¡Rezension!: Der Narr und das Mädchen

VanaVanille


Titel: Der Narr und das Mädchen
Autor/in: Celia Rees
Originaltitel: The Fool's Girl
Seitenzahl: 320
Preis: 17,90 € (D)
ISBN:
978-3-8270-5425-8




Das Konzept hinter Der Narr und das Mädchen war wirklich brillant und gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Rees erzählte in ihrem Buch Shakespeares Stück Was ihr wollt weiter und ließ ihn selbst darin auftreten. Dabei lernte er die junge Violetta und ihren ständigen Begleiter Feste (einen Narren) kennen und freundete sich mit ihnen an. Die beiden ließen ihn Teil ihrer Geschichte werden und versuchten danach gemeinsam mit ihm ein wichtiges Artefakt des Königreiches Illyrien zurück zu erlangen.
Man kann also sagen, dass die Autorin den Werdegang des Stückes wiedergibt und die Geschichte danach mit ihren eigenen Ideen weiterspinnt. Natürlich bedient sie sich dabei der Figuren Shakespeares und wird dem ein oder anderen Theaterliebhaber sicherlich eine Freude bereiten.

Was aber ist mit den Lesern, die keine Shakespearefanatiker sind und auf einen guten historischen Jugendroman hoffen?
Wie sehr sich Rees auch Mühe gibt, sie schafft es einfach nicht eine fesselnde oder spannende Atmosphäre zu schaffen. Zwar geschehen eigentlich eine Menge Dinge, aber sie haben es an keiner Stelle geschafft mich in ihren Bann zu ziehen. Es gab weder überraschende Wendungen, noch sympathische Charaktere (wenn wir einmal von Feste absehen). Ich wusste die meiste Zeit nicht einmal, ob sich das Buch mehr mit Violetta oder Shakespeare beschäftigte, weil beide nicht wirklich das Zeug zu einem guten Protagonisten hatten.
Violetta blieb für mich ein hübsches, durchschnittlich intelligentes Mädchen, was aber nichts Besonderes vorweisen konnte, außer ihren adligen Stand. Auch wenn ihre ganze Lebensgeschichte gekürzt wiedergegeben wurde, bekam man als Leser doch keinen Einblick in ihre Gefühle oder Gedanken, was sie eher belanglos erscheinen ließ und kein großes Interesse in mir wecken konnte.
Selbst der große Shakespeare, den ich mir doch temperamentvoll und charakterstark vorgestellt hatte, blieb eine flache Persönlichkeit, die mehr durch den Roman führte, aber selbst nicht viel dazu beitrug.
Einziger Lichtblick war der Narr Feste, der mir als Nebenrolle recht gut gefiel. Leider waren seine Auftritte, meiner Meinung nach, viel zu kurz.

So muss ich zugeben, dass ich mich mehr durch den Roman kämpfen musste, als ihn wirklich zu genießen. Sehr viele Dialoge langweilten mich, die Autorin hielt sich an detailreichen, unwichtigen Beschreibungen auf und auch die Handlung hatte nichts Atemberaubendes an sich.
Wer einen historischen Jugendroman schreibt, sollte auch das Talent haben selbst junge Leser zu fesseln und neugierig zu machen. Davon habe ich bei Rees leider kein einziges Mal etwas gespürt. Sie erschafft zwar ein Netz voller Intrigen, produziert dadurch aber nicht die gewünschte Wirkung und lässt einen eher enttäuschten Leser (mich) zurück.


Mein Urteil

Begeisterte Shakespeareanhänger und Fans von historischen Jugendbüchern könnte dieser Roman wahrlich gefallen, für alle anderen hält Der Narr und das Mädchen leider nichts Besonderes bereit. Wieder einmal der traurige Fall: geniales Konzept, mangelhafte Umsetzung. 


4 Kommentare:

  1. Boah, ich finde deine Rezensionen immer echt genial...(die der Erdbeere natürlich auch^^)

    Du spoilerst überhaupt nicht und mir gefällt, dass du nicht nur auf deine Empfindungen beim Lesen eingehst, sondern auch auf das Cover, die Charakter und den Verlauf und Stil der Bücher.
    Ich lese immer wieder gerne bei dir(euch).

    Das Cover des Buches finde ich wirklich sehr schön, auch wenn ich angenommen habe, dass es sich um Violetta handelt.
    Ich lese gerne Romane aus der Shakespeare-Zeit und werde mir auch dieses Buch nochmal anschauen, auch wenn es jetzt nicht so gut bewertet wurde.

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  2. @Paralauscher: Vielen Dank für das Kompliment. Es freut mich immer, wenn anderen durch meine Rezensionen geholfen wird :)
    Und dir, als Shakespeare-Fan würde ich wohl nicht von dem Buch abraten. Du wirst damit sicherlich viel mehr etwas anfangen können, als ich ;)

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  3. Mit dem Buch liebäugl ich schon seit längerer Zeit, aber irgendwas hat mich bisher davon abgehalten - klingt ja alles nicht so rosig. Ich muss gestehen, ich habe "Was ihr wollt" bisher nicht gelesen, weiß aber ungefähr worum es geht. Vielleich wäre das ja mein Vorteil. Mal sehen, ob es jetzt noch Chancen für meinen SuB hat. :(

    ... und ich finde auch, dass du (ihr) schöne Rezis schreibt und auch so schnell. Da kommt man ja kaum mit. ;)

    LG Reni

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  4. @Reni: Ich habe mir zu "Was ihr wollt" auch nur die Zusammenfassung bei Wikipedia angeschaut und muss sagen, dass es eigentlich egal ist, ob man die Handlung vorher kennt, oder nicht. Es wird sowieso alles im Buch wiedergegeben und daran lag es auch nicht, dass ich das Buch so langweilig fand. Es hatte viel mehr mit dem Schreibstil der Autorin zu tun, über den wahre Fans Shakespeares aber sicher hinwegsehen können.
    Und danke für dein Lob =) Wenn man zu zweit an einem Blog arbeitet, geht das mit den Rezis allerdings meist auch etwas schneller.

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