¡Rezension!: Marcelo in the Real World

VanaVanille


Puh, schwierig schwierig schwierig. Ein paar Tage sind seit dem Auslesen vergangen, und trotzdem weiß ich nicht, wie ich meine Gefühle zu diesem Buch genau beschreiben soll. Ich bin nicht überwältigt, keinesfalls, verärgert kann man meine Stimmung aber auch nicht nennen, es ist eher eine Mischung aus enttäuscht, etwas gelangweilt und doch überzeugt. Seltsamer kann ich es wohl nicht ausdrücken. Da fühlt man sich doch glatt wie Marcelo selbst, der die Emotionen anderer so schwer deuten und seine eigenen kaum in Worte fassen kann.

Ich mochte Marcelo, keine Frage, die unschuldige Art und das naive Beobachten von Geschehnissen und Menschen spricht mich bei verhaltensgestörten Protagonisten immer wieder an und ermöglicht einen "Kinderblick"auf die Welt, der vielen anderen Personen abhanden gekommen ist. Es ist auf eine unbeabsichtigte Weise unterhaltend, regt aber auch zum Nachdenken an ... wenn man es denn richtig macht. 
Mein Problem lag also nicht bei den Personen, nicht bei Marcelo, nicht bei seinen Eltern und auch nicht bei seinen neugewonnen Freunden. Aber was war es dann?

Vermutlich waren Ort und Handlung die großen Störfaktoren für mich. Eine Anwaltskanzlei ist wohl einer der letzten Orte, der Neugier in mir weckt, und wenn dann auch noch ein eher banaler Verlauf dazukommt, so kann ich mich nur noch an ein paar gute Dialoge klammern, die mich an das Buch fesseln. Ich hatte zwischendurch kaum noch Lust weiterzulesen und musste wirklich ein bisschen kämpfen, mich sozusagen zwingen, das Buch zu Ende zu bringen. Das klingt jetzt härter als es eigentlich war, aber nach meinen ersten Erwartungen war ich einfach enttäuscht.  
Der Autor wollte Marcelo in die "echte Welt" führen, die allerdings, das wissen wir wohl aus dem Alltag, nicht viel Spannendes bereit hält. Da er währenddessen auch immer mehr dazulernt und seine innere Musik, seine Macken und all das, was ihn vorher ausgemacht hat, ablegt, haben wir es schließlich fast mit einem ganz normalen Jungen zu tun. Es gibt zwar eine Verschwörung, unser Held muss sich mit ethischen Fragen auseinandersetzen und seine heilige Welt geht so langsam in die Brüche, aber all das konnte mich auch nicht mit sich reißen, nachdem ich feststellen musste, dass Marcelo ein Teil dieser "echten Welt" wird. Er legt seine Störung ab, wie einen alten Mantel ... soll das die Moral der Geschichte sein? Pass dich an, dann bist du in Ordnung? Ich weiß ja nicht.


Mein Urteil

Das Thema mit dem sich der Autor auseinandersetzt ist immer wieder faszinierend und macht mich auch jedes Mal neugierig. Man hat gemerkt, dass er sich mit der Problematik auskennt und selbst Menschen mit ähnlichen Störungen kennengelernt hat, aber dennoch bin ich mit Verlauf und Ende der Geschichte einfach nicht zufrieden. Vielleicht habe ich ja was falsch verstanden, aber die Lösung scheint mir eher eine Lösung für "The Real World", aber keine wahre Lösung für Marcelo.

2 Kommentare:

  1. Ich hasse es, wenn sich ungewöhnliche Figuren am Schluss eines Buches oder Films anpassen... Es wäre doch schade, wenn alle Leute gleich wären!

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    1. Bisher ist mir das Gott sei Dank noch nie untergekommen, aber hier war es echt auffallend und sehr störend, leider :(

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