¡Rezension!: Ich gegen dich

VanaVanille


Titel: Ich gegen dich
Autor/in: Jenny Downham
Verlag: cbt
Originaltitel: You Against Me
Seitenzahl: 384
Preis: 14,99 € (D)
ISBN:
978-3-570-16138-8




Vergewaltigung, Sozialsiedlungen, Gewalt, Gossensprache und die unüberwindbare Beziehung zwischen reich und arm. In der Tat hat sich Frau Downham wieder einmal Themen ausgesucht, die nur selten Platz in Jugendbüchern finden, und noch seltener authentisch an den Leser gebracht werden. Doch wie auch in Bevor ich sterbe konnte ich mir gut vorstellen, dass sie es schaffen würde, mich davon zu überzeugen, dass sie selbst einmal Zeuge solch einer Geschichte gewesen war. So echt waren ihre Figuren im vorigen Buch, so tief die Gefühle. Und auch wenn ich weiß, dass man die Werke eines Autoren nicht vergleichen soll, wollte ich doch stets Parallelen ziehen.Was für ein Fehler.

In Downhams neustem Roman treffen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander: die, des sozial schwächeren Mikey, der sich versucht als Küchenjunge durchs Leben zuschlagen, um damit seine ständig betrunkene Mutter und beiden jüngeren Schwestern zu unterstützen, und die, der wohlbehüteten Ellie, die in einer konservativen, gut verdienenden Familie lebt und vom wahren, dreckigen Leben keine Ahnung hat.
Ich muss leider zugeben, dass ich mit keinem der beiden in Einklang kam. Ellie war mir zu sprunghaft, zu unüberlegt. Erst unglaublich naiv, dann tough und kokett, wie eine erfahrene Frau. Selbst die Kapitel, die aus ihren Augen beschrieben wurden, verrieten nicht viel von dem, was in ihrem Kopf vorging. Sobald es in ihren Gedanken um Mikey ging, war der Leser voll im Bilde, aber alle anderen Themen wurden so sehr vernachlässigt, dass man manch ihrer Handlungen nicht nachvollziehen konnte. Wahrscheinlich sollte dieses Auslassen für Spannung sorgen, uns zum Weiterlesen verführen und Ellies Angst vor der Wahrheit widerspiegeln, aber der Beziehung zwischen Leser und Protagonist tat diese Entscheidung nicht gut.

Auch mit Mikey hatte ich so meine Probleme. Ich fand ihn als Figur eigentlich recht authentisch - mit seiner Jugendsprache, dem simplen Charakter und der verbrauchten Aura - doch auch hier waren einige seiner Handlungen für mich nicht ganz zugänglich. Eben noch ein dunkler Plan, dann plötzlich die große Liebe? Die Entwicklung zwischen den beiden kam viel zu kurz, und las sich so, als hätte die Autorin ein paar wichtige Seiten vergessen. Ich fand die beiden zusammen nicht stimmig, verstand ihre Zuneigung nicht und hatte keinerlei Sympathien.
Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass es keine guten Gründe gab, dass Ellie und Mikey aufeinander trafen. Sobald man einmal länger darüber nachdachte, machte die Anziehung zwischen beiden schon einen gewissen Sinn. Gestört hat mich nur die Umsetzung dieser Beziehung. Mir fehlte es an Tiefgang.

Das lag aber vielleicht auch daran, dass mich ihre Liebe nicht so sehr interessierte wie die Aufklärung des Falls. Man bemerkte schnell, dass sich hinter all dem mehr verbarg, man wollte wissen, was in dieser Nacht geschah und wer sich nun wie verhalten hatte. Wer war der Lügner? Wer sagte die Wahrheit? All das reizte mich viel mehr als die Romeo & Julia-Story zwischen den Protagonisten, schien aber irgendwann immer mehr an den Rand zu geraten.

Mein Urteil

Mit meinen hohen Erwartungen konnte dieses Buch höchstwahrscheinlich nur in einer Enttäuschung enden. Die ernsthaften Themen wie Vergewaltigung und das Zusammentreffen zweier so unterschiedlicher sozialer Stände wurden nur angeschnitten, weil sie einer einnehmenden Liebesgeschichte weichen mussten, die hauptsächlich aus Schuld, der Suche nach Wahrheit und Verdrängung zusammengesetzt wurde. Ich hätte es mir andersherum gewünscht.


