"Herr der Fliegen"

VanaVanille

Eine Gruppe heranwachsender Jungs, eine einsame Insel und keine Sicht auf Rettung; die Geschichte des Hernn der Fliegen war mir durchaus bekannt. Ich fühlte mich somit vorbereitet, hatte schon einiges vom Inhalt gehört, freute mich auf ein paar schöne Lesestunden und eine diskussionsreiche Sitzung mit meinem kleinen Buchclub, schlug das Buch auf ... und war irgendwie doch nicht darauf gefasst, was mich auf den Seiten dieses preisgekrönten Buches erwarten würde.

Dieser Roman hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor. Er ist erschreckend, bestialisch, brutal und unterdrückt mit seiner triebgesteuerten Gewaltbereitschaft jegliche Vernunft. Er zeigt auf, wie es wäre, in einer Welt ohne Regeln zu leben, macht aber trotzdem die Parallelen zu unserer eigenen Welt deutlich. Seine Protagonisten müssen auf einen sehr harten Weg, sehr schnell erwachsen werden und sehen sich mit den Tücken dieser Rolle konfrontiert. In der kürzesten Zeit werden Muster erkennbar, die jeder von uns aus dem Alltag kennt; Muster, die viele gern zu verschweigen versuchen.

Herr der Fliegen konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Einerseits ist es ein Buch, welches an vielen Stellen interpretiert, analysiert und verstanden werden will, gleichzeitig aber ist es auch eine Geschichte über das Überleben, welche Spannung und Unwohlsein bereit hält. Es ist ein Buch, was man selbst gelesen haben sollte, selbst wenn man glaubt, bereits alles darüber zu wissen.  Es wird allen Lobgesängen gerecht.


9 Kommentare:

  1. Also wenn man nach deinen Zeilen dazu nicht neugierig auf das Buch ist, weiß ich auch nicht! Sehr gelungen!
    Natürlich kenne ich das Buch, bin jedoch bisher nie dazu gekommen, es zu lesen. Was sich jetzt jedoch ändern muss.
    Liebst, Hibi

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    1. Lieben Dank für das Lob :)

      Ich weiß nie so genau, wie man ein Buch, zu dem bereits so viel gesagt wurde, noch besprechen soll. Deswegen liest sich men Text vielleicht etwas anders als sonst. Aber schön, dass er dich angesprochen hat und ich kann dir den Roman nur empfehlen. Selbst wenn er dir nicht so sehr gefallen sollte wie mir, hast du dann immerhin ein Stück Weltliteratur gelesen :D

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  2. Eine sehr interessante Rezension, gerade für jemanden, der diese Geschichte absolut nicht ausstehen kann - wie mich. :D Du hast völlig Recht dass uns den altbekannten Spiegel vorhält, trotzdem konnte ich persönlich dem Buch nichts abgewinnen. Aber gerade das macht ja das Diskutieren von Literatur so spannend!

    Nachdem ich über deinen Blog gestolpert bin, bleibe ich auch gleich als Leserin. :)

    Liebe Grüße, Sandy von BlackTeaBooks ☕

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    1. Ohje, sehr schade, aber das kann ich natürlich gut nachempfinden. Mir ging es bei "Der Fänger im Roggen" so, dem ich leider nicht so viel abgewinnen konnte, der aber überall hoch gelobt wird.

      Und Willkommen! :)

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  3. Hey =)

    Ich hatte schon immer mal vor, das Buch zu lesen. Leider hab ich das bisher nicht geschafft. Das Interesse daran hat vor ewigen Zeiten mal der Film geweckt. Ich bin eher aus Zufall darauf gestoßen und saß dann fasziniert und gleichzeitig schockiert vor der Flimmerkiste.
    Deine Rezi bestätigt mich darin, auf jeden Fall noch das Buch zu lesen.

    LG
    Anja

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    1. Ich werde zusammen mit meinem kleinen Buchclub auch noch den Film schauen und bin schon gespannt, wie sie es umgesetzt haben. Da es zwei Verfilmungen gibt, werden wir uns für eine entscheiden müssen, aber soweit ich das mitbekommen habe, hält sich der ältere Film näher am Buch, also wird es wohl der werden.

      Lies es auf jeden Fall mal! :)

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  4. Ach wie schön, dass es dir so gut gefallen hat. Meine anfängliche Beziehung mit der Geschichte war etwas holprig, meine erste Begegnung war nämlich in der Schule, aber nur mit dem Film und den fand ich sooo doof (wahrscheinlich weil er alt war). Jahre später war ich dann doch noch mal neugierig und hab das Buch gelesen (bzw. gehört glaube ich, von Andreas Fröhlich <3) und fand es plötzlich richtig gut. Ich mag generell diesen Konflikt, wenn eine Gruppe Menschen/Jugendlicher in eine lebensbedrohliche Situation geworfen oder einfach auf sehr engen Raum beschränkt wird und man dann beobachten kann was für Machtspielchen sich entwickeln.

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    1. Weißt du noch, welchen Film ihr geschaut habt? Es gibt ja eine Version von 1963 und eine von 1990.

      Ich hätte ehrlich gesagt auch nicht gedacht, dass mich die Geschichte doch noch so umhauen würde, weil man ja doch schon so vieles mitbekommen hat, ohne das Buch je in den Händen gehalten zu haben. Die Machtspielchen waren dabei auf alle Fälle ein Reiz, aber ebenso hat mich Ralphs geistige Entwicklung mitgerissen, vom vorlauten Jungen zum verstörten "Erwachsenen".

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  5. Ich glaube es war der ältere in schwarz-weiß, aber ich bin nicht mehr ganz sicher.

    Ich glaub ich muss das Buch noch mal lesen. Hab schon wieder fast alles vergessen.

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