¡Rezension!: Onkel Montagues Schauergeschichten [Buch + Hörbuch]

VanaVanille


Titel: Onkel Montagues Schauergeschichten
Autor/in: Chris Priestley
Originaltitel: Uncle Montague's Tales of Terror
Seitenzahl: 224
Preis: 15,90 € (D)
ISBN:
978-3-8270-5371-8




Es ist ein dunkler und gruseliger Weg bis zu Onkel Montagues Haus, doch der junge Edgar beschreitet ihn, trotz Furcht, immer wieder. Manch einer mag sich fragen wieso, aber schon nach einigen Seiten wird dem Leser klar, dass unser lieber Protagonist kein gewöhnlicher Bursche ist, der mit anderen draußen Fußball spielt oder auf Entdeckungsreise geht. Edgar hat im Gegensatz zu all seinen Altersgenossen einen gewaltigen Hunger nach Geschichten, und besonders die schaurigen Erzählungen seines Onkels haben es ihm angetan. Neugierig und aufgeregt lauscht er der Stimme des Mannes und kann sein Erstaunen kaum unterdrücken, denn hinter diesen vielen Kurzgeschichten verbergen sich keine harmlosen Märchen, sondern skurrile und grausige Darstellungen, wie ich sie nicht erwartet hätte. Es handelt sich hierbei nicht um mickrige Geister- oder Gespenstergeschichten, wie man sie sich früher auf Klassenfahrten erzählt hat, sondern um Erzählungen, die sich speziell auch mit der Psyche der Protagonisten befassen und somit nicht so durchschaubar wirken, wie gewöhnliche Gruselgeschichten für Kinder.

Womit mich "Onkel Montagues Schauergeschichten" absolut überzeugt hat, waren speziell diese spannenden Erzählungen, die meist überraschend und schockierend endeten. Diese Art von Grusel traf genau meinen Stil und ich konnte mich ihm kaum entreißen. Man könnte es sogar mit Edgar Allan Poe (ich frage mich immer noch, ob die Namenswahl des Protagonisten auf diesem Autor beruht) vergleichen, nur dass in Priestleys Geschichten ausschließlich Kinder und Jugendliche die Hauptrollen spielen und die Länge der Texte auch kürzer gehalten wurde.
Wenn ich noch einmal zurückblicke und das Grauen betrachte, so muss ich sagen, dass dieses Buch eigentlich nichts für Kinder ist. Allerdings wird kaum ein Kind all die Folgen begreifen können, die sich aus dem Ende der Geschichte ergeben und das Buch eher wie eine kleine Reihe von schaurigen Märchen lesen, was dann aber leider sein Ziel verfehlen würde. Gerade bei solchen Kurzgeschichten ist das erstaunlich plötzliche Ende ein zusätzlicher Kitzel, welcher den Leser weiter fantasieren lässt, obwohl jeder sich denken kann, wie es schlussendlich ausgeht. Ich liebe solche "offenen" Enden. Trotzdem ist diese Art von Erzählung nicht jedermanns Sache und aus diesem Grund würde ich denjenigen, die mit Kurzgeschichten grundsätzlich nichts anfangen können, von diesem kleinen Werk abraten.

Natürlich kann ich meine Meinung zum Buch nicht beenden, bevor ich nicht auch die wunderschönen und aufwendigen Illustrationen von David Roberst erwähnt habe. Ein kleiner Vorgeschmack seiner Kunst bietet bereits das Cover, welches mich (wie schon gesagt) überhaupt erst dazu gebracht hat mir "Onkel Montagues Schauergeschichten" zu kaufen. Zu jeder Geschichte gibt es mindestens eine seiner genialen Zeichnungen und es ist immer wieder ein Genuss diese zu betrachten. Der düstere Stil (ich vergleiche ihn gern mal mit Tim Burton) passt einfach perfekt zum Inhalt des Buches und verleiht ihm somit eine außergewöhnliche Note. (Ach was soll ich noch anderes dazu sagen? Ich liebe sie!)

