¡Rezension!: Die Stadt der verschwundenen Kinder

VanaVanille


Titel: Die Stadt der verschwundenen Kinder
Autor/in: Caragh O'Brien
Verlag: Heyne
Originaltitel: Birthmarked
Seitenzahl: 464
Preis: 16,99 € (D)
ISBN:
978-3-453-52800-0




Klappentext

Es ist eine unbarmherzige Welt, in der die sechzehnjährige Gaia aufwächst. Alles ist streng rationiert und jeder träumt von einem besseren Leben. Das ist jedoch nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die in einer geheimnisvollen Stadt leben, der Enklave, hinter einer unüberwindlichen Mauer. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was die Enklave ihnen zuteilt. Der Preis dafür ist hoch: Jeden Monat müssen die ersten drei Neugeborenen an der Mauer abgegeben werden. Wer sich weigert, wird mit dem Tod bestraft, besonders Hebammen wie Gaia und ihre Mutter. Doch dann werden eines Tages Gaias Eltern verhaftet. Für das junge Mädchen zerbricht eine Welt, und sie beginnt Fragen zu stellen: Was geschieht mit den verlorenen Kindern? Als Gaia auf der Suche nach Antworten heimlich die verbotene Stadt betritt, beginnt für sie ein Abenteuer voller Gefahren, und sie macht eine Entdeckung, die das Schicksal der Kinder und die Zukunft der Menschen für immer verändern wird …


Erste Gedanken

In letzter Zeit fiel mir auf, dass es mehr und mehr Geschichten über Dystopien gibt, die bei den meisten Lesern an Beliebtheit gewinnen (um nur ein paar zu nennen: "Die Auswahl", "Delirium" oder "XVI"). Zu diesem Genre gehört auch "Die Stadt der verschwundenen Kinder" und als ich die Leseprobe auf der Verlagsseite von Heyne las, weckte sie in mir ein vages Interesse. Zwar erinnern mich die meisten dieser Geschichten ansatzweise an "The Giver" von Lois Lowry, - welches ich in der Schule gelesen, aber nie wirklich gemocht habe - aber die Idee einer Hebamme als Protagonistin gefiel mir und weckte meine Neugier auf mehr.


Meine Meinung

Was mir zu aller erst positiv auffiel und damit dem Roman schon einen riesigen Pluspunkt verschaffte, war Gaias Persönlichkeit. Zwar hatte auch sie ihre Schwächen, jedoch unterschied sie sich zu vielen anderen weiblichen Heldinnen im Teenageralter, denen man in sonstigen Büchern begegnet. Anfangs noch darauf bedacht all das zu tun, was die Enklave verlangt, findet sie bald heraus, dass sie einem falschen System folgte. Sie ist mutig, hilfsbereit und vorsichtig. Was mir allerdings besonders an ihr gefiel, war ihre Fähigkeit auch in erschütternden Situationen Ruhe zu bewahren. So erschien sie mir an keiner Stelle übertrieben oder zickig und formte sich in meinem Kopf zu einer sympathischen Protagonistin.
Auch der Fakt, dass sie keine Schönheit war, die von allen bestaunt und vergöttert wurde, machte sie zu einer angenehmen Person, die durch ihre schlechten Erfahrungen leider oft unsicher und schüchtern wirkte. Trotz dessen war sie willensstark und clever, sodass man gern ihren Gedanken folgte und diese auch verstand.

Auch was die Nebencharaktere des Buches betrifft, hatte der Leser viele verschiedene Persönlichkeiten zu entdecken, die man ebenfalls ins Herz schließen konnte. So haben es mir zum Beispiel Leon und Yvonne angetan, die ich beide auf ihre eigene Art nett und liebenswert fand.
Was sie so besonders machte, war die Tatsache, dass nicht nur das Leben und die Geschichte der Protagonistin erzählt wurde, sondern auch die der anderen Figuren. So erfuhr man nach und nach mehr von ihnen, konnte allerdings nie behaupten, dass sie mehr als Randfiguren waren. Ich hoffe, dass sich das in den zwei folgenden Teilen ändert und auch anderen Personen eine größere Rolle zugesprochen wird.

Eine Sache bei der mich der Roman außerdem nicht ganz verzaubern konnte, waren die vielen durchschaubaren Situationen, die sich immer wieder im Laufe der Geschichte fanden. Man konnte sich somit an einigen Stellen denken, was bald passieren würde und die geplante Überraschung fiel aus. Allerdings weiß ich nicht, ob diese Dinge vielleicht beabsichtigt waren um von einem anderen Fakt abzulenken, der mich später wirklich überraschte.

Die Autorin begeisterte mich allerdings ebenso mit ihrem schönen Schreibstil, der mich die Seiten nur so verschlingen ließ. Man konnte durch ihre genauen, aber nicht zu detaillierten, Beschreibungen die Entwicklung Gaias von einer Sklavin zur Rebellin nachvollziehen und sich die Umgebung genau vorstellen. Was bei Zweiterem noch zusätzlich hilft ist die praktische Karte auf den ersten Seiten des Buches, welche die Enklave und Gaias Heimat zeigt. Ich muss ehrlich zugeben, dass sie mir sehr geholfen hat den Wegen der Protagonistin zu folgen, da ich oft orientierungslos bin, wenn in Büchern von vielen Straßen und Plätzen die Rede ist. Aus diesem Grund liebe ich es, wenn gleich zu Beginn der Erzählung ein Plan vorhanden ist, der mir weiterhelfen kann, auch wenn es natürlich schon im Voraus ein paar Orte verrät.

Leider musste ich am Ende herausfinden, dass es sich bei dem Roman nur um den ersten Teil einer Trilogie handelt. Natürlich freut es mich, dass ich noch mehr von Gaia und ihren Freunden erfahren darf, aber ein wenig enttäuscht war ich schon, weil es, meiner Meinung nach, viel zu viele Trilogien zur Zeit gibt und man, wenn einem die Geschichte gefallen hat, sehnsuchtsvoll auf die nächsten Parts warten muss.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es für unsere mutige Protagonistin weitergeht.


Mein Urteil

"Die Stadt der verschwundenen Kinder" ist eine interessante Geschichte über eine Dystopie, die zeigt, was nach der Klimakatastrophe aus der Welt werden könnte.
Zusammen mit der Protagonistin Gaia entdeckt man die Fehler und Probleme des modernen Systems und muss entscheiden, wem man vertraut und wem nicht. Voller Spannung und Dramatik wird die Geschichte einer kleinen Rebellin erzählt, die versucht ihre Liebsten zu retten und dabei alles Mögliche von sich abverlangt.
Durch den detaillierten und fließenden Schreibstil der Autorin versinkt man schnell in einer Welt, die spannend und abstoßend zugleich wirkt, aber immer wieder neue Dinge darlegt, sodass man mit dem Lesen nicht aufhören kann. Trotz einiger durchschaubarer Stellen, wird die Geschichte nicht langweilig und hat auch so manch Überraschung parat, die den Leser staunen lässt.


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