"Die rote Königin" - Kenn ich das nicht irgendwoher?

VanaVanille

Wer seit dem Hervorsprießen diverser Dystopien nun hofft, dass Die rote Königin uns nach etlichen Wiederholungen endlich etwas Neues beschert, den muss ich leider bereits an dieser Stelle enttäuschen. Auch die Reihe von Victoria Aveyard verläuft nach den bekannten Mustern und bietet uns nicht wirklich eine Überraschung am breiten Horizont der brutalen und negativ ausgeschmückten Zukunftsvisionen im Jugendbuchbereich.

Mare ist betrüblicherweise nicht unbedingt das, was man eine starke Protagonistin nennt. Ich fand sie an vielen Stellen sehr nervig, einfach nicht clever genug für jemanden, der das Gesicht einer Rebellion werden soll, und oftmals wie eine Möchtegern-Katniss, die sich, im Gegensatz zu ihrem Vorbild, aber nicht wirklich regte, wenn sie den Grausamkeiten der ihr noch so fremden Welt ausgesetzt wurde. Das Buch las sich somit wie eine Mischung aus der oberflächlichen Selection-Reihe (mit Dreiecksbeziehung ... nein, Vierecksbeziehung muss man diesmal sagen) und der kampfbereiten Bestimmungs-Trilogie, gespickt mit ein paar fantastischen X-Men-Kriterien. Ja, ich finde übersinnliche Fähigkeiten auch echt cool, aber wenn sie die Handlung dadurch lächerlich simpel erscheinen lassen und einem die "überraschenden" Wendungen schon klar sind, bevor sie der "Heldin" einfallen, dann kann ich darauf auch gut und gerne verzichten.

Ich möchte nicht behaupten, dass Die rote Königin schlechter ist als ihre Dystopie-Schwestern, aber sie ist eben auch keine Neuheit, kein BAMM-Sowas-hast-du.noch-nie-gelesen-Buch und weckte in mir damit nicht einmal den Ansatz des Wunsches die Reihe weiterzulesen. Wer Lust auf eine dystopische Welt mit fantastischen Zügen hat, der sollte doch lieber einmal einen Blick auf The Bone Season werfen, oder, wenn eine gute Rebellion reicht, Die Tribute von Panem (nochmal)lesen. Wem es jedoch egal ist, dass er die gleiche Story immer wieder in einem anderen Gewand liest, oder eben mit Dystopien bisher noch nicht viel am Hut hatte, der wird mit diesem Buch sicherlich auch glücklich werden.

12 Kommentare:

  1. also ich lese das gerade und ich bin noch nicht sooo weit, aber die Selection-Parallele hab ich auch schon festgestellt. Jedoch bin ich irritiert, ich lese jetzt schon zum zweiten Mal, dass das ne Dystopie sein soll - Für mich ist das ganz klar Fantasy, da diese magischen Begabungen und auch silbernes und roten Blut für mich nicht eine Sekunde eine mögliche Zukunft für unsere Welt ist. Kann aber auch sein, dass man das nach dem Lesen des ganzen Buches anders sieht...?
    Na ja, ich mag es bis jetzt noch sehr gerne, aber ich hab auch bis auf Panem keine deiner erwähnten Reihen so richtig gelesen :D

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    1. Ich weiß genau was du meinst, ich dachte auch zuerst: Hm, soll das jetzt wirklich die Zukunft sein oder spielt das in einem Paralleluniversum? Es gibt aber so einige Dinge z.B. verlassene Städte, die etwas später im Buch in Erscheinung treten, die Hinweise geben, dass es sich um "unsere Welt" handelt. Ist ja auch erst der erste Teil und vielleicht kommt noch raus, dass es ein bisschen in die Richtung "Die Bestimmung" geht und das silberne Blut aufgrund von Genmanipulation oder Ähnlichem entstanden ist. Dafür müsste man wohl weiterlesen... :/

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    2. ja, ich bin jetzt schon ein bisschen weiter und weiß glaube ich langsam was du meinst. Das traurige ist ja, mit Genmanipulationen kann man eigentlich fast alles erklären :( Enttäuscht mich aber, dass es eine Dystopie ist, als Fantasybuch hätte mir das alles sehr viel besser gefallen, jetzt mal so aus Prinzip.

