¡Rezension!: Alles - Worum es geht

VanaVanille

Im Gegensatz zu Nichts ist Alles kein Roman, sondern eine Kurzgeschichtensammlung, was mich persönlich keinesfalls störte. Ich bin ein großer Verteidiger von Kurzgeschichten - wenn sie gut geschrieben sind - und war mir ziemlich sicher, dass die Autorin auch hier wieder Großes leisten würde.

Janne Teller befasst sich in ihren Erzählungen mit den verschiedensten gesellschaftlichen Themen - Rassismus, Gewalt, Intoleranz etc. - und weiß natürlich auch mit diesen kleinen Werken den Leser in ihren Bann zu ziehen. Während sie anfangs nie tief blicken lässt, einen neugierig macht und schnell in ein uns unbekanntes Leben eintaucht, spürt man beim Verlauf jeder Geschichte, dass sich hier viel mehr anbahnt, als zuerst vermutet. Nur diese paar Seiten reichen aus, schon findet man sich kopfschüttelnd, erstaunt, manchmal sogar schockiert wieder, weiß gar nicht wie einem geschieht, und sieht manche Dinge vielleicht mit anderen Augen. 

Besonders gelungen fand ich dabei die unterschiedliche Gestaltung der Geschichten. Während eine ein langer Dialog ist und manche von ihnen wie innere Monologe aufgebaut sind, gibt es natürlich auch jene Texte, die zu Beginn fast wie eine ganz normale, ja sogar recht banale Geschichte aus dem Alltag wirken, bei denen wir erst nach und nach erfahren, was es damit auf sich hat. Gerade das macht das ganze Buch so spannend, denn man findet sich immer in anderen Schreibstilen wieder und könnte fast meinen, die Geschichten können ja gar nicht von nur einer Autorin geschrieben sein.

Was ich vielleicht ein bisschen schade fand, war die Tatsache, dass sich Frau Teller sehr viel mit Rassismus im Sinne von Ausländerfeindlichkeit auseinandersetzte und ich mir hin und wieder noch andere Geschichten zu anderen genauso wichtigen, sozialen Themen gewünscht hätte (obwohl die natürlich auch vorhanden waren, aber wie gesagt, leider in der Unterzahl). Vielleicht einfach zwei, drei Erzählungen mehr, schon wäre Alles wieder etwas ausgeglichen und natürlich auch noch ein längeres Lesevergnügen gewesen.

Ich habe übrigens zwei Favoriten:
Sich so in den Hüften wiegend und die Augen zu Boden gerichtet / Lollipos

Mein Urteil

Auch wenn wir es diesmal nicht mit einem Roman zu tun haben, so weiß die Autorin auch mit ihren Kurzgeschichten, wie man überzeugende Charaktere erschafft und den braven Leser vor Augen führt, wie die Welt dort draußen so abläuft. Vielleicht gar nicht so weit draußen, vielleicht sogar ein paar Straßen weiter, oder vielleicht auch vor seiner Haustür...
Es hat zwar nicht dieses Schockpotential wie Nichts, regt aber genauso zum Grübeln an.

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