"Ich bin Tess"

VanaVanille
 

"Ich bin Tess" beginnt mit einem ethischen Problem, welches wir derzeit zuhauf in Buchhandlungen und Bücherregalen finden: Sterbehilfe. Ja, nein, nur unter bestimmten Bedingungen? Leilas Einstellung zum Thema wird für die meisten Leser wahrscheinlich viel zu radikal sein, für andere sind ihre Gedanken aber vielleicht sehr verständlich und sogar vertretbar. Wie bei den meisten Romanen, die sich mit solch schwierigen Fragen auseinandersetzen, schafft es also auch dieser, die Menge in zwei Gruppen zu teilen. Genauso wie seine Protaginistin.

Es fängt bereits damit an, dass Leila keine typische Roman-"Heldin" ist. Sie ist introvertiert, kapselt sich von der Gesellschaft ab, kann sich mit ihrer Generation nicht identifizieren und hat in ihrer Vergangenheit schon so einige schreckliche Dinge erlebt. Wäre man eine ausgebildetet Psychologin könnte man ihren Charakter sicherlich sehr gut auseinander nehmen und nachvollziehen, wieso sie nun einmal so ist, wie sie ist, wenn man allerdings nicht versucht zu verstehen, was Leilas Vergangenheit wohl mit ihren gegenwärtigen Handlungen zu tun hat, so wird man sie leicht als naiv, nervtötend und oftmals sogar dumm abstempeln. Da ich die Chance hatte, die letzte Teilnehmerin einer "Ich bin Tess"-Kritzelbuch-Aktion zu sein, konnte ich sozusagen "live" miterleben, wie Leila auseinandergenommen und wüst beschimpft wurde. Bei mir entwickelte sich dem Mädchen gegenüber eher ein tiefes Gefühl des Mitleids.

Doch sehen wir mal von der Hauptperson ab, so erkennen wir hinter dem Buch eine wirklich gelungene und interessante Grundidee, die ich anfangs auch begeistert verfolgte. Leider muss man zur Umsetzung sagen, dass der Roman an vielen Stellen einige Längen vorwies, die mit Informationen gefüllt waren, welche etwas überflüssig erschienen (hübscher Schachtelsatz, ne?).  Zwar konnte der ständige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart etwas Spannung aufbauen, jedoch sorgten die besagten Stellen oft dafür, dass man schnell wieder die Lust verlor. 


6 Kommentare:

  1. Hey :)
    Irgendwann habe ich mal dieses Buch angefangen, aber sehr bald gemerkt, dass es nicht so meins zu sein scheint, obwohl die Idee eigentlich interessant ist.

    Alles Liebe
    Carly

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    1. Ja, mit diesem Buch scheinen echt viele so ihre Probleme gehabt zu haben. Ich weiß auch nicht, wie ich an den Roman herangetreten wäre, wenn ich nicht bei der Kritzelbuch-Aktion teilgenommen hätte. Vielleicht hätte ich es auch beiseite gelegt, aber das Ende und Leilas Entwicklung reißen noch ziemlich viel raus.

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  2. Also... ich bin "ausgebildete Psychologin", wie du es nennst, und ich kann Leila trotzdem nicht verstehen. Ich fand sie beim Lesen komisch und konnte so vieles nicht nachvollziehen, was hier in diesem Buch abging... :/

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    1. Wirklich? Aber man merkt ja stark, dass sie durch die Krankheit ihrer Mutter sehr isoliert aufgewachsen ist, was nicht nur an ihrem eigenen Gemüt, sondern teilweise auch an ihrer Mutter lag. Außerdem ist sie ohne Vater aufgewachsen, was ihre fast fanatische Bindung zu Adrian erklärt hätte (so als Vaterersatz). Und auch ihre Naivität und falschen Schlüsse wirkten die ganze Zeit wie ein ausgeprägter Selbstschutz auf mich. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass sie einfach nicht richtig mit Menschen klarkommt und gerne so wäre wie Tess, die zwar manisch-depressiv war, dafür aber auch oftmals lebensfroh und im Besitz vieler Freunde.

      Ich sage nicht, dass man "alles" nachvollziehen kann, aber die Kommentare, die ich bei der Kritzelbuch-Aktion mitlesen durfte, waren oftmals sehr verständnislos und gingen in meinen Augen zu hart mit Leila ins Gericht. Aber das kann man jetzt natürlich nur nachvollziehen, wenn man sie gelesen hat.

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  3. Oh Gott, mit diesem Buch konnte ich wirklich gar nichts anfangen. Tessa ist eine wirklich traurige Figur, die es schwer hat und trotzdem konnte ich sie einfach zu keinem Zeitpunkt leiden oder ihre Entscheidungen nachvollziehen. Bei den Längen kann ich definitiv total zustimmen. Ich freue mich aber, dass es dir ein bisschen besser gefallen hat als mir ;)

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    1. Leila sollte einem wahrscheinlich auch gar nicht sympathisch sein (also ich fände es schon ziemlich seltsam, wenn jemand behauptet, er würde sie total mögen), aber genau das fand ich auch ganz gut. Es gibt mir nicht so viel, immer nur von Protagonisten zu lesen, mit denen ich stets einer Meinung bin und die keine Entwicklung mehr durchmachen müssen. Dies ist hier nämlich ziemlich wichtig: Leila entwickelt sich, und genau das ist auch ein guter Grund, bis zum Ende durchzuhalten. Aber ich kann auch gut verstehen, dass man irgendwann die Lust verliert, schließlich merkt man an keiner Stelle des Buches, dass es bei Leila irgendwann nochmal *klick* macht ;)

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