicht richtig sein, dass die wahre Story erst am Ende des Romans beginnt.

Was so langsam und zäh begann, wurde danach von einem Finale abgelöst, welches hätte überschlagender nicht sein können. Plötzlich passierten so viele Dinge gleichzeitig, dass ich kaum noch hinterher kam und keine Zeit hatte an den richtigen Stellen traurig, verwirrt oder überrascht zu sein. Anfang und Ende befanden sich überhaupt nicht im Gleichgewicht und hätten beide etwas vom jeweils anderen Teil vertragen können.
Dabei fand ich die Idee des Endes eigentlich sehr gelungen und realistischer als manch anderes Jugendbuch. Marzi schreibt hier wider jeglicher Erwartung einen Schluss aufs Papier, welcher viele überraschen und sicherlich auch einige - wie mich - begeistern wird, denn nicht immer leben sie glücklich bis an ihr Lebensende.

Wie schon erwähnt, waren besonders die Charaktere im Buch ein kleines Highlight. Das begann mit der Protagonistin Vesper, die so - gegen jede Regel - stur, frech, intelligent und sarkastisch war - genau wie ich es mag. Sie hatte etwas an sich, was sie reifer und unabhängiger wirken ließ, als gewöhnliche Jugendbuchprotagonistinnen. Sie konnte mich deshalb sehr schnell für sich gewinnen und entpuppte sich als überraschend lustig und mutig.
Daher war ich etwas enttäuscht, als Leander auf der Bildfläche erschien. Er als Person war zwar total genial und gefiel mir anfangs fast noch besser als Vesper, aber die Beziehung, die sich zwischen den beiden bildete - und das ziemlich schnell - zerstörte mein Bild beider Figuren. Ich hätte mir ein bisschen mehr Distanz gewünscht und somit eine langsame, vorsichtige Entwicklung, ohne große Gefühlsausbrüche, denn die passten eigentlich zu keinem von beiden. Leider wurde mein Wunsch nicht erfüllt und die coole, lässige Vesper wurde plötzlich zu einer kichernden Jugendlichen, die den Ernst der Lage völlig vergaß und nur noch Augen für ihren Liebsten hatte. Ich frage mich immer noch, was für Beweggründe der Autor hatte seine Protagonistin so zu verhunzen?

Das einzig Gute am Ende blieben dann die Märchenaspekte, die im Laufe der Geschichte natürlich immer wieder auftauchen. Dabei vermischte Marzi die einzelnen Erzählungen und schuf so sehr schöne, neue Märchen, was mir ausgesprochen gut gefiel. Manchmal begannen die Figuren sogar selbst Geschichten zu erzählen und halfen dem Verlauf des Romans noch ein wenig auf die Sprünge.
Selbstverständlich begegnete man vielen bekannten Fabelwesen und Persönlichkeiten aus den verschiedensten Märchen und konnte sich dabei auf die Neuinterpretationen des Autors freuen, der selbst vor den Schriftstellern und "Erfindern" der, von ihm genutzten, Wesen keinen Halt machte und sie gleich mit in seine geheimnisvolle Verschwörung mit einbezog.


Mein Urteil

Ein Buch, was mich sehr zwiegespalten zurück lässt. Auf der einen Seite: eine wunderschöne Idee, geniale Charaktere und ein detailreicher, aber dennoch gelungener Schreibstil, auf der anderen: eine überflüssige Liebesgeschichte, ein nicht enden wollender Beginn und ein abruptes Ende.
Trotzdem möchte ich nicht leugnen, dass mich dieser Roman verzaubert hat und ich ihn jedem ans Herz legen will, der von Märchen absolut begeistert ist. 


2 Kommentare:

  1. schöne Rezension :)

    das Buch möchte ich auch noch lesen

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  2. @Sandrina: Ich hoffe, dass es dir sprachlich ähnlich gefällt wie mir, du aber am Rest noch mehr Spaß haben wirst als ich ^^

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