¡Rezension!: Das Buch der verlorenen Dinge

VanaVanille


Titel: Das Buch der verlorenen Dinge
Autor/in: John Connolly
Verlag: List
Originaltitel: The Book of lost Things
Seitenzahl:
336
Preis: 16,90 € (D)
ISBN:
9783548609225





Klappentext

Als Davids Mutter nach schwerer Krankheit stirbt, verkriecht sich der Junge in seine Bücher. Bald schon fangen sie an, mit ihm zu sprechen, und im Garten vor seinem Zimmerfenster taucht immer öfter eine seltsame Gestalt auf: der »Krumme Mann«. Eines Abends folgt der Junge ihm durch einen Mauerspalt und findet sich in einem dunklen Wald wieder. Geleitet und gelockt vom »Krummen Mann« macht David sich auf die Suche nach dem König des Waldes. Von ihm wird gesagt, er besitze ein geheimnisvolles Buch, »Das Buch der verlorenen Dinge«, in dem alle Wahrheiten des Lebens aufgezeichnet seien. Endlich am Schloss des Königs angelangt, muss David erkennen, dass er dem Bösen in die Falle gegangen ist.


Erste Gedanken
 

Schon zu Beginn war ich von der Idee, Märchen und alte Erzählungen mit in eine Geschichte einfließen zu lassen, total begeistert. Ich war schon immer ein großer Fan von Märchen, Kurzgeschichten und Mythen und konnte es deshalb kaum erwarten endlich in den Roman eintauchen zu dürfen. Das Cover motivierte meine Leselust dabei noch etwas, da es, meiner Meinung nach, ausgesprochen schön gestaltet wurde.
Das konnte ja nur gut werden ...



Meine Meinung

Gerade geschlossen, liegt das Buch nun neben mir und zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich darauf schaue. Nur um es schon vorweg zu nehmen, kann ich euch sagen, dass all meine Erwartungen erfüllt wurden und ich diesen Roman schon jetzt zu meinen Lieblingen zählen werde. Endlich mal ein Werk, was mich durch sein Cover aufmerksam gemacht hat und diesem auch gerecht wurde.

David ist ein Junge, der schon früh vom Schicksal geprägt wurde. Seine Mutter verstarb an einer unheilbaren Krankheit und sein Vater fand im Laufe der Zeit eine neue Frau, mit der er auch einen zweiten Sohn zeugte. Wie Kinder so sind, ist unser kleiner Protagonist über diese Tatsache überhaupt nicht erfreut und verschließt sich vor der Realität in seiner eigenen Traumwelt, die er aus Büchern und Geschichten seiner Mutter aufbaut. Man spürt, dass David eigentlich ein liebenswerter, hilfsbereiter und kluger Junge ist, der allerdings mit seinem neuen Umfeld nicht zurecht kommt.
 Die Geschichte spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieges (nein, keine Angst, es ist kein Buch dieser Art), was David neben den familiären Problemen noch zusätzlich ängstigt und verstört. Der aufkommende Stress zeigt Wirkung und das ganze Haus reagiert aggressiver und streitsüchtiger auf die restlichen Personen im Haushalt. So ist es nur eine Frage der Zeit bis es zu einer großen Auseinandersetzung zwischen David und seiner Stiefmutter kommt, die zur Folge hat, dass der Junge, aus Frust und Wut, einen Weg in ein anderes Reich findet.

Dieses Reich ist aber viel brutaler und realistischer als die Welten, die man vielleicht aus anderen Geschichten kennt. Wer glaubt, einer schönen Märchenwelt zu begegnen in der auf jeden ein Happy End wartet, der wird sich beim Lesen sehr wundern und diese Vorstellung über Bord werfen müssen. Selbst in diesem Land der Fantasie und alten Geschichten sind Themen wie Vergewaltigung, Mord, Krieg und Sodomie ein Teil des Alltags. Man begegnet Geschöpfen, die man bereits kennt, welche aber ganz anders verkörpert werden als in den Märchen, die wir früher von unseren Eltern vorgelesen bekommen haben. Manche Erzählungen kommen einen sehr viel brutaler und böser vor, allerdings rüttelte mich dieses Buch auch wach, denn wenn man es recht bedenkt, so sind auch unsere eigenen Märchen nicht gerade Geschichten der Unschuld (Nehmen wir nur Schneewittchens böse Stiefmutter, die von dem Jäger verlangt, dass er die Prinzessin schlachtet und der Königin das Herz bringt, damit sie es danach verspeisen kann. Oder Hänsel und Gretel, als die Hexe versucht die Kinder zu braten, allerdings durch einen Trick von Gretel selbst in den Ofen geschoben wird. Auch nicht gerade appetitlich.) Aus diesem Grund fand ich es eher seltsam die Brutalität der im Roman vorkommenden, neu gestalteten Märchen zu kritisieren. Aber belassen wir es dabei.

