"Alles, was ich sehe"

VanaVanille

Ich habe mich schon oft gefragt, auf welchen Sinn ich wohl niemals verzichten könnte, und immer wieder fiel die Antwort gleich aus. Plötzlich nicht mehr sehen zu können ist eine Horrorvorstellung für mich, ein wahrer Graus, und ich wüsste nicht, wie sich dieser Verlust auf meinen Lebenswillen auswirken würde. Würde ich stark sein und mein Bestes geben, um weiter so zu leben wie bisher? Maggie tritt ab dem Zeitpunkt ihrer Erblindung dem Leben mit zwei Dingen entgegen: Zynismus und Distanz. Sie kann sich nicht vorstellen, dass sie jemals mit dieser neuen Situation zurecht kommen wird, ohne Fußball, ohne Sterne. Doch eines Tages begegnet ihr Ben, ein 9jähriger Junge auf Krücken. Ben ist witzig, vorlaut, liebenswert ... und Maggie kann Ben sehen.  

Mir hatte es anfangs besonders Maggies sarkastische Art angetan, mit der sie dem Leser verdeutlichte, dass am Blindsein so gar nichts schön oder romantisch ist. Dabei geht es allerdings nicht nur darum, dass sie sich durch eine für sie unsichtbare Welt schlagen muss, sondern auch, wie sich das Verhältnis zwischen ihr und ihren Eltern schlagartig wandelt. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist während der Geschichte allgegenwärtig und brachte auch mich immer wieder zum Nachdenken: würde ich die nächste Bushaltestelle ohne mein Augenlicht finden? Was würde alles wegfallen, was jetzt noch selbstverständlich erscheint? Die Autorin bringt uns mit ihrem Buch mal keiner sterbenskranken Protagonistin näher, sondern einem Mädchen, das vor Angst zu versagen, wie paralysiert gar nichts mehr macht und erst durch einen kleinen Hoffnungsschimmer namens Ben wieder zu leben beginnt, der einige der Schwächen des Werks wieder wettmachte.

Ein paar Minuspunkte sammelte der Roman dafür bei der Handlung. Maggies Geschichte beginnt zwar ganz unkonventionell und verspricht originell zu werden, schlägt dann aber oftmals altbekannte Wege ein, die manchmal sogar an eine unglaubwürdige Telenovela erinnerten. Lässt man den kleinen, übernatürlichen Aspekt mal außen vor, so war alles andere doch sehr vorhersehbar und dadurch an einigen Stellen sogar etwas nervig. Manche Themen brachten unnötig Unruhe in die Geschichte, spielten im nächsten Kapitel dann aber keine Rolle mehr, was nur dazu führte, dass von den wesentlichen Problemen abgelenkt wurde. Auch das Ende ging mir viel zu glimpflich und schnell aus. Ich hätte mir eine stärkere Auseinandersetzung mit Maggies Eltern gewünscht, da diese Problematik während der Handlung immer wieder erwähnt, zum Schluss aber ganz kurz abgehakt wurden.

Lange Rezi, kurzer Sinn...

+
Eine zynische Protagonistin, ein liebenswerter Junge und der schwierige Umgang mit der Blindheit.

-
Ein vorhersehbarer Handlungsstrang mit kaum Überraschungen und eine zu geringe Auseinandersetzung mit der Eltern-Kind-Problematik.




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