Ich war etwas skeptisch, als ich die Stimme des Sprechers Dietmar Mues das erste Mal hörte. Zwar passte sie perfekt in mein Bild des Onkel Montagues, aber für Edgar war seine Stimme einfach zu tief und alt. Da allerdings zu 90 % des Textes nur Montague spricht, war diese Tatsache erträglich und irgendwann störte es mich auch nicht mehr. Viel zu gelungen fand ich die schaurige Erzählweise und das Verstellen seiner Stimme, sodass die verschiedensten Stimmungen aufkamen, ob Panik, Skepsis oder Furcht. Selbst weibliche Charaktere brachte er gut herüber, wie ich es eigentlich nicht erwartet hatte.

Außerdem waren auch die Übergänge von einer Geschichte zur nächsten außergewöhnlich gut akustisch gestaltet. Es wurden Geräusche benutzt, die einwandfrei mit der vorherigen Erzählung harmonierten und der schaurigen Stimmung noch einen zusätzlichen Gänsehauteffekt verliehen. Ich muss zugeben, dass ich von dieser Idee absolut begeistert war und sie ihr Ziel bei mir erreicht hatte. 

Was mich dennoch am Hörbuch gestört hat, war die Kürzung des Buches. Der Titel hat gerade einmal 224 Seiten, da sollte es doch möglich sein, das komplette Buch aufzunehmen, oder? Doch es kommt noch schlimmer! Die Kürzungen beschränkten sich bis zu einem bestimmten Punkt nur auf lange Beschreibungen von der Umgebung, was ja noch zu verkraften war, aber dann fehlte plötzlich eine ganze Geschichte. Ich hatte während des Hörbuchs immer das Buch neben mir zu liegen und verglich Anfänge und Enden um zu schauen, ob auch alles Wichtige enthalten war. Als dann eine ganze Erzählung einfach übersprungen wurde, musste ich erst einmal schauen, ob nicht mein Hörbuch irgendwie fehlerhaft war. Zwar war die fehlende Kurzgeschichte nun nicht die beste, aber dennoch hat mich das schon ziemlich aufgeregt. Ich fand es wirklich schade und war froh, das Buch bereits gelesen zu haben.


Mein Urteil

"Onkel Montagues Schauergeschichten" ist eine fantastische Sammlung von gruseligen Erzählungen, die mit ihrer düsteren Stimmung und unbarmherzigen Enden überzeugt. Eingebettet in einer größeren Story setzt sich im Laufe des Buches ein Puzzle zusammen und macht die Welt, in der sich der junge Protagonist noch sicher gefühlt hat, selbst zu einer einzigen schaurigen Idee.
Wer Gefallen an gruseligen Kurzgeschichten (à la Poe) hat, dem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. In Kombination mit den Illustrationen von David Roberts ist es ein schaurig schönes Erlebnis.


5 Kommentare:

  1. Rate mal, was gerade auf meinem Wunschzettel gelandet ist! :)

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  2. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Edgar seinen Namen vom berühmten poe bekommen hat. Der Autor gibt poe nämlich auch oft als inspirationsquelle an. Meinst du wirklich Kinder verstehen das Ende nicht? Das war doch gar nicht kompliziert... Oder wie meinst du das? ich finde Kürzungen bei Hörbüchern auch furchtbar :(

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  3. @Leselurch: Dann hoff ich, dass es dir genauso gut gefällt :D

    @Miss Bookiverse: Ich meinte nicht, dass Kinder das Ende des Buches nicht verstehen, sondern ein paar von den Kurzgeschichten (und deren Folgen) nicht ganz nachvollziehen könnten. Vermute ich jedenfalls. Natürlich wird es einige geben, die es trotzdem können, aber ich hab eigentlich so von Kindern unter 12 Jahren gesprochen, für die der Titel eh nicht geeignet ist.

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  4. Ach so meinst du das. Also wegen der realtiv offenen Ende können sie sich nicht herleiten, was da jetzt nun passiert, richtig? Das kann ich schon eher verstehen. Das war ja auch das, was mich an dem Buch genervt hat ;D

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  5. Ja genau das meinte ich ^^ Aber halt eher im Bezug auf Kinder, denn mich persönlich hat es ja gar nicht gestört. Aber bei älteren Lesern (wie wir) ist es dann eine Geschmackssache ;)

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