¡Rezension!: Schoßgebete [Buch + Hörbuch]

VanaVanille


Titel: Schoßgebete
Autor/in: Charlotte Roche
Verlag: Piper
Originaltitel: -
Seitenzahl: 288
Preis: 16,99 € (D)
ISBN:
978-3-49205420-1




Elizabeth ist  Mutter, Ehefrau und beste Freundin - so wie es sich für eine normale Frau von 33 Jahren gehört. Immer versucht sie es allen Recht zu machen, die zu beschützen, die beschützt werden müssen und alles besser zu machen als ihre trostlose Mutter. Aber hinter dieser scheinbar heiligen Fassade verbirgt sich eine tief erschütterte, depressive Frau, die über den Schmerz ihrer Vergangenheit nie hinweg kam. Ehrlich und offen vertraut sie sich ihrer Therapeutin an und deckt dabei die dunkelsten Winkel ihrer Psyche auf.

Vergesst Feuchtgebiete und lasst euch vom Ruf der Autorin nicht abschrecken, denn was den Leser in Schoßgebete erwartet, hat ein viel höheres und anspruchsvolleres Level, als es im ersten Buch der Fall war. Zwar konnte man schon beim Vorgänger viele Ansätze einer tragischen Geschichte erkennen, dieser Fakt wurde aber durch die ekligen, detaillierten Beschreibungen meist überdeckt und nur sehr selten gefunden. Was nun den zweiten Roman betrifft, so hat Frau Roche es diesmal um einiges besser gemacht und konnte mich mit ihrer erbarmungslos ehrlichen Protagonistin wieder schnell um den Finger wickeln.

Es wäre gelogen, wenn ich schreiben würde, dass die Autorin ihre Art zu Schreiben vollkommen umgekrempelt hat und mit diesem Buch in eine völlig andere Richtung schlagen würde. Auch hier finden sich wieder pingelig genaue Beschreibungen von eher unappetitlichen Dingen, die dem ein oder anderen sicherlich zu viel sein werden und ihn dazu bringen, das Buch schnell zu zuschlagen. Dennoch bemerkt man beim Lesen, dass man es diesmal mit einer reiferen Protagonistin zu tun hat, die nicht mehr so pubertär und aufmüpfig ist, wie es Helen aus Feuchtgebiete war. Gut zu erkennen ist das auch an den Themen, mit denen sich Elizabeth auseinandersetzen muss. Zwar gehört auch wieder einmal Sex dazu (was nicht anders zu erwarten war), aber es werden genauso Dinge wie das Elternsein, die Ehe und Freundschaft besprochen. Angeführt wird aber alles von dem Schicksalsschlag vor acht Jahren, den die Protagonistin bis heute nicht verkraftet hat. Dabei ihren Gedanken und Hirngespinsten zu folgen, war für mich unglaublich interessant und erschütternd zugleich, denn diese Art von Gefühlen, die die junge Frau da ans Licht brachte, hätte ich bei diesem Buch auf gar keinen Fall erwartet.

Der größte Teil der Geschichte bestand aus den Gesprächen zwischen Protagonistin und Therapeutin, die dafür sorgten, dass der Leser einen großen Einblick in Elizabeths Psyche bekam. Sie teilte jeden Gedanken, jedes Gefühl mit und blieb dabei immer ehrlich und direkt.
Der Rest des Romans wechselte häufig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die nur Stück für Stück aufgedeckt wurde. So wurden an manchen Stellen Dinge erwähnt, die erst später einen größeren Sinn ergaben und so irgendwann das ganze Puzzle namens Elizabeth vollendeten.

Zugegeben, die Stimme der Autorin ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedem gefallen, aber was mich bei diesem Buch erstaunt hat, war die Tatsache, dass es mir besser gefiel es zu hören als selbst zu lesen. Das lag allerdings auch daran, dass der Text sehr umgangssprachlich geschrieben wurde und vorgelesen meist viel mehr Sinn machte.

Auch über Roches Fähigkeit Gefühle zu betonen, lässt sich streiten, aber da ich mich schnell an ihre Stimme gewöhnt hatte, wurde sie irgendwann zu meiner Elizabeth und passte perfekt in deren Rolle. Was mir allerdings auffiel - und das hatte ich bei bisher keinem Hörbuch - waren die vielen Versprecher der Autorin, die nicht herausgeschnitten wurden. Mich regen schon Tippfehler in einem Buch auf, aber so etwas muss nun wirklich nicht sein.



Mein Urteil

Sicherlich wieder ein Skandalbuch, was die einen lieben und die anderen hassen werden. Trotzdem bleibt es für mich eine tolle Fortsetzung, die Ähnlichkeiten mit Feuchtgebiete hat, dessen Inhalt aber deutlich übertrifft.


6 Kommentare:

  1. dieses lieben oder hassen war ja schon bei feuchtgebiete der fall XD mal sehen ob ich mir das buch doch noch hole ^^

    lg july

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  2. @dreamer: Ja, das stimmt, bei "Feuchtgebiete" war es sehr extrem. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich ein paar Leute nicht verstehen kann, die das erste Buch schrecklich fanden, sich nun aber trotzdem den zweiten Roman auch holen. Zwar ist "Schoßgebete" nicht wie "Feuchtgebiete", aber wer den Vorgänger schon absolut schrecklich fand, wird auch mit dem anderen Buch nichts anfangen können. Auch wenn ich das ein bisschen traurig finde =(

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  3. Ich wollte nie wirklich was von Feuchtgebiete wissen, da viele das Buch schon so verschrien haben. Ich kann nicht genau sagen, ob das Buch was für mich sein würde... Ohje, ich weiß echt nicht, ob ich mir die mal antun soll :/

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  4. @Pia: Hm, das ist wirklich schwer zu sagen. Hast du es mal mit einer Leseprobe versucht? Du solltest auf jeden fall keinen schwachen Magen haben, denn das, was in "Feuchtgebiete" beschrieben wird, hat schon so seine ekligen Stellen, hehe.

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  5. Ich mochte "Feuchtgebiete" sehr und fand gerade, dass diese "ekligen" Sachen die eigentliche Tragödie noch unterstützt haben. Es hat einfach gepasst und irgendwo war ja auch die Aussage, dass die Leute sich so sehr um gesellschaftliche Zwänge kümmern wie blooooß nicht das böse Wort mit F zu sagen. Aber dabei verdrängen sie teilweise die wirklich schlimmen Sachen, um die sie sich viel eher kümmern sollten.

    Ich habe also im Vorgänger schon sehr viel mehr gesehen als nur "das eklige Buch von Charlotte Roche", von welchem es ja mittlerweile so viele Ableger gibt. Daher freue ich mich auch schon sehr auf "Schoßgebete", welches ich früher oder später auch lesen muss / will.

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  6. @Smitten Kitten: Schön, wenn es dir da wie mir ging und du nicht nur die "Schweinereien" in "Feuchtgebiete" gesehen hast, dann wird dir auch dieses Buch sicherlich gefallen.
    Es unterscheidet sich nur größtenteils darin, dass die Protagonistin keine Jugendliche, sondern schon eine erwachsene Mutter ist. Aber damit kam ich persönlich auch gut zurecht und ich denke, dass du damit sicherlich auch keine Probleme haben wirst ;)

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