Warum ich nach dem "Willkommen in Night Vale" nur noch einen Ausweg suchte

VanaVanille
http://www.klett-cotta.de/buch/Weitere_Autoren/Willkommen_in_Night_Vale/69996

Es bedeutet wohl nichts Gutes, wenn man ein Buch mit dem Gedanken "Na Endlich!" beendet, aber leider erging es mir bei Willkommen in Night Vale genau so. Das Autorenduo Fink und Cranor entführt ihre Leser darin in die skurrile Stadt Night Vale, in der sich die seltsamsten Wesen tümmeln und Widersprüche in Sprache und Handlung an der Tagesordnung stehen. Ja, dieses Wüstenstädtchen ist verrückt und ich kann nicht leugnen, dass mich diese Schrägheit am Anfang sehr für sich einnehmen konnte, doch irgendwann - und glaubt mir, lange dauerte es nicht - bemerkte ich doch, dass da etwas nicht stimmen konnte. Und daran waren keineswegs die Merkwürdigkeiten der Figuren und Orte schuld, sondern das Fehlen eines soliden Plots. 

Ständig dachte ich mir beim Lesen, wie bemerkenswert es doch war, wie die beiden Autoren sehr kluge Gedanken in einer metaphorischen Art und Weise in ihren fiktionalen Ort einbauten, die einerseits vollkommen unsinnig waren, gleichzeitig aber auch an unsere eigene, reale Gesellschaft erinnerten: Überall fliegen Hubschrauber, jederzeit wird man abgehört, aber alles findet nur zur eigenen Sicherheit statt und soll für absolute Freiheit sorgen; Bücher werden mit Drogen gleichgesetzt und sollten stets von den Kindern ferngehalten werden; Menschen gehen ihrer Arbeit nach, allein der Arbeit wegen, und merken nicht, was für einer sinnlosen Tätigkeit sie dabei nachgehen. Es gibt, besonders auf den ersten Seiten, also viel zu deuten und zu analysieren und ich glaubte stets, dass diese Kleinigkeiten eine Bedeutung für das große Ganze hatten. Das hatten sie jedoch nicht, denn es gab kein großes Ganzes.

Fast schon verärgert bin ich wegen der grässlichen Banalität, die mich in den letzten Kapiteln dieses Romans erwartete. Im Nachhinein glaube ich, dass die Suche der beiden Protagonistinnen nur dazu gut war, den Leser durch diese kafkaeske Stadt zu führen, um ihm dabei so viel verrückte Ideen wie möglich entgegen zu spucken. Man hat ganz eindeutig gemerkt, dass das Buch aus einem Podcast entstanden ist, denn es schien nie so als würden die eingefügten Radioberichte aus Night Vale die Geschichte bereichern, sondern, ganz im Gegenteil, als würde man versuchen eine halbwegs vernünftige Story um den Radiosender zu spinnen. Das ist den Schreiberlingen, in meinen Augen, nicht gelungen. Das Ende ist nahezu lachhaft einfach und erfüllt nicht einmal halbwegs das, was der Roman von Anfang an verspricht, nämlich etwas Besonderes zu sein. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich dieses Buch größtenteils gelangweilt hat, so sehr, dass ich zwischendurch mit den Gedanken abschweifte und mir wünschte, in einem anderen zu lesen. Mir tut es gerade beinahe Leid, dass diese Besprechung so furchtbar subjektiv klingt, aber ich bin einfach nur sehr enttäuscht.

 Um es kurz zu sagen...

+
Die Skurrilität des Buches ist anfangs noch sehr ansprechend und verspricht dem Leser ein außergewöhnliches Werk. Manche Passagen sind gesellschaftskritisch, originell oder einfach nur ziemlich lustig. Stellenweise erinnerte mich der Stil an die Bücher von Lemony Snicket.

-
Die Figuren blieben flach und uninteressant; das Versprechen, einen bemerkenswerten Kracher von einem Buch in den Händen zu halten, wurde nicht gehalten; die Story war lächerlich simpel für dieses ganze Theater drumherum ... um es kurz zu machen: ich bin wahnsinnig enttäuscht.




Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Klett-Cotta-Verlag für das Rezensionsexemplar.

