Es war einmal ... "Der Fluch der Spindel"

VanaVanille

Dass das Duo Gaiman und Riddlle gut miteinander auskommt, wissen wir ja bereits seit dem gemeinsamen Projekt The Graveyard Book. Dass sie aber auch zwei altbekannte Märchen zu einer neuen, originellen Geschichte verweben können und daraus ein wunderschönes Schmuckstück machen, war auch für mich eine ganz aufregende, neue Erfahrung. Wer also glaubt, schon alles über Schneewittchen und Dornröschen zu wissen, dem sei an dieser Stelle bereits gesagt, dass ihr diese Version der beiden Erzählungen bestimmt noch nie gehört habt.


So wird zwar die einfache Form des Märchens beibehalten (das Buch besteht [nur] aus 72 Seiten) - langatmige Beschreibungen und unnötige Erklärungen bleiben also aus - ihr vorhersehbarer, klischeehafter Erzählstil jedoch zerschlagen. Gaiman wagt es, mal nicht nur von der hilfesuchenden Prinzessin zu berichten, sondern erschafft eine Geschichte mit starken weiblichen Hauptfiguren, die es ihren männlichen Gleichgesinnten nachtun, sich ins Abenteuer stürzen und Opfer erbringen müssen. Eingerahmt werden sie von einer Handlung voller Wendungen und einer Moral, wie man sie in den grimmschen Märchen wohl kaum finden wird. Das macht dieses Buch einerseits zu einem Werk, welches uns sicherlich in vielen Phasen an längst vergangenen Vorlesestunden erinnern wird, andererseits strotzt es nur so vor modernen Gedanken.

Geschmückt wird diese schöne Idee von den detailreichen Illustrationen Riddells, dessen Stil einfach hervorragend zu einem kleinen, düsteren Märchenbuch wie diesem passt. Ob nun zwei Seiten einnehmende, große Bilder oder am Rande stehende kleine, sie stimmen alle mit Gaimans Worten überein und unterstützen sogar da, wo der simple Schreibstil noch Lücken übrig lässt.
Somit kreieren Text und Kunst gemeinsam ein fantastisches Werk, welches man zwar schnell durchlesen mag, das aber auch immer wieder die Lust am Durchblättern weckt und damit besonders als Geschenk für Märchen- und Ästhetikliebhaber geeignet ist.

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