¡Rezension!: Liberty Bell - Das Mädchen aus den Wäldern

VanaVanille

Nach ersten Verwirrungen - Hallo? Wer von euch Jungs ist denn nun der Protagonist? - lernen wir den ziemlich reichen Jugendlichen Ernesto kennen, der mit seinen ganz unterschiedlichen Freunden ein Mädchen im Wald entdeckt. Er, zwar neugierig aber auch friedliebend, möchte sie in Ruhe lassen, was ihm einer seiner sensationsgeileren Kumpels leider verbaut. So beginnt die Geschichte der weltfremden Liberty Bell - aufgewachsen zwischen Bäumen und wilden Tieren - die sich nach Jahren Einsamkeit nun in einem Universum voller Technik, Medien und ihren sogenannten Schattenwesen wiederfindet. Nur Ernesto scheint langsam aber sicher einen Draht zu ihr aufzubauen und versucht die Geheimnisse, die sich hinter ihrer Existenz verbergen, aufzudecken. Was er jedoch währenddessen alles herausfindet, hätte er sich wohl in seinen übelsten Alpträumen nicht vorstellen können...

Vielleicht sollte ersteinmal gesagt werden, dass sich hinter Johanna Rosen lediglich das Pseudonym einer deutschen Autorin versteckt. Vielleicht wäre es einfach zu seltsam gewesen, wenn eine Deutsche ihr Setting in Amerika (Oregon) aufbaut, oder vielleicht haben sie und der Verlag gehofft, dass Jugendliche eher zu einem Buch mit einer amerikanischen Schriftstellerin greifen, wie dem auch sei, man hat beim Lesen eindeutig gemerkt, dass es sich hier um kein typisches amerikanisches Jugendbuch handelt. Wenn man mal vom Reichtum absieht, sind Ernesto und seine Freunde ganz gewöhnliche Teenager, die natürlich genauso an Sex und Mädchen denken, wie es für ihr Alter "normal" ist. Trotz Lovestory gibt es keine überromantischen Szenen oder schleimigen Liebesschwüre, was bei mir bedeutend viele Pluspunkte sammelte und authentische Figuren hinterließ.

Was ich zuerst kaum glauben konnte, war die Richtung, in die sich das Buch langsam entwickelte. Man wurde zum Miträseln eingeladen und manchmal so hinters Licht geführt, dass man seine ersten Vermutungen - die sich später sogar als wahr erwiesen - über Bord warf, fest an etwas Anderes, doch so Offensichtliches glaubte, nur um am Ende wieder einen Schlag ins Gesicht zu kassieren. 
Wenn ich Liberty Bell also in ein Genre einordnen müsste, dann wäre es wohl Thriller, auch wenn wir auf dem Buchdeckel keine Andeutung dafür finden. Die Autorin nutzte eine feine, neugierig machende Spannung, die trotzdem nicht zu sehr ins Klischee fiel und eine ebenso gute Handlung erlaubte. Denn glaubt mir, was wir hier alles erfahren und schlucken müssen, ist alles andere als harmlos und lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Nicht weil ein blutbesessener Axtmörder sein Unwesen treibt, sondern weil wir den Grausamkeiten "normaler" Menschen ausgesetzt werden, die wir ein paar Seiten zuvor vielleicht sogar noch ganz nett fanden.  

Einziges Manko am Buch war die Tatsache, dass sich Liberty Bell sehr schnell an ihre neue Umgebung gewöhnte. Unwahrscheinlich schnell um genau zu sein. Ganz plötzlich sprach sie mit Wildfremden, erschrak nicht, wenn jemand vor ihr einen PC anschaltete und ins Internet ging, und stellte mir für ein so naturbezogenes Wesen einfach zu wenig Fragen. Ernesto sagt im Buch zwar, dass er es schätzt, dass sie diese für sie so unbekannte Welt hinnimmt und alles als selbstverständlich betrachtet, doch für mich war dies ein großer Fehler. Hier brach die bisher so überzeugende Glaubwürdigkeit, was nicht hätte sein müssen.

Mein Urteil

Eine unerwartet spannende Geschichte, die mich an vielen Stellen einfach nicht mehr losließ. Man wurde regelrecht zum Weiterlesen gezwungen und musste gemeinsam mit Ernesto feststellen, wie scheinheilig und grausam die Welt doch sein kann. Schon ein wenig gesellschaftskritisch, aber dabei keineswegs langweilig.

2 Kommentare:

  1. Danke für die tolle Review! Eigentlich hatte ich Liberty Bell schon von meiner Liste gestrichen. Ich vermutete wieder so eine typische Lovestory, aber was du schreibst, hört sich gut an. Da bin ich jetzt schon auf die Wendungen und falschen Fährten gespannt. Wunschliste auf! :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Schöne Rezension, macht total Lust das Buch zu lesen. Wie du auch schon gesagt hast, der Titel führt einen wirklich etwas in eine andere Richtung und genau das finde ich macht es so spannend:) Und eine nicht-typische Lovestory gehört immer in das Bücherregal :)

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