¡Rezension!: Wunder

VanaVanille


Titel: Wunder
Autor/in: R. J. Palacio
Verlag: Hanser
Originaltitel: Wonder
Seitenzahl: 384
Preis: 16,90 € (D)
ISBN:
978-3-446-24175-6



Wenn August normal aussehen würde, wäre das ja alles kein Problem. Er würde sein erstes Jahr in einer öffentlichen Schule meistern, sich mit netten Mitschülern anfreunden, Schulprojekte starten, auf Partys gehen und so vieles mehr. Aber August sieht nicht normal aus. Sein Gesicht ist durch eine unglaubliche Mischung aus verschiedenen Syndromen entstellt worden und so kann er sich nicht auf die Straße trauen, ohne mit angeekelten und geschockten Blicken rechnen zu müssen.
Wie soll er denn so sein erstes Jahr auf der Middle School überleben?

Was bist du denn? E.T.? Freddie Krüger? Ein Ork? Gollum? Oder einfach nur eine Missgeburt?
Wie schrecklich muss es einem kleinen Jungen gehen, wenn er stets solch gemeine Worte hört. Wenn er ständig den Schikanen seiner Mitschüler ausgesetzt ist, die ihn nicht einmal berühren wollen, weil sie fürchten Die Pest zu kriegen?
Seltsam, dass man beim Lesen dann allerdings doch das Gefühl hat, als würde einen selbst das alles viel mehr mitnehmen als August. Denn unser junger Held ist viel mutiger als gedacht und benötigt wirklich alles andere als Mitleid. August ist klug, nachdenklich und toleriert all Jene, denen es nicht gelingt ihn zu tolerieren. Das lässt ihn nicht nur viel reifer erscheinen, als er eigentlich ist, sondern auch dermaßen tapfer und stark, dass man ihn ganz selbstverständlich ins Herz schließt.

Dabei geht es in diesem Buch NICHT NUR um ihn - wie ich zuerst vermutet hatte. Die Autorin nimmt sich auch die Blickwinkel all derer vor, die sich in direkter Verbindung zu ihm befinden. So bekommt der Leser einen Einblick in Vias Leben, Augusts ältere Schwester, er lernt Summer, Auggies beste Freundin, kennen, darf Bekanntschaft mit Jack machen, der sich noch als Freund herausstellen muss, und schüttelt Julian, Vias festen Freund, die Hände, der dies alles als Außenstehender betrachten kann.
So wird einem erst einmal bewusst, wie komplex das ganze Problem ist und wie viele eigentlich darunter leiden müssen.

Somit zeigt uns das Buch, wie schwer es ist anders zu sein, wie grausam wir Menschen (und nicht nur die Kinder) sein können und wie wichtig es ist, die richtigen Menschen um sich zu haben. Man erlebt dabei ein Wechselbad der Gefühle, ist fuchsteufelswild, könnte an manchen Stellen weinen und atmet dann doch wieder erleichtert auf, wenn man sieht, in welch harmonischen Verhältnissen August leben darf.
Leider muss ich zugeben, dass mich das Ende des Buches doch etwas enttäuschte. Das Finale war mir etwas zu kitschig und aufgesetzt, sodass die ganze aufgebaute Authentizität schlussendlich doch etwas in die Brüche geriet. Das war schade, ändert aber nichts daran, dass es sich hier trotzdem um ein wunderbares Buch handelt, was selbst den kühlsten Kopf zum Grübeln bringen sollte.

Mein Urteil

Ein ehrliches Buch über das Andersaussehen und den richtigen und (oftmals) falschen Umgang damit. Es kann einem wirklich das Herz brechen, sorgt damit aber auch dafür, dass man erkennt, wie stark und mutig dieser kleine Junge sein muss. Ganz toll!


2 Kommentare:

  1. Und noch ein Buch, dass nun dank deiner aufschlussreichen Rezi auf meinen Wunschzettel wandert. Ehrlich gesagt nimmt mich das Ganze bereits beim Lesen deiner Worte mit, eben weil man weiß, dass die Thematik der Realität entspricht. Ich bin gespannt, auch in Bezug auf das für dich weniger gelungene Ende. Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Es ist wirklich schade, dass dieses Buch nur sehr wenig Aufmerksamkeit erregt, denn es hat auf alle Fälle mehr verdient.
      Ich hoffe, dass du bald dazu kommst es zu lesen. Ich wäre auf deine Meinung sehr gespannt :)

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