¡Rezension!: Mein Herz und andere schwarze Löcher

VanaVanille

Ein Buch über zwei selbstmordgefährdete Jugendliche, die gemeinsam beschließen zu sterben und sich dann ineinander verlieben? Klingt nach enormem Glück im Unglück, oder? Und irgendwie ist es leider auch nicht mehr, denn was uns die junge Autorin in ihrem Debüt präsentiert, möchte ich nur sehr ungern als eine Geschichte über Depressionen betiteln. Es ist eher ein Buch über missglückte Trauerbewältigung und der daraus folgenden Hilflosigkeit, denn in beiden Fällen gibt es ein einschneidendes Erlebnis, was zu dieser stark ausgeprägten Traurigkeit führt. Es handelt sich dabei aber um die Art Traurigkeit, die nicht voller Hoffnungslosigkeit steckt, sondern mit genug Aufmerksamkeit und Geduld "behandelt" werden kann. Wer mal Sylvia Plath oder Ned Vizzini gelesen hat, der wird den Unterschied erkennen.   

Man merkt beim Lesen also stark, dass Frau Warga sicherlich einmal sehr sehr traurig war; man diesen Zustand aber nicht wirklich mit Depressionen vergleichen kann. Dies ließ sie mich jedenfalls immer wieder spüren, denn ihre Gefühlsbeschreibungen kratzten stets nur an der Oberfläche, ließen aber niemals wirkliche Tiefe zu. Auch die verwendete Sprache war eher so lala, und neben einer ganz netten metaphorischen Qualle, gab das Buch somit sprachlich nicht viel mehr her. Schade für mich, denn wenn ein Buch hauptsächlich aus Gefühlen und weniger aus Handlung besteht,  dann möchte ich jedenfalls etwas Überzeugendes geboten bekommen. Das konnte mir dieser Roman nur zu gefühlten 20% geben. 

Noch enttäuschter war ich eigentlich nur von der Auflösung der ganzen Problematik. Traurigkeit löst sich fast in Luft auf, wichtige Gespräche bestehen aus zwei Sätzen und einem lächerlich Sich-in-die-Arme-Fallen und ein anderer wichtiger Punkt wird einfach so in den Hintergrund geschoben, dass man als Leser ganz umsonst darauf gewartet hat. Mehr darf ich nicht sagen, ohne zu spoilern, aber ja, Mein Herz und andere schwarze Löcher mag für diejenigen ganz aufschlussreich sein, die sich mit Depressionen bisher noch nicht beschäftigt haben; Leser, die aber ein tiefgründiges Buch erwarten, welches diesem schwierigen Thema gerecht wird, die werden wohl wie ich eher ernüchtert die Deckel schließen und über den derzeitigen Hype bedrückt den Kopf schütteln.


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