¡Rezension!: Vor meinen Augen

VanaVanille


Titel: Vor meinen Augen
Autor/in: Alice Kuipers
Verlag: Fischer
Originaltitel: Lost for Words
Seitenzahl: 224
Preis: 14,95 € (D)
ISBN:
978-3-8414-2121-0




Was wäre wenn Sophies Vater nie gestorben wäre? Wenn sie nicht über ihren Schnürsenkel gestolpert wäre? Wenn sie nie aus ihrem alten Haus hätten ausziehen müssen?
Dann wäre jetzt alles viel besser und Sophie wäre glücklich und hätte so eine tolle Familie wie Lucy. Dann hätte sie wahrscheinlich einen wunderbaren Freund wie Abigail und würde genauso sorglos durchs Leben gehen wie all ihre Klassenkameraden.
Aber die Realität ist anders und die 16Jährige muss sich langsam eingestehen, dass nichts mehr so wird wie früher, es aber dennoch einen Weg nach vorn gibt.

Was ist passiert? Wieso soll Sophie ein Tagebuch schreiben, um mit ihrer Vergangenheit zurecht zu kommen? Wieso hat sie immer wieder solch zerstörende Gedanken? Das sind nur ein paar der Fragen, die sich der Leser zu Beginn des Buches stellt, denn Sophie lässt auf den ersten Seiten ihres Tagebuchs nur wenig an Gefühlen zu und würde am liebsten alles verdrängen.
Anfänglich noch vorsichtig und bedacht, beginnt sie doch bald ihre wahren Gedanken aufs Papier zu bringen und eröffnete dabei ihren erschütterten und traurigen Geist, den der Leser nach und nach immer weiter ausgebreitet bekommt. Dann erst wird klar, was Sophie so beharrlich versucht herunter zu schlucken und warum gerade ihr Fall so besonders bewegend und verstörend ist.

Ich mochte die 16jährige Protagonistin sehr und war schnell von ihrer Ehrlichkeit begeistert. Egal ob es dabei um ihre Erinnerungen an alte Zeiten (in denen noch alles gut war) ging oder um gegenwärtige Probleme mit ihrer Mutter und ihrer besten Freundin, sie ließ Gedanken zu, die sonst niemand gerne ausspricht, obwohl wir sie doch alle kennen. Darunter gab es Hass, Liebe, Reue, Wut und so viel Traurigkeit, dass es nicht schwer fiel, selbst von dieser emotionalen Berg- und Talbahn ergriffen zu werden.
Keine Handlung wirkte aufgesetzt oder übertrieben, sondern wurde von ihr so beschrieben, als wäre sie eine real existierende Schülerin, der schreckliche Dinge zugestoßen sind. Dabei war sie dafür verantwortlich, dass im ganzen Buch eine beklemmende und melancholische Stimmung vorherrschte, der man nicht entkommen konnte.

Auch wenn es sich hier um ein Tagebuch handelt, muss ich doch sagen, dass es sich an vielen Stellen eher wie ein Roman aus der Ich-Perspektive lesen ließ. Das lag speziell an Sophies poetischer und bildlicher Sprache, die mich immer wieder begeisterte. Sie benutzte viele Vergleiche - die meisten davon sehr originell - und schrieb mit einer geballten Ladung Gefühl, sodass ich an Kuipers Schreibstil nichts auszusetzen habe. Selbst mit noch so kurzen Einträgen vermittelte sie Sophies Gedanken und blieb dabei stets authentisch und wahrheitsliebend.

Da ich nicht zu viel des Inhaltes verraten möchte, um nichts vorweg zu nehmen, will ich an dieser Stelle nur schon einmal sagen, dass hinter diesem Werk doch ein bisschen Wahrheit steckt und sich sicherlich viele Personen beim Lesen an die Ereignisse erinnern werden, um die es im Buch geht. Trotz dessen handelt es sich vielmehr um Sophies Geschichte, die im Verlaufe des Tagebuchs weder urteilt noch richtet, sondern einfach nur versucht über das, was vor ihren Augen geschah, hinweg zukommen. 


Mein Urteil

Ein wunderschönes, trauriges Buch, mit dem mich Frau Kuipers auch diesmal zu Tränen rühren konnte. Ich kann nur immer wieder bewundern, wie sie es schafft, mit so wenig Worten, so viel Gefühl zu wecken.
Übrigens: Wer bei ihrem anderen Werk Sehen wir uns morgen? die Kürze zu bemängeln hatte, wird an Vor meinen Augen sicherlich mehr Gefallen finden. 


4 Kommentare:

  1. Klingt nach einem sehr interessanten und auch spannenden Buch. Vielen Dank für Deine Rezension!

    LG Kerstin

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  2. mh, klignt wirklich richtig interessant und auch sehr gefühlvoll. Wenn das buch dann draußen ist werd ich mir nomal nen paar Rezis anschauen, aber ich glaub du hast mich eigentlich schon so überzeugt es auf meine Wunschliste zu tun :D

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  3. Hab das Buch grad gelesen und rezensiert und muss sagen: Sehr sehr schöne Rezi, die sehr passend ist :)
    Ich war auch richtig bedrückt durch die Stimmung im Buch, denn die Autorin bringt wirklich gut rüber in welch tiefes Loch Sophie gefallen ist.

    LG Nanni

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  4. @Rosenträume: Nichts zu danken ;)

    @leseflower: Ich finde, dass es sich lohnt. =)

    @Nanni: Schön, wenn du das auch so siehst. Ich werde mir gleich mal deine Rezi anschauen.

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