¡Rezension!: Scherbenpark

VanaVanille


Titel: Scherbenpark
Autor/in: Alina Bronsky
Verlag: KiWi
Originaltitel: -
Seitenzahl: 304
Preis: 8,99 € (D)
ISBN:
978-3-462-04150-7




 
Noch nie war der Titel eines Romans für mich dermaßen schlüssig, wie es bei Scherbenpark der Fall war, denn es ist Saschas Welt, die in Scherben liegt: ihre Mutter und deren neuer Freund wurden von ihrem eifersüchtigen Ex-Mann ermordet, Sascha und ihre beiden jüngeren Geschwister traumatisiert zurückgelassen und die gutmütige Maria als Ersatzmutter gefunden. Seitdem gibt es im Leben der jungen Frau nur noch Hass, Misstrauen und der unbändige Wunsch nach Rache.
Was soll sie noch hier in diesem Haus voller Menschen, die nur Brocken Deutsch sprechen, sich mehr für Drogen und Gewalt interessieren und ihre Gedanken, die sie sich seit dem Tod ihrer Mutter macht, kaum nachvollziehen können?

Es war Saschas Art zu sprechen, die mir auf Anhieb gefiel. Ihre ehrlichen Sätze, die Direktheit und die unantastbare Mauer, welche sie derweil um sich herum aufbaute. Wie stark sie während ihrer Erzählung auch tat, als Leser merkte man doch schnell, dass sich hinter diesem harten Wesen ein verletzlicher, tief erschütterter Kern verbarg, der nur selten ans Licht kam. Sie forderte das Leben heraus, stürzte sich unbedacht in Gefahren und schien die ganze Zeit sehnsüchtig zu schreien: nach einem besseren Leben, nach Liebe und Gleichgesinnten.

Auch wenn es vielen schwer fallen sollte, sich mit diesem besonderen Mädchen zu identifizieren - was hauptsächlich daran liegt, dass sie sich in einer Welt befindet, die die meisten von uns nur aus dem Fernsehen kennen und die deshalb so beruhigend fern erscheint - schaffte Bronsky es dennoch eine gute Verbindung zwischen ihrer Protagonistin und dem Leser aufzubauen. Da sie ihre Gefühle so offen darlegte, kein Blatt vor den Mund nahm und außerdem sehr intelligent war, konnte man sich, trotz der vielen Unterschiede, gut in sie hineinversetzen und all die Wut und den Hass verstehen, der langsam drohte, sie aufzufressen. 

Mein Urteil

Ein ganz besonderes Buch, welches nur durch seine ehrliche Protagonistin lebt, die uns von ihrem harten Leben im Hochhaus-Ghetto erzählt und all den schrecklichen Alltäglichkeiten, die diese Welt mit sich bringt. Rachedurst, Verzweiflung und Flucht sind drei der vielen Dinge, die von den Zeilen zu uns herauf schreien: Hört ihr zu! Denkt nach! Versucht sie zu verstehen!



7 Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Kann dich schon verstehen, dass du das Buch mochtest. Deine Punkte leuchten mir ein.
    Mich konnte nur leider der Roman, als ich es als Schullektüre letztes Jahr hatte, nicht ganz überzeugen. Manches fand ich wirklich klischeehaft dargestellt, was mir sehr missfiel und außerdem hat die Protagonistin ein Problem: Sie war mir unsympathisch, ziemlich zickig und eingebildet und ich konnte bei weitem nicht alle ihre Handlungen verstehen und nachvollziehen. Interessantes Werk, herausragend, leider nicht wirklich, obwohl es sich sehr flüssig liest. ;) So meine Meinung.

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  2. @Sky: Ich glaube, es ist nur selten gut für ein Buch, wenn man es in der Schule als Lektüre vorgelegt bekommt. Egal wie es heißt oder worum es geht, bei mir hat sich da innerlich immer gleich alles zusammen gezogen und ich ging davon aus, dass es mir nicht gefallen würde. Da ich es nun freiwillig gelesen habe, bereit für solche Art Roman war, empfand ich es wohl nicht so schlimm wie du.
    Was ich allerdings zu der zickigen Art sagen muss, ist, dass ich diese berechtigt fand. Es ging hier nicht um ein gewöhnliches Mädchen aus dem Ghetto, es ging um eine sehr intelligente junge Frau, die bei der Ermordung ihrer Mutter dabei war. Wäre furchteinflößend, wenn man da unbeschadet raus kommt. Sie war vorerst verschlossen, und dann so offen, dass sie sich damit selbst verletzte wollte. Aber das ist wahrscheinlich eine Interpretationssache. Als eingebildet empfand ich sie jedoch an keiner Stelle.

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  3. Wow, was für eine Rezension! "Spiegelkind" klang nicht besonders interessant für mich, "Scherbenpark" klingt dafür aber mehr nach einem Roman für mich. Solche schwierigen Hauptcharaktere, mit denen man sich dann aber irgendwie beschäftigt, finde ich immer ganz besonders interessant und es klingt, als würde man aus diesem Buch wirklich etwas mitnehmen. Es nistet sich dann gleich mal auf meiner Wunschliste ein...

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  4. Das klingt eindeutig nach einem Buch, das ich lesen muss. Danke für die Rezension, wirklich sehr schön geschrieben!

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  5. Tolle Rezension! Ich habe sie sehr gerne gelesen.
    Ich habe "Scherbenpark" ja vor recht langer Zeit gelesen nd war damals begeistert. Erst müsste ich mich etwas an die Sprache gewöhnen, doch dann war es genau diese, die das Buch ausmacht.
    Und ich muss dir recht geben, mir gefällt das deutsche Cover auch viel besser.

    lG Favola

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  6. Das sind die Rezensionen, bei denen meine Maus automatisch bei Amazon auf "Wunschliste" klickt.
    Vielen Dank, du hast das Buch wirklich toll beschrieben. Von der Autorin habe ich noch nichts gelesen, aber das hier könnte ein toller Anfang werden :)

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  7. @Captain cow: Ja, zwischen Spiegelkind und Scherbenpark liegen Dimensionen, so unterschiedlich sind diese beiden Bücher. Auch wenn ich alle beide sehr mochte, muss ich doch sagen, dass ich ebenfalls davon ausgehe, dass dir nur Scherbenpark zusagen würde. Ich könnte es mir jedenfalls gut vorstellen :)

    @Elif: Dann wünsche ich dir schonmal viel Spaß beim Lesen. ^^

    @Favola: Mit der Sprache ging es mir zuerst ähnlich - so typisch jugendlich und schmutzig - aber da es so dermaßen zur Umgebung und den Figuren passt, wäre jeder andere Ausdruck auch fehl am Platz gewesen. Freut mich aber sehr, dass dir das Buch damals auch so gut gefallen hat :)

    @Kermit: Gern geschehen, und ich danke dir, für das motivierende Lob! :)

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