¡Rezension!: Stadt aus Trug und Schatten

VanaVanille


Titel: Stadt aus Trug und Schatten
Autor/in: Mechthild Gläser
Verlag: Loewe
Originaltitel: -
Seitenzahl: 412
Preis: 17,95 € (D)
ISBN:
978-3-7855-7402-7




Flora fühlte sich bisher immer ganz normal - etwas zu klein, aber dennoch gewöhnlich. Doch bisher wusste sie auch nicht, was mit ihrer Seele geschieht, wenn sie sich abends schlafen legt:
Ihre Nächte verbringt sie nämlich in der schwarz-weißen, stummfilmartigen Welt namens Eisenheim, in der sie erfährt, dass ihr zweites Ich nicht nur eine Draufgängerin ist, sondern auch noch einen Diebstahl begangen hat, an den sie sich leider nicht erinnern kann. Nur ganz langsam kehren die Erinnerungen an dieses Zweitleben zurück, und mit ihnen auch die Gewissheit, dass sie keinem trauen kann. Gar keinem! 

Wie grausig ist doch die Vorstellung ein unbewusstes Leben in seinen Träumen zu führen und ein Mensch zu sein, der sich vom realen Ich vollkommen unterscheidet. Noch immer bereitet mir diese Idee eine Gänsehaut, weshalb ich nicht mehr zu erwähnen brauche, dass mir der Gedanke hinter Stadt aus Trug und Schatten sehr gefiel.  
Eisenheim war eine Mischung aus Steampunk und einem alten Kinostreifen - sämtliche Graustufen und das ständigen Flackern des Bildes inbegriffen - sodass man sich darunter etwas wirklich Außergewöhnliches vorstellen konnte. Mit den Wahrzeichen der Metropolen unserer Welt geschmückt, hätte diese glorreiche Stadt ein wahrer Augenschmaus sein können, wenn nicht deprimierende Dunkelheit jede ihrer Straßen überschatten würde. Trotz Prunk und ansehnlichen Gebäuden blieb der Ort somit düster und trist, was ich nicht nur interessant, sondern auch sehr abwechslungsreich fand.

Was dagegen leider nicht aus der Masse herausstechen konnte, waren Protagonistin, deren Auserwählter und die Geschichte im Allgemeinen.
Der Leser lernte Flora als eine sehr trübe Gestalt kennen, die zwar als zierlich und wahrscheinlich auch schön beschrieben wurde (anders kann ich mir die Verehrer jedenfalls nicht vorstellen), sonst aber nicht viel hergab. Es war seltsam zu wissen, dass neben dieser Persönlichkeit noch eine wilde, freiheitsliebende Flora existieren sollte, mit der man bedauerlicherweise keine Bekanntschaft schließen durfte. Ich vermute, dass sich die Autorin damit Stoff für den zweiten Teil gesichert hat, denn es sind bezüglich Floras Charakter noch sehr viele Fragen offen, die nicht nur nach Antworten, sondern auch nach einer selbstsichereren Person schreien.

Ähnlich erging es mir leider auch mit den anderen Personen, bzw. der anderen Hauptperson Marian, bei dem ich zuerst noch große Hoffnungen hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich wieder einige Jugendbuchleser in den jungen Mann verlieben werden, schon wegen der Tatsache, dass er Flora trotz all ihrer Fehler liebt und sie auch dann nicht hassen kann, wenn er eigentlich ein Recht dazu hatte. Wahrscheinlich aus Rache dafür, spielte er mit dem armen Mädchen aber auch gerne das altbekannte Hin- und Her-Spiel, dessen einfache Regel darin besteht die Angebetete erst an sich zu reißen, dann wieder wegzustoßen, gleich darauf mit Küssen zu überhäufen,  um sich danach wie eine beleidigte Leberwurst von ihr abzuwenden. Er benahm sich wie ein 14jähriges Mädchen mitten in der Pubertät, auch wenn er nach außen hin den kühlen Typen gab. Irgendwie nicht ganz glaubwürdig.

Auch die Geschichte konnte mich nicht wirklich in ihren Bann ziehen. Eine Auserwählte, ein Bösewicht, zwei Seiten, von denen sich die Heldin für eine entscheiden muss, plötzliche Wendungen - die leider gar nicht so überraschend waren, wie die Autorin es wohl gern gehabt hätte - und eine Liebesgeschichte, die natürlich wieder sehr schnell zustande kam und die Leser mit raschen Küssen glücklich machte. Einzig und allein die Tatsache, dass sich dies alles in einer Traumwelt abspielte, machte mir das Buch dann doch noch so schmackhaft, dass es sich mit einer mittelmäßigen Bewertung zufrieden geben kann.


Mein Urteil

Keine bahnbrechende, neue Story, dafür aber eine sehr interessante Welt der Träume, abgepackt in einer grauen Stadt mit dem Namen Eisenheim. Fans von seichten Liebesgeschichten und düsterer Fantasie ohne viel Gewalt werden sich sicherlich nach diesem Roman verzehren. Lesern, denen die ganze Fantasy-Jugendbuchrichtung aber langsam auf den Geist geht und die sich etwas Neues wünschen, werden wohl keinen großen Spaß daran haben.


4 Kommentare:

  1. Schöne Rezi. Mir ging es ähnlich mit dem Buch. Die Welt war zwar spannend und interessant, der Rest aber dafür leider sehr gewöhnlich und teils langweilig.

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  2. schöne Rezi ^^
    ist jetzt das erste mal, dass ich von dem buch höre...
    lg Alisia

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. @Paperdreams: Schön, dass wir da ähnlich denken. Hab schon wieder vermutet, dass es kaum jemanden gibt, der dass genauso sieht. Verlieren sich doch zu viele in den seichten Liebesgeschichten und achten nicht auf den Rest des Buches. Aber weil ich ja weiß, dass du nicht solche Art Bloggerin bist, lese ich deinen Rezensionen auch so gern.

    @Alisia: Danke. Wie du siehst, muss man auch nicht unbedingt davon gehört haben ;)

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