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  2. Muss ich dir leider voll und ganz zustimmen Cherry! Ich hatte mir echt viel erwartet und dann bekommt man einen Mischmasch, den man in mindestens drei anderen Büchern schon gelesen hat. Das hat mich ziemlich aufgeregt. Vor allem mit den Selection Ähnlichkeiten, die hätte ich überhaupt nicht brauchen können. Das "Viereck" war auch absolut nicht meins und das einzig Gute war, dass ich den Twist am Ende nicht geahnt hatte. Da hat mich die Autorin tatsächlich mal überraschen können ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. ****SPOILERGEFAHR!!!!*****

      Gut, dass es nicht nur mir so ging. Ich habe nämlich schon wieder einige gute bzw. sehr positive Rezensionen dazu gelesen, bei denen ich mich immer frage, ob ihnen die Ähnlichkeiten nicht auffallen, sie ihnen egal sind, oder ob sie die vielleicht sogar mögen. Ich kann diese bekannten Muster nach gefühlten tausend Dystopien aber langsam nicht mehr ertragen.

      Zum Twist: da gebe ich dir recht, der kam selbst für mich überraschend. Aber es gab auch nicht wirklich die Möglichkeit das zu durchschauen. Trotzdem, das hat meine Stimmung etwas aufgehellt. Dafür war mir das mit ihrem "verstorbenen" Bruder schon von Anfang an klar und auch die Rolle der verstrahlten Stadt hatte ich mir so gedacht. So konnte selbst der Twist das alles nicht wieder rausreißen.

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  3. Das ist genau das, was mich am Genre Dystopie so stört. Entweder ist der Wiederholungsfaktor hier wirklich so groß, oder er kommt mir aus irgendeinem Grund bloß so groß vor; jedenfalls ist es ermüdend, immer wieder den selben hoch angepriesenen Schmarrn zu lesen. Ich muss sagen, dass ich dieses Genre leider mittlerweile echt nicht mehr gerne lese, weil eine Enttäuschung oder zumindest Ernüchterung in Sachen Originalität quasi schon vorprogrammiert sind. Ich habe meine Lieblinge gefunden und dabei werde ich es belassen ^^

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    1. Ich könnte mir eigentlich auch ständig dafür ins Gesischt schlagen, dass ich es doch immer wieder probiere. Jedenfalls habe ich mir abgewöhnt, solche Reihen dann auch noch weitrzulesen. Das wäre wirklich Zeitverschwendung :/

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  4. Danke, danke, endlich mal wieder jemand unter den deutschen Lesern, der das Stück nicht so hypt - versteh ich schon wieder gar nicht, warum die den Kram so feiern. Mare ist echt seltendämlich, die Liebesgeschichte ziemlich schrecklich und dieser Plot Twist, also ehrlich :D Und mich hat auch furchtbar aufgeregt, dass die Autorin einerseits eben so Fantasy-Elemente einbringt, andererseits aber Motorräder etc, das ergibt einfach keinen Sinn -.-

    Du hast ziemlich genau meine Gedanken wiedergegeben, auch wenn ich mich noch ein bisschen mehr aufgeregt habe ;) Danke dafür!

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    1. Das Motorrad hat mich auch etwas irritiert, denn man weiß wirklich nie so genau, in welcher Zeit und an welchem Ort man sich nun eigentlich befindet. Als würde die Autorin selbst noch nicht wissen, ob es nun ein Paralleluniversum, oder eine Dystopie sein soll. Mir kommt ihr ganzes System auch noch sehr schwach durchdacht vor, sowas kann ich ja absolut nicht leiden. :(

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  5. Das Cover sieht so aus als würde Carlsen die Mädchengesichter-von-oben von der Bis(s)-Reihe wiederbeleben. Schade, dass in den ganzen Reihen nicht auch mal was anderes passiert, als dieses hier rauskam in Amerika gab's ja irgendwie einen kleinen Hype, aber lesenswert klingt das ganze absolut gar nicht. Danke fürs Vorwarnen.

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    1. Das Cover fand ich auch sehr simpel und "rückständig", denn eigentlich waren wir doch über diese doofen Mädchengesichter hinweg :( Da finde ich das Original um einiges aussagekräftiger, aber besser wird das Buch dadurch leider nicht.

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  6. Schade, dass es sich das Buch scheinbar in die Reihe der Altbekannten einreiht.
    Fand es klang eigentlich ganz interessant aber deine Rezension sagt ja eher das Gegenteil.
    Ich weiß nicht ob es an mir liegt, aber im Moment haben es Jugendbücher bei mir sehr schwer,
    mit dieser Kritik wird "Die rote Königin" dann wohl nicht bei mir einziehn...

    Liebe Grüße! :)
    Jen

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