¡Rezension!: Bevor ich sterbe

VanaVanille


Titel: Bevor ich sterbe
Autor/in: Jenny Downham
Verlag: cbt
Originaltitel: Before I Die
Seitenzahl: 320
Preis: 8,95 € (D)
ISBN:
978-3-570-30674-1




Der 16Jährigen Tessa bleibt nicht mehr viel Zeit, denn der Krebs scheint sie innerlich ganz langsam aufzufressen. Aber was fängt man mit diesen letzten Tagen an? Gibt es nicht viel zu viele Dinge, die man noch machen wollte?: Berühmt werden. Eine Familie gründen. Seinen kleinen Bruder aufwachsen sehen.Tessas letzte Hoffnung ist also ihre Liste, die sie in der Zeit, die ihr noch zur Verfügung steht, so gut wie es eben geht, abarbeitet. Sie möchte leben. Sie möchte lieben. Und sie möchte, dass sich andere an sie erinnern.

Es gibt eben solche Bücher, bei denen man schon vorher weiß, dass sie niemals gut ausgehen können. Sie werden einen zum Weinen bringen, aufwühlen und nicht mehr so schnell aus den Köpfen verschwinden. Dennoch haben mich die Tränen bei diesem Buch völlig überrumpelt, und das nicht nur am Ende.

Bevor ich sterbe ist eine ständige Drahtwanderung zwischen Unterhaltung und Drama. Die selbstironische Protagonistin, deren spezielle Familie und sarkastischen Freunde bringen einen so oft zum Lachen, dass man ab und zu einige Minuten braucht, um zu verstehen, dass diese Stellen auch gleichzeitig so traurig sind, dass man schon wieder anfangen könnte zu heulen. Man genießt die Zeit mit Tessa, freundet sich mit ihr an, fühlt mit ihr mit - um schließlich genauso trauernd wie ihre Angehörigen an ihrem Sterbebett zu sitzen und leise Tränen zu vergießen.
Eigentlich sollte man Frau Downham für solch eine sympathische Protagonistin verfluchen. Tessa ist so normal, wie ein jeder andere Teenager. Sie will Sex haben, sich verlieben, ihre erste Beziehung führen, und genau das macht es für den Leser auch so schwer zu verstehen, wieso gerade sie gehen muss. Dabei ist genau das so realistisch. Die Autorin macht uns damit nur schmerzlich bewusst, dass es jeden treffen kann, auch ein 16jähriges Mädchen mit so vielen Zukunftsplänen. 
(Um es mit Downhams Worten zu sagen, habe ich kurz eine Stelle aus dem Buch kopiert, die man allerdings nicht unbedingt als Spoiler ansehen muss. Wer es trotzdem nicht lesen will, sollte nicht auf das Schlüsselloch klicken)



Man bindet sich jedoch nicht nur emotional an Tessa, sondern auch an die vielen anderen Figuren, die mit ihr leiden, ihr helfen wollen und sie irgendwann gehen lassen müssen. Mir tat besonders ihr Vater schrecklich Leid, dessen unerfüllte Hoffnung die ganze Zeit an seiner Tochter klammerte und dabei immer versuchte standhaft zu bleiben. Aber auch ihr jüngerer Bruder Cal, ihre beste Freundin etc. ließen meinem Mitgefühl freien Lauf und machten das Buch gleich doppelt traurig.
Aber natürlich kommt es immer noch einen Deut schlimmer, wenn man denkt, es geht nicht mehr. Auch die Liebe erfasst die sterbende Tessa. Eine wirklich schöne, erste Liebe. Nicht perfekt, sondern erfüllend. Was mir hier speziell gefallen hat, war die Tatsache, dass es sich bei ihrem Auserwählten nicht um einen sportlichen Schönling aus der High School handelte (Gott sei Dank ist die Autorin ja keine Amerikanerin), sondern um einen durchschnittlichen Jungen. Das machte die Geschichte viel realistischer und glaubwürdiger, und verlieh ihr nicht diesen melodramatischen Hauch, mit dem viele Jugendbücher ausgestattet sind, sobald es um Liebe geht. Vielen Dank liebe Frau Downham!


Mein Urteil

Ein berührendes, emotionales, tröstendes, trauriges, furchtbar aufwühlendes, sich unter der Bettdecke verstecken wollendes, liebenswürdiges - einfach nur schönes Buch in dem der Tod, die Liebe und das Leben allgegenwärtig sind. Auf jeder Seite, in jedem Buchstaben.

7 Kommentare:

  1. Klingt ja super,deine Bewertung. Allerdings habe ich da eine Frage. Ist das Buch jetzt auch eher für Teenager geschrieben oder für Erwachsene? ZB. Superhero von Anthony McCarten handelt ja auch von einem todkranken Teenager, ist aber eindeutig für Erwachsene geschrieben,das ist mir so lieber.

    LG, Sarah

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  2. @sarahmiriam: Bei "Bevor ich sterbe" handelt es sich eigentlich um ein Jugendbuch. Es wurde aber auch so geschrieben, dass es ein Erwachsener lesen könnte, ohne zu sehr zu merken, dass es eigentlich ein Roman für Jugendliche ist. Die Bertelsmannausgabe sieht ja auch ziemlich "reif" aus und wirkt nicht wie ein Jugendbuch auf mich.
    ...
    Sagen wir es so: Ich würde es auf alle Fälle auch Erwachsenen empfehlen. Bin ja selber 21 und damit eigentlich schon erwachsen ;)

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  3. Ah, danke,dann werde ich es mir mal Anschauen. Und hey,so alt bist du nicht,ich werde "leider" im Januar schon 26. :(
    ;)

    LG und ein schönes Wochenende!

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  4. Ich habe das Buch auch erst vor kurzem gelesen, und obwohl es mich zu Beginn nicht soo begeistert hat, fand ich es dann immer besser und am Ende musste sogar ich weinen, spätestens beim Brief an ihren Vater.
    Ich finde dieses Buch einfach toll, eben auch weil es so realistisch ist :)

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  5. @Chrissy: Das ist ja seltsam, mir ging es zu Beginn des Buches ähnlich. Das lag auch hauptsächlich daran, dass ich Zoey zuerst nicht wirklich mochte und ich mir eine andere beste Freundin für Tessa gewünscht hätte. Da sie allerdings auch einen erheblichen Wandel mitmacht, konnte sie mich irgendwann auch für sich begeistern.

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  6. Ich kann dir nur absolut zustimmen. Bin jetzt (Monate nach dem Lesen) immer noch begeistert und in Gedanken ab und zu bei Tessa :)
    Sehr schöne Rezension.

    Liebe Grüße, Diti

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  7. @Diti: Danke für das Lob. Es freut mich immer, wenn ich mit einer Rezi mal ins Schwarze treffen konnte :)

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