¡Rezension!: Der erste Tod der Cass McBride

VanaVanille


Titel: Der erste Tod der Cass McBride
Autor/in: Gail Giles
Verlag: Thienemann
Originaltitel: What Happened To Cass McBride
Seitenzahl: 240
Preis: 13,90 € (D)
ISBN:
978-3-522-20126-1




Der wahrscheinlich schlimmste Alptraum der meisten Menschen ist es lebendig begraben zu werden, und genau in dieser schrecklichen Situation befindet sich die 17Jährige Cass McBride. Nur mit einem gewöhnlichen Schlauch mit der "oberen" Welt verbunden, liegt sie in ihrem eigenen kleinen Sarg, der ihr das Überleben mit jeder Minute schwerer macht. Aber wer hat sie hier eingesperrt? Und was noch viel wichtiger ist: warum?

Die Geschichte der Cass McBride beginnt alles andere als geheimnisvoll, was den ein oder anderen Leser zuerst vielleicht verwirren mag. Es steht sofort fest, wer das Mädchen in ihrem engen Gefängnis fest hält und auch der Beweggrund seiner Tat ist schnell entdeckt. Nun könnte man sich fragen, wieso man das Buch denn noch lesen soll, wenn von Anfang an alles schon sicher ist und es kein Geheimnis mehr zu lüften gibt. Aber Vorsicht! Der erste Tod der Cass McBride ist ein fantastisches Beispiel dafür, dass man als Leser auch schnell in die Irre geführt werden kann und man viel zu voreilig ein falsches Bild kreiert, was mit der Wahrheit kaum mehr übereinstimmt. Es beweist, dass jede Medaille zwei Seiten hat, die man niemals mit nur einem Blick erhaschen kann.

Der Roman wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: Opfer (Cass), Täter und Polizist. Dabei wechselt die Autorin mehrmals zwischen Gegenwart und Vergangenheit, um dem Leser einen Einblick in das Leben der Figuren zu geben und somit auch deren Handlungen zu rechtfertigen. Dabei spielen natürlich im Besonderen Cass und der Täter eine ausschlaggebende Rolle, die zuerst noch sehr eindeutig zu durchschauende, dann aber doch unerwartet komplexe Charaktere waren. Eines ist jedenfalls klar: beide hatten ihre Probleme, die am Ende gar nicht so unterschiedlich zu sein schienen.

Leider muss ich sagen, dass dieses spannende Lesevergnügen schnell wieder vorbei war, denn die knapp 240 Seiten ließen sich wie im Flug lesen und waren somit schnell durchgeschmökert. Das will ich allerdings keinesfalls als Kritikpunkt verwenden, denn es beweist nur, wie erfolgreich Frau Giles mich mit ihrem Schreibstil und der geschaffenen, beklemmenden Atmosphäre fesseln konnte. Speziell ihre gelungenen Wechsel zwischen den einzelnen Personen gaben der Neugier immer noch einen extra Schub, sodass man zielgerichtet auf das geniale Ende zusteuerte.

Das Einzige, was mich ab und zu ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass Cass, trotz verstörender Situation, ziemlich ruhig blieb und man kaum etwas von ihrer Verzweiflung mitbekam. Ich habe gehofft, dass die Autorin in dieser Richtung etwas mehr versuchen würde den Leser zu erschüttern, aber das hatte sie scheinbar gar nicht vor. Wahrscheinlich sollte auch das wieder zeigen, dass der Roman nicht unbedingt die Erwartungen erfüllen, sondern überraschen sollte, und das hat die Dame eindeutig geschafft. Statt sich zu sehr in die Stimmung Hass, Wut und Angst zu vertiefen, beschrieb sie viel mehr die Seiten der Erkenntnis, der Reue und des Verständnisses, die man in diesem Genre eher selten findet.


Mein Urteil

Manchmal ist weniger auch mehr, was uns Gail Giles mit ihrem spannenden Jugendthriller gezeigt hat. Gekonnt spielt sie mit den Erwartungen des Lesers und stellt diese vollkommen auf den Kopf. Der erste Tod der Cass McBride ist ein Beweis dafür, dass man auch mit wenigen Seiten eine packende Atmosphäre schaffen kann, die bis zum Ende fesselt.


4 Kommentare:

  1. Die Kurzbeschreibung hört sich echt gut an.Ich werde mir das Buch besorgen, weswegen ich auch nicht die ganze Rezension gelesen hab, ich bild mir erst mal meine eigene Meinung. Aber man, hört es sich gut an.

    Euer Blog hat wieder einmal mein Bücherregal bereichert. :D

    Gruß, L.

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  2. Klingt toll, danke für die schöne Buchvorstellung!
    Bei der Thematik musste ich gleich an den Film "Buried" denken, der sicherlich noch verstörender ist, da der Protagonist hier nicht weiß, warum er eingesperrt ist.
    Das Buch steht auf dem Wunschzettel und wandert nun weiter nach oben :-)
    Liebe Grüße

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  3. @Friedelchen: Ja, von diesem Film habe ich auch schon gehört und musste sofort dran denken.
    Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen :)

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