¡Rezension!: Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown

VanaVanille
Beschreibender Text für Surfer ohne Bilder 

  Titel: Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown
  Autor: Anne Helene Bubenzer
  Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
  Originaltitel:-
  Seitenzahl:
480
  Preis: 9,95 € (D)
  ISBN: 
978-3-499-25289-1




Klappentext

Von einem Bären, der auszog, die Menschen zu trösten. Henry N. Brown wird am 16. Juli 1921 als Teddybär geboren. Er erblickt das Licht der Welt, als ihm das zweite Auge angenäht wird. So beginnt ein Leben, wie es turbulenter nicht sein könnte. Eine Odyssee durch Europa, durch das zwanzigste Jahrhundert, durch Krieg und Frieden, Angst und Hoffnung, Sehnsucht und Glück – gesehen durch die Augen und erlebt mit dem Herzen eines Teddybären. Und überall, wo Henry hinkommt, bemerkt er, dass die Menschen vor allem ein Bedürfnis haben: Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört …


Erste Gedanken
 
Als mir die Erdbeere das Buch bei Amazon zeigte, war ich erst einmal von der Idee, einen Teddy-Bären einen Roman schreiben zu lassen, total hin und weg. Mir war schon von Anfang an klar, dass kaum jemand so viel über verschiedene Menschen und Geschichten berichten konnte wie ein geliebtes Spielzeug. Überzeugt davon, dass ich dieses Buch lesen musste (auch die Rezensionen sprachen für sich), packte ich es wenige Tage später in meinen Einkaufskorb und verschlang es wie den leckersten Marshmallow, den ihr euch vorstellen könnt (falls ihr keine Marshmallows mögt, stellt euch einfach eure Lieblingssüßigkeit vor).


Urteil

Es ist gerade mal 24 Stunden her, dass ich das Buch zugeschlagen habe. Es schwirrt mir weiterhin im Kopf umher und lässt mich einfach nicht los. Kennt ihr dieses Gefühl, was man hat, wenn man die letzte Seite eines guten Buches umblättert und weiß, dass die Geschichte zu Ende ist?  Dann wisst ihr auch wie es einem fast das Herz zerreißt und man sich sehnlichst wünscht es würde doch noch mehr bedruckte Blätter dieser Art geben. Genau dieses Gefühl stieg in mir hoch als Henry mich „verließ“.

Henry ist einer der liebenswürdigsten Romanhelden von denen ich bisher gelesen habe. Auch wenn er sich weder bewegen noch Gespräche führen kann, so beschreibt er in Gedanken seine Gefühle so genau und detailliert, dass man vom ersten Moment an von diesem kleinen (fast braunen) Bären gefesselt wird. Seine naive Weise an die Dinge heran zu gehen, wie es sonst nur Kinder tun, bringt einen des Öfteren zum Lächeln und weckt bei anderen vielleicht alte Erinnerungen an Kindertage, in denen man noch neugierig durch die Welt spazierte. Auch wenn dies auf den ersten Blick eher einfach und oberflächlich erscheint, so ändert man schnell seine Meinung, denn es folgen sehr philosophische und weise Gedankengänge, wie man sie von einem Teddy vielleicht nicht erwartet hätte. So lässt er den Leser aus der Sicht eines Spielzeugs auf die Menschen schauen und beschreibt ihre Wechselhaftigkeit und ihre Bedürfnisse, die bei vielen die gleichen zu sein scheinen.

„Alle Menschen hatten doch zwei Arme, zwei Beine, einen Kopf und eine Nase im Gesicht. Ich weiß bis heute nicht, woran man da erkennen soll, ob einer besser oder schlechter als der andere ist.“

Was mir wirklich fantastisch an diesem Buch gefallen hat, war der ständige Wechsel der Gefühle. Man konnte nicht anders als mit zu fiebern und zu hoffen, dass sich am Ende jeder kleinen Besitzergeschichte alles zum Guten wenden würde. Aber dieser Roman wäre nicht so gut, wenn er jeder Figur ein Happy End versprochen hätte und so kamen mir an so manchen Stellen die Tränen. Gegensätzlich dazu gab es allerdings auch Situationen in denen man vor Freude hätte aufspringen wollen. Man kann also weder behaupten, dass das Buch hauptsächlich optimistisch oder pessimistisch wäre, es war einfach real.
Manchmal atmete man vor Erleichterung auf, um gleich im nächsten Moment (nachdem man von der Realität direkt einen Schlag ins Gesicht bekommen hatte) vor Verzweiflung den Kopf zu schütteln und wieder jegliche Hoffnung zu verlieren. Es geht einfach nicht anders als von jedem Schicksal betroffen zu sein, als wäre man selbst der Bär, der verzweifelt versucht seine Schützlinge zu trösten. Natürlich hat man, wie auch Henry, seine Lieblinge unter der langen Schlange der Besitzer und Freunde, aber dennoch lässt kein Fall einen kalt, denn jeder hat seinen tragischen Hintergrund. 

Das Buch bietet also viel Abwechslung, nicht nur was die Emotionen betrifft, sondern auch die Umgebung. Da der liebe Teddy am Ende der Erzählung schon gut über 80 Jahre alt ist, kann man sich denken, dass er so manches erlebt und gesehen hat. Man kann den Roman zwar nicht „historisch“ nennen, aber dennoch liest es sich wie eine kleine Zeitreise, die immer wieder deutlich macht, wie sehr sich die Menschen äußerlich verändern, innerlich aber stets die gleichen Wünsche und Bedürfnisse haben, egal in welcher Zeit oder an welchem Ort sie leben.

„Aus Erfahrung wusste ich, dass die wichtigsten Dinge oft in den Minuten des Abschieds gesagt werden. Viele Menschen schaffen es einfach nicht vorher.“

„Die unglaubliche Geschichte des Henry N . Brown“ ist ab heute eines meiner Lieblingsbücher und ich bin sehr froh, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat. Es ist eines dieser Werke, was man nicht mehr vergessen kann, weil man es förmlich aufsaugt als wäre man ein Schwamm, der sich auf Buchstaben und Liebenswürdigkeit spezialisiert hat. Man kann aus jeder Geschichte etwas über andere, und somit auch über sich selbst lernen. Und ja, dies klingt vielleicht übertrieben, aber dennoch ist es wahr.

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