¡Rezension!: Vom Ende einer Geschichte

VanaVanille


Titel: Vom Ende einer Geschichte
Autor/in: Julian Barnes
Verlag: KiWi
Originaltitel: The Sense of an Ending
Seitenzahl: 192
Preis: 18,99 € (D)
ISBN:
978-3-462-04433-1




»Vielleicht beginnen wir mit der scheinbar einfachen Frage: Was ist Geschichte? Fällt Ihnen dazu etwas ein, Webster?«
»Geschichte ist die Summe der Lügen der Sieger«, antwortete ich etwas zu rasch.

Tony Webster war ein ganz normaler Junge, der zu einem gewöhnlichen Mann heranwuchs, sein unspektakuläres Leben lebte und versuchte derweil immer freundlich und friedfertig zu bleiben.
Als er mir im ersten Teil des Buches von seiner Jugend und den nachfolgenden Jahren erzählte, wuchs er mir langsam ans Herz. Durch seine philosophischen Gedanken und den literarischen Kenntnissen, die er an den Tag legte, erkannte man sofort, dass man es mit einem intelligenten und sehr ehrlichen Menschen zu tun hatte, weshalb man an keiner Stelle an seine Aussagen und Berichten zweifelte.
Sein Leben war nie etwas Außergewöhnliches gewesen und dennoch gab es Personen, die in seinen Erinnerungen einen größere Rolle spielten als andere. Menschen, die auf den ersten Blick nichts Besonderes an sich hatten, ihn aber trotzdem nicht los ließen. Schon hier machte der Autor seine Leser neugierig, denn auch wenn Tony von Anfang an sehr aufrichtig erschien, so verspürte man irgendwann doch eine gewisse Skepsis.

Erst in der zweiten Hälfte des Romans beginnt Tonys Fassade zu bröckeln. Er muss seine eigenen Erinnerungen korrigieren, erfährt durch Andere, wie es damals wirklich war und deckt dabei langsam, aber unausweichlich, eine erschütternde Geschichte auf.
Ich fand es faszinierend, wie der Autor mit der Zeit, den Erinnerungen seines Protagonisten und dessen Verdrängung so geschickt spielte, dass man erst auf den letzten Seiten das große Ganze verstand.Selbst da war es noch nicht einfach diese unwiderrufliche Wahrheit zu akzeptieren und so muss ich zugeben, dass ich das Ende mehrmals lesen musste, weil es so abrupt und mit einem Schlag auf einen zukam.
Zwar konnte ich mir einige Sachverhalte bereits zusammen reimen, weil es doch hin und wieder Hinweise gab, aber im Allgemeinen war der Schluss doch sehr überraschend, was dem Roman einen dicken Pluspunkt verpasste.

Mein Urteil

Ein ganz erstaunliches Buch, welches durch ein paar wichtige Erinnerungen, aus einer gewöhnlichen Jugend plötzlich eine sehr außergewöhnliche macht. So verbindet der Autor ein Werk über die menschliche Psyche (speziell über deren Verdrängung) mit dem spannenden Puzzlespiel des Protagonisten.


2 Kommentare:

  1. Ich bin dem Buch letztens schon mal begegnet, habe es aber schnell wieder aus den Augen verloren, weil es wirklich nicht soo interessant klang. Deine Meinung darüber ändert meine Meinung aber wieder. Hinter dem Buch scheint sich doch mehr zu verstecken als ich dachte. Ich werde wohl doch noch mal danach Ausschau halten (allerdings vielleicht nach einer englischen Ausgabe - da sind die Cover wirklich klasse!)

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  2. Puerta kannste haben :) Puerta ist sehr dick, kommt das dann mit den beiden hin oder willst du noch eins? Schick mir am besten mal eine mail oder so (pia-k@live.com) :)

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