¡Rezension!: Wo ein bisschen Zeit ist...

VanaVanille
  
Klappentext:
Der 18-jährige Jack Polovsky entführt seinen neugeborenen und zur Adoption freigegebenen Sohn, um ihn seiner dementen Großmutter zu zeigen. Und so gerät alles aus den Fugen. Jack kauft ein Auto, holt seinen besten Freund Tommy und später auch die Mutter des Kindes dazu, und gemeinsam sind sie zwei Tage lang auf der Flucht vor der Polizei. Jack bespricht dabei schon mal die ganz großen Themen des Lebens mit seinem Sohn. Der heißt nämlich Sokrates – zumindest für Jack. Am Ende wird alles gut: Jack bekommt Besuchsrecht, das Baby Sokrates bekommt einen richtigen Namen und sie finden (fast) den Sinn des Lebens.



Ein Überraschungspaket brachte dieses kleine Wunder zu mir, und kaum hatte ich begonnen zu lesen, war ich auch schon wieder durch. Ich erlebte einen Road Trip á la Tschick, lernte Philosophen kennen wie in Sofies Welt und war dennoch stets davon überzeugt, dass der junge Autor mit seinem Debütroman etwas ganz Eigenes, sehr Persönliches erschaffen hatte. Humorvoll und clever brachte er mir seine Figuren näher und sorgte für ein kurzes, aber nachdenkliches Leseerlebnis im YA-Contemporary-Bereich.

Man merkt sofort, wenn der Autor genauso alt ist, wie man selbst, denn der Humor in Wo ein bisschen Zeit ist... war erfrischend jung, oft recht sarkastisch und hatte ein paar Gags mit drin, die wahrscheinlich nur eine Person unserer Generation verstehen wird (ich sag nur: Pokemon). Was mir ebenfalls positiv auffiel, war seine lockere und unverklemmte Ar über Sexualität und Emotionen zu sprechen, sodass man wirklich das Gefühl bekam, es mit realen Personen zu tun zu haben. Sie waren authentisch, echt und in meinen Augen sehr sympathisch, ohne irgendwie kitschig zu wirken. Das schafft nicht jeder - besonders amerikanische Autoren scheinen hier sehr oft zu scheitern - aber Emil Ostrovski schon.

Kleines Manko an dem Buch, was sich beim Lesen irgendwann leider als ein etwas größeres herausstellte, waren die vielen philosophischen Informationen, die er mit einbaute. Nachdenklichkeit ist wunderbar und gerade beim Erwachsenwerden sehr oft sehr verbreitet, doch für mich wirkten die vielen Philosophennamen und Daten fast schon wieder aufgesetzt. Als würde uns der Autor noch einmal zeigen wollen, dass er Philosophie studiert hat (hat er wirklich) und wie viel er dabei gelernt hat. Es wurde zwar nie wirklich kompliziert, doch verlor der Protagonist damit manchmal seine Glaubwürdigkeit. Ein 18Jähriger macht sich Gedanken, Jack ist dabei auch noch etwas seltsam und macht sich noch mehr Gedanken, aber irgendwann war es dann doch zu viel, da es nicht mehr seine eigenen, sondern nur noch die Überlegungen längst verstorbener Denker waren.



Dieses Buch ist ein schönes Buch, gerade wenn man ein nachdenklicher Heranwachsender ist, der seinen Platz in der Welt noch finden will. Ganz unkonventionell erzählt uns der Autor eine Geschichte, die herzerwärmend, humorvoll, aber auch sehr nachdenklich ist. Zwar wäre an einigen Stellen etwas weniger mehr gewesen, doch für ein Debüt fand ich es wunderbar. Somit vergebe ich herzliche...



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