10 Kommentare:

  1. Oh, das hört sich ja gar nicht gut an.
    Ich hatte schon befürchtet, dass es nach hinten losgehen kann, ein Buch aus einzelnen Podcast-Episoden zusammenzubasteln.

    Ich lasse lieber die Finger davon - immerhin ein Buch, das mal nicht auf die Wunschliste wandert (über sowas muss man sich auch mal freuen können^^).

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    1. Ich glaube, du triffst damit die richtige Entscheidung, denn bisher habe ich schon sehr viele negative Meinungen zu diesem Buch gelesen, die meine Eindrücke nur bestätigen.

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  2. Huhu!

    Leider kann ich dir bei deiner Meinung zu dem Buch nur zustimmen - mir hat es leider auch nicht gefallen und obwohl mir der chaotische Schreibstil gefallen hat, war die Geschichte einfach nur ein großer Haufen voller Worte der irgendwie nicht zusammenpasste. Schade :/

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. So ging es mir auch. Der Stil war anfangs so vielversprechend und anregend, aber er konnte den Rest des Buches nicht retten. Schade, dass es dir da auch so erging, aber ein wenig beruhigt es mich auch, denn nach dem Vorwort von Patrick Rothfuss dachte ich wirklich, ein anderes Buch gelesen zu haben. Seine Euphorie konnte ich absolut nicht nachvollziehen.

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  3. Ohje, sowas hatte ich fast befürchtet. Ich mag den Podcast ganz gerne, er ist irgendwie skurril und abstrus und auch nicht sooo plotreich, aber ein Podcast ist da ja auch einfach noch mal ein ganz anderes Format. Schade, dass das mit dem Buch nicht hingehauen hat. Dann weiß ich, dass ich jetzt die Finger davon lassen kann :/

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    1. Ich habe nun schon einige Meinungen gelesen, die behaupten, dass, wenn man den Podcast kennt, das Buch ganz anders wirkt und einem sicherlich auch besser gefällt. Vielleicht stimmt das ja. Als kurze Episoden hätte ich es mir auch sehr unterhaltsam vorstellen können, aber diese zwanghafte Geschichte drumherum war einfach nur schwach.

      Falls du es gern probieren möchtest, würde ich dir das Leseexemplar schicken. Aber wahrscheinlich würdest du es dann im Original lesen, oder?

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  4. Hallo ;-)
    Als ich auf LB die Buchverlosung gesehen habe, war ich ganz kurz in Versuchung, aber nun bin ich froh, dass ich weitergeschlendert bin. "Nichts für Jedermann" ist mir in dem Zusammenhang untergekommen und auch, wenn ich es gern mal absurd und irre mag, doch dies macht wohl eine "grässliche Banalität" auch nicht wett.
    Danke für deine offenen, ehrlichen Gedanken.
    Liebste Grüße und eine zauberhafte Woche wünsche ich dir. ;-)
    Hibi

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    1. Verbring' deine Zeit lieber mit einem anderen, wahrscheinlich besseren Buch ;) Ich bin für verrückte Ideen und Verschrobenheit auch immer offen, aber das konnte das Buch leider nicht halten.

      Dir auch noch eine schöne Woche :)

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  5. Das hab ich auch noch hier liegen, jetzt machst du mir aber Angst :D Skurrile, absurde Geschichten mag ich eigentlich, dafür kann ich es aber gar nicht leiden, wenn kein Plot zu erkennen ist, und genau das scheint ja hier der Fall zu sein :/ Ich bin trotzdem gespannt, aber ich schraube jetzt mal meine Erwartungen herunter - vielleicht bin ich ja dann nicht ganz so enttäuscht wie du.

    Danke für die schöne Rezension :)

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    1. Meine Arme stehen für Skurrilität und Verschrobenheit auch immer offen, aber für das Gesampaket des Buches waren sie wohl nicht weit genug geöffnet. Ich denke, wenn man den Podcast verfolgt, geht man mit ganz anderen Voraussetzungen heran, also vielleicht bereitest du dich schon etwas darauf vor ;) Aber wer weiß, es könnte dir ja sogar gefallen und meine Ausführungen sind zu übertrieben. Es gibt ja auch ein paar Leser, die es positiv bewerten.

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Ich danke,
Cherry