10 Kommentare:

  1. Schade, dass das Buch bei dir nicht so gut weggekommen ist. Mir hat neben der Liebesgeschichte aber auch ein bisschen mehr Tiefe in dem ganzen Vergewaltigungsfall gefehlt. Da wäre etwas weniger Romantik und mehr Ernsthaftigkeit des Falls schon ganz gut gewesen. Ich kann also sehr gut nachvollziehen, warum dir "Ich gegen dich" nicht so gut gefallen konnte (auch wenn ich die Charaktere toll fand).
    Wusstest du übrigens schon, dass zu "Wenn ich bleibe" im Mai die Verfilmung in Großbritannien und Irland anläuft?

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  2. @captain cow: Ich kann gut nachvollziehen, dass man auch die Charaktere mag, aber irgendwie waren sie nicht meins, leider.
    Das mit der Verfilmung weiß ich, bin allerdings nicht so begeistert davon. Das liegt einmal daran, dass ich gefühlsbetonte Bücher nicht gerne verfilmt sehe, und zweitens die Schauspieler nicht mag. Dakota Fanning war noch nie mein Liebling ^^ Seltsam finde ich auch, dass der Film nicht wie das Buch heißt, sondern Now is good.

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  3. Charaktere sind ja aber wirklich immer geschmackssache :]
    Den Titel finde ich allerdings auch komisch. "Bevor ich sterbe"/"Before I die" passt, finde ich, perfekt, deshalb bin ich etwas verwundert. Und im Trailer und auf dem Plakat sieht es fast so aus, als würde nur die Liebesgeschichte eine Rolle spielen, was ich schade finde. Na ja, mal sehen... :] Du wirst ihn dann wohl nicht sehen wollen, oder?

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  4. @captain cow: Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, wollte ich ihn eigentlich nicht mehr sehen. Aber wer weiß, vllt kommt eins zum anderen und ich sehe ihn irgendwann, wenn er auf DVD herauskommt. Ins Kino setze ich mich dafür jedenfalls nicht ;)

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  5. Mh, na toll, hört sich ja nicht so toll an. Ich krieg das Buch noch von C. Bertelsmann zugeschickt und werde mal schauen, was ich davon halte. Bevor ich sterbe fand ich ja ... wenn ich so offen schreiben darf... ziemlich lächerlich (genau dran erinnern kann ich mich nicht mehr, aber ich weiß, dass die Protagonistin den größten Wunsch hatte Sex zu haben und dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzt).

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  6. Mh, na toll, hört sich ja nicht so toll an. Ich krieg das Buch noch von C. Bertelsmann zugeschickt und werde mal schauen, was ich davon halte. Bevor ich sterbe fand ich ja ... wenn ich so offen schreiben darf... ziemlich lächerlich (genau dran erinnern kann ich mich nicht mehr, aber ich weiß, dass die Protagonistin den größten Wunsch hatte Sex zu haben und dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzt).

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  7. Ich kann deine Kritik absolut verstehen. Bei einem Buch mit so einem ernsten Thema sollte es auch behandelt werden und nicht nur angeschnitten werden. Eine Liebesgeschichte, die unnötig in den Vordergrund geschoben wird, hat da für mich keinen Platz.

    LG Anni

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  8. @Pia: Ich glaube, wenn man weiß, dass man an Krebs sterben wird, ist einem seine Gesundheit ziemlich egal :/
    Ich fand es beim Lesen jedenfalls sehr schön und authentischer als Ich gegen dich. Obwohl ich mir ja eigentlich so sicher war, dass ich dieses Buch mögen würde - deshalb habe ich es auch als Rezensionsexemplar angefragt - hat es mich doch sehr enttäuscht.

    @Annie6: Ich hatte ja schon vermutet, dass es eine Liebesgeschichte wird - der Klappentext war eindeutig - aber dass diese dann nicht mehr auf das eigentliche Problem eingeht, sondern ganz allein für sich zu stehe scheint, hat mich verwirrt. Das hat so gar nicht gepasst, weil sie beide vorher so in ihrem Hass gefangen waren.

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  9. Naaajaaaa, ich weiß nicht. Aber ich würde sicher nicht an Sex denken wenn ich Krebskrank wäre. Ansichtssache. Vielleicht gefällt mir das Buch ja mehr :)

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  10. @Pia: Ich glaube, es ist schwer zu sagen, an was man denken würde, wenn man krebskrank ist. Vielleicht wollte sie die letzte Zeit so intensiv mit ihm verbringen, wie nur möglich. Ich fand es damals ziemlich glaubhaft.
    Aber ja, ich hoffe, dass dir dann Ich gegen dich besser gefällt. :)

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