FILMGEDANKEN (German Edition):
Die Mitte der Welt | Tschick

VanaVanille

Wer meine Rezension zu Die Mitte der Welt gelesen hat, weiß, wie sehr ich Autor und Buch vergöttere. Es waren Zeitlosigkeit und tiefe Gefühle, die mich von diesem wunderbaren Roman überzeugten, sodass mir bis jetzt sehr viele Kapitel in Erinnerung geblieben sind. Es fiel mir also nicht schwer, die übernommenen und veränderten Szenen ausfindig zu machen und bewerten zu können. 

Phil wird von dem ganz bezaubernden Louis Hofmann verkörpert, den ich bisher noch in keinem Film gesehen hatte (was vielleicht daran liegt, dass ich mich sonst von deutschen Verfilmungen fern halte), der mir aber von Anfang an gefiel. Er ist mein großer Pluspunkt des Films, denn im Gegensatz zu seiner etwas zu aufgedrehten und leider nicht ganz so überzeugenden besten Freundin Kat (Svenja Jung) kaufte ich ihm jede Gefühlsregung ab. Er kam mir vor wie ein junger, deutscher Eddie Redmayne, dauerstrahlend und ein bisschen verträumt und stahl damit eigentlich jedem weiteren Charakter die Show. Selbst seine beginnende Liebesaffäre Nicholas (Jannik Schümann) konnte da nicht mithalten, obwohl ich beiden meinen höchsten Respekt zollen muss, für diese erotischen und authentischen Szenen zwischen zwei Männern. 

Sonst hielt sich der Regisseur sehr stark an die Literaturvorlage, konnte deren Zauber aber leider nicht ganz einfangen. Das lag für mich hauptsächlich daran, dass der Film in unserer Zeit der Smartphones und Moderne spielt, weshalb die Bücher, die im Roman noch eine so große Rolle spielten, den Whatsapp-Sprachnachrichten weichen mussten. Die Bibliothek, die Phil im Buch noch seine "Mitte der Welt" nennt, wird nur ganz kurz am Anfang gezeigt und verliert dann ihre Bedeutung. Das fand ich sehr schade, denn gerade dieser Ort hatte mich beim Lesen noch sehr angesprochen.




Nach dem Lesen von Tschick war ich absolut begeistert und erfreut darüber, dass sich hinter dem Hype des Buches auch wirklich etwas befand, was mich überzeugen konnte. Es war nicht nur ein witziger Roadtrip zwischen zwei ungleichen Freunden, sondern ein ebenso tiefgründiges Buch über das Erwachsenwerden und der Scheinheiligkeit unserer Gesellschaft. Ich bezweifelte schon vorm Schauen des Films, dass dieser all das einfangen könnte, was ich beim Lesen gefühlt hatte, und leider war es auch so.

Trotzdem, Tschicks Verfilmung ist keinesfalls schlecht und bestach vor allem mit ein paar Lachern. Ich hatte wieder ganz vergessen, wie jung die Protagonisten eigentlich waren, weshalb ich den Darstellern anfangs etwas skeptisch entgegen trat. Im Großen und Ganzen muss ich aber sagen, dass sie ihren Job wirklich gut gemacht haben und zwei überzeugende pubertierende Jungs darstellten, denen man ihre Rolle auch wirklich abnahm. Ich muss aber leider gestehen, dass die Szenen, die ich im Buch so toll fand, im Film leider nicht ganz so bewegend und erhellend wirkten. 

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