"Nussknacker und Mausekönig"
Ein Weihnachtsmärchen

VanaVanille

Ein Trickfilm, ein Ballett, ein Theaterstück, dies alles war mir vom Nussknacker und seinem Kampf gegen den Mausekönig bekannt; auf die Idee, das Buch und damit die Grundlage all dieser Adaptionen zu lesen, kam ich jedoch erst in diesem Jahr. Ein einziges Werk von Hoffmann hatte ich bereits gelesen (Der Sandmann), welches mich zugegebenermaßen ein wenig ratlos zurückließ. Und so machte ich mich darauf gefasst, dass auch sein Nussknacker etwas verwirrend sein würde.

Aber nein, im Gegensatz zu seiner anderen Geschichte war dieses weihnachtliche Märchen sehr einfach zu verstehen, was einerseits daran liegen könnte, dass es scheinbar für Kinder geschrieben wurde, oder aber an der Tatsache, dass man den Inhalt aus diversen Bearbeitungen nun so gut kennt, dass einen selbst ein diffuser Schreibstil nicht verwirren kann. Die Erzählung rund um Marie, den Paten Drosselmeyer und seinen Neffen ist einfach geschrieben, kurzweilig und besonders zum Ende hin sehr fantasiereich. Für kleine Kinder mag sie vielleicht sogar etwas gruselig sein – bei siebenköpfigen Mäusen wäre das jedenfalls nicht verwunderlich – doch wie es sich für ein anständiges Märchen gehört, siegt das Gute über das Böse und alle schrecklichen Bilder werden zum Schluss mit doppelt so viel Harmonie wieder ausgeglichen.

Ich weiß nicht, ob ich, hätte ich die Geschichte vorher nicht bereits so gut gekannt – mal abgesehen von den ein oder anderen kleinen Abwandlungen, die man beim Lesen dann doch feststellt –, sie genauso genossen hätte, wie ich es jetzt konnte. Da ich in meiner Kindheit von Trickfilm und Bilderbüchern geprägt wurde, setzten sich beim Lