¡Rezension!: Der beste Tag meines Lebens

VanaVanille


Titel: Der beste Tag meines Lebens
Autor/in: Miller & Stentz
Verlag: Droemer
Originaltitel: Colin Fischer
Seitenzahl: 224
Preis: 14,99 € (D)
ISBN:
978-3-426-22628-5




 "Mein Vater sagt, Heinrich Gross sei einfach ein böser Mensch gewesen, und dass manche Leute eben so seien. Ich bin mir nicht sicher, ob mir diese Erklärung reicht. Auch wenn ich es versuchen will, kann ich nicht begreifen, wie so viel Grausamkeit in einem so kleinen Wort Platz finden soll. Das habe ich einmal meinem Vater erzählt, woraufhin er mich gebeten hat, mir zu überlegen, wie so viel Gutes in einem so kleinen Wort wie Liebe Platz haben kann."
(Kapitel 15 / Colin: S. 204)

Immer einen kühlen Kopf bewahren, der Wahrheit auf den Grund gehen und sich nicht ablenken lassen, das ist Colins Devise. Doch dem 14Jährigen fällt dies alles nicht sonderlich schwer, denn er leidet am sogenannten Asperger-Syndrom, welches dafür sorgt, dass er zwar sehr intelligent ist, die Gefühle anderer für ihn aber unergründlich bleiben.
Das mag für den ein oder anderen jetzt vielleicht wie ein trauriges Thema klingen, was es im Grunde ja auch ist, doch die beiden Autoren haben Colin solch einen bemerkenswerten Charakter verliehen, dass man von ihm und seinen Eigenarten einfach nicht genug kriegen kann.

Colin ist .... eben Colin. Ich weiß gar nicht, wie ich es anders sagen sollte. Er ist ein kühler Weltbeobachter, der sich Gedanken über alles und jeden macht. Dabei spielen bei ihm Kategorien wie böse und gut keine große Rolle und werden von viel wichtigeren wie wahr oder falsch ersetzt. Sein unbändiges Wissen macht dem Leser dabei immer wieder deutlich, dass er zwar nicht jeden Witz versteht und er starke Defizite bei der Kommunikation mit anderen Menschen hat, er allerdings weiß wovon er redet und man von ihm noch so einiges lernen kann.
So steht vor jedem Kapitelbeginn ein ausführlicher Bericht zu einem bestimmten psychologischen, philosophischen oder wissenschaftlichen Thema, was Colin verständlich zu erklären versucht. Auch im Text finden sich immer wieder Fußnoten, die gewisse Wissenslücken auffüllen und den Lesefluss vielleicht unterbrechen, aber nie wirklich stören.

Colins Blick auf die Welt war für mich mal etwas ganz Neues im Bereich Jugendbuch, was hauptsächlich daran lag, dass man den Roman sich nicht zu einer Oh der arme Junge hat Asperger und kommt im Alltag nicht zurecht-Geschichte hat entwickeln lassen, sondern er, ganz im Gegenteil, beweisen soll, dass auch Menschen wie Colin ihren Weg auf der Erde gehen, auch wenn er vielleicht ein wenig von der Normalität abweicht. Immer wieder stellen uns die beiden Autoren dabei vor Augen, dass nicht Colin ein Problem mit sich und der Umgebung hat, sondern es immer wieder die Außenstehenden sind, egal ob Mitschüler, Lehrer oder Eltern, die mit den verschiedenen Situationen nicht umgehen können.

Schon lange habe ich einen Protagonisten nicht mehr auf solche Art ins Herz geschlossen, dass ich mir eine Fortsetzung für ihn wünsche. Colin erwies sich als junger Sherlock Holmes, der mit einer beneidenswerten Beobachtungsgabe und einer ausgeprägten Spürnase zu ermitteln wusste. Auch wenn es hier um keinen blutigen Mordfall geht, sorgte seine Geschichte doch für Spannung und noch viel mehr Witz, und bildet für mich somit eine perfekte Kombination aus nachdenklichem Thema und guter Unterhaltung.

Mein Urteil:

Colin und ich sind jetzt gute Freunde, auch wenn er meine Liebe zu ihm nicht ganz nachvollziehen kann. Ich hoffe, dass wir noch ein Abenteuer gemeinsam erleben, aber das steht wohl noch in den Sternen.


3 Kommentare:

  1. Wow, das klingt echt interessant, werde ich mir wohl der übel kaufen müssen :)
    Schöne Rezension!

    AntwortenLöschen
  2. Von dem Buch hatte ich noch gar nichts gehört, aber der Inhalt erinnert mich an Supergute Tage von Mark Haddon. Das habe ich neulich erst gehört und seitdem bin ich sehr gespannt auf mehr Bücher mit/über Autisten. Super Tipp also! :D

    AntwortenLöschen
  3. Oh, oh, das klingt ja richtig, richtg gut. :) Argh, jetzt bin ich neugierig, vor allem da mir ein Jugendbuch mit diesem Thema bisher noch nicht untergekommen ist. Auf jeden Fall wird es bei meinem nächsten Buchhandlungsbesuch mal etwas näher studiert... ;-)

    Übrigens vielen lieben Dank für deinen Kommentar zu meiner Rezension, liebe Kirsche. ♥ :) Ich freue mich, dass "Bitter Love" einen Platz auf deiner Wunschliste ergattern konnte. Ich hoffe sehr, dass es dir auch so gut gefallen wird!

    AntwortenLöschen

Ich liebe Kommentare, oh ja, ich liebe sie wirklich. Aber bitte schreibt keine nichtssagenden Einzeiler und verlinkt danach auf euren Blog. Die Kommentarfunktion soll nicht als Werbetafel, sondern für Diskussionen und nette Gespräche dienen.

Ich danke,
Cherry