"Und es schmilzt"

VanaVanille

Lize Spits Und es schmilzt ist eines der unbequemsten und doch besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und auch wenn die Story auf den ersten Blick banal klingt - ein Mädchen, dass nach Jahren zurück in ihr Heimatdorf kehrt und uns dabei die Geschichte eines längst vergangenen Sommers erzählt - steckt in ihr doch so viel Inhalt, dass man ihm mit keinem Klappentext gerecht werden könnte. Die Autorin schneidet dabei so einige unangenehme Themen an und bringt den Leser mit authentischen Szenen und Figuren dazu, über das Gelesene - das Erlebte - nachzudenken. Man muss hinsehen, auch wenn man es manchmal nicht will.

Wegen besagter Unbequemlichkeit bin ich mir jedoch auch sicher, dass dieses stechende, würgende Buch nicht für jedermann geeignet ist. Viele werden es verabscheuen, es zu schockierend finden und sich fragen, warum es dermaßen hoch gelobt wird. Doch ich möchte diesen Roman trotzdem all jenen ans Herz legen, die etwas Besonderes lesen wollen, vom Erwachsenwerden, vom Unglück mancher Kinder, von Grausamkeiten und Reue. Hier steckt so viel drin, dass ich mir wünschte, wir alle hätten es bereits gelesen und könnten nun darüber diskutieren. Denn oh ja, es wird viel zu reden geben.

Ich wurde bisher von sehr vielen Autorinnen meiner Generation enttäuscht, was mich immer skeptischer werden ließ. Frau Spit hat mir jedoch bewiesen, dass man mich auch als junge Autorin mit Humor, realistischen Themen und einer metaphorischen und doch niemals ins Blumige abrutschenden Sprache entflammen kann. Auch wenn ich mich mit Eva nie zu 100% werde identifizieren können, haben sie und ihre kleine Schwester Tesje mich in vielen Kapiteln innerlich berührt und an meine Kindheit erinnert. Was soll ich noch sagen? Ich bin begeistert.


9 Kommentare:

  1. Boah machst du mich neugierig! Habe direkt mal bei Audible geschaut, Hörbuch gibt es ab morgen auch schon. Ich glaube das führe ich mir dann so zur Gemüte. Passt es zu einer Jahreszeit besonders gut? Sieht ja sehr nach Winter aus.

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    1. Puh, ne, also ich würde es wahrscheinlich am ehesten für Herbst und Winter empfehlen, weil es ziemlich düster und bedrückend ist. Doch wiederum spielt die vergangene Storyline im Sommer, passt also auch gut... Ich glaub, es ist egal. Es bleibt lesenswert ;)

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  2. Huhu:-)
    Oh wie schön, das ist ja eine tolle Rezi. Ich bin auch schon so neugierig auf die Geschichte und bin froh, dass ich das Buch auch schon hier habe!
    Liebe Grüße, Petra von Papier und Tintenwelten

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    1. Danke für das Lob und nun ran ans Buch! ;)
      Ich hoffe, du magst es, aber Vorsicht, wirklich nichts für schwache Nerven. Habe nun leider schon ein paar Meinungen von Leuten gelesen, die nicht ganz damit zurecht kamen.

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  3. Das Buch habe ich schon auf vielen Blogs und Plattformen gesehen, aber etwas darunter vorstellen konnte ich mir irgendwie nicht. Vor allem, weil es eben gar nicht mal so neu, so anders klingt.

    Du machst mit deiner Rezension aber richtig Lust. Schwierige Bücher finde ich gut, denn gerade die unangenehmen Dinge müssen angesprochen werden, um etwas zu ändern. Ich kann mir nicht vorstellen, welche das sein werden - auch weil ich den Klappentext gar nicht kenne -, aber ich glaube, ich würde es gern herausfinden. Danke dir also vielmals für den Tipp!

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    1. Es ist vielleicht ganz gut,dass du dir nichts darunter vorstellen kannst, denn dann hast du die Möglichkeit, neutral heranzugehen (der Klappentext bringt einen übrigens auch nicht viel weiter ;) ).

      Ich mach mich hier mit einer Empfehlung auch echt schwer, denn ich finde es so gut, weiß aber genau, dass viele es nicht werden lesen können, weil es eben unangenehm ist. Aber die Personen in meinem näheren Umfeld, die es alle aufgrund meiner Empfehlung gelesen haben, fanden es durchweg positiv.

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  4. Klingt irgendwie nach einem Buch, das Content Warnings bräuchte. Liege ich richtig? Neugierig bin ich schon, aber bei manchen Themen mag ich lieber vorher wissen, in welche Richtung mich etwas erwartet.

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    1. Hm, eine Szene ist wirklich sehr brutal, also physisch, aber ehrlich gesagt, finde ich die subtile Grausamkeit, also eher das, was auf der psychischen Ebene passiert, wesentlich erschütternder. Es kommt halt immer drauf an, wie gut die Vorstellungskraft des Lesers ist.

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  5. Gut gut, dann werde ich es noch ein kleines bisschen hinauszögern. Bin aber jetzt schon extrem neugierig.

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