An keiner Stelle langweilte ich mich oder hatte gar vor das Buch weg zulegen. Ganz im Gegenteil, eigentlich wollte ich so schnell wie möglich weiter lesen und so viel von dieser Welt und den Märchen verschlingen, wie es nur möglich war. Das lag nicht nur an David, der sich zusammen mit dieser neuen Welt veränderte und ein Teil der Brutalität an nahm - was mir sehr gefiel - sondern auch an vielen anderen Charakteren, die man entweder schon aus Märchen kannte (die allerdings ganz anders waren), oder neu dazu gedichtet wurden.

Das Buch hat das geschafft, was auch Märchen in einem hervorholen. Man war auf der Seite der "Guten", weil diese liebenswertere Charaktere hatten (auch wenn sie manchmal nicht wirklich moralisch richtig handelten) und verfluchte die "Schlechten". Ganz besonders der wahre Bösewicht, den man auch bereits aus einem Märchen kennt, ließ mir die Haare zu Berge stehen und überzeugte nicht durch Körpergröße und Kraft, sondern mit Boshaftigkeit, ja ich würde sogar Perversion sagen.

Wenn ich erklären müsste, an was mich der Roman erinnert hat, dann würde ich sagen, dass es sich um eine Zusammensetzung aus der fremden Welt "Narnia"s, der Brutalität aus "Pan's Labyrinth" und den Einfließen von bestehenden Geschichten, wie bei "Mara und der Feuerbringer", handelt. Allerdings ähnelt keiner der drei Genannten dem Buch auch nur annähernd, sodass es beim lesen nur bei vagen Erinnerungen bleibt und einem Nichts wirklich bekannt vorkommt.


Mein Urteil

Wie schon erwähnt, liebe ich dieses Buch bereits jetzt und bin froh mich entschieden zu haben es zu lesen. Der Protagonist ist glaubwürdig und verträumt, so wie ich es mag, und erlebt ein Abenteuer, das an keiner Stelle langweilig wird. Die Erzählweise ist geprägt von kindlichem Witz, aber auch von Humor, wie ihn eigentlich nur Erwachsene verstehen können (das macht es auch so schwierig, den Roman in eine Kategorie ein zuteilen). Für die verschiedensten Emotionen wurde gesorgt, ob Trauer, Erleichterung, Wut oder Freude, man konnte alles nachempfinden, da es niemals aufgesetzt erschien oder übertrieben wirkte. Zwar war das Ende etwas durchschaubar, aber in diesem Fall hat es mich kein bisschen gestört, denn der Autor gab absichtlich mehrmals Tipps, an denen man die Wahrheit durchschimmern sah.
Insgesamt also eine wunderschöne Geschichte, die Realität mit Märchen verbindet und verdeutlicht, dass es auch in Fantasiewelten nicht immer zu einem Happy End kommt. 


5 Kommentare:

  1. Es ist zwar schon eine Weile her, seit ich das Buch gelesen habe, aber auch mir hat es wirklich gut gefallen.

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  2. Wow, das ging ja jetzt schnell mit der Rezension! :)
    Ich freu mich auch schon richtig es zu lesen!

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  3. @Soleil: Das freut mich =D denn es scheint ja wirklich sehr geteilte Meinungen dazu zu geben.

    @Mæhnenwolf: Ich hoffe, dass es dir auch so gut gefallen wird ^^

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  4. @Cherry:
    Das kann ich mir schon vorstellen, es ist ja kein Buch, das in ausgetretenen Pfaden wandelt. Und recht düster ist es auch. Das muss man mögen oder zumindest offen dafür sein.
    Aber geschmäcker sind ja bekanntlich ohnehin verschieden ;)

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  5. Schön, dass es dir gefallen hat :D Ich war auch so beeindruckt davon, gerade wie die Märchen alle neu aufgerollt wurden, total gruselig. Eigentlich sollte ich es bald noch mal lesen.

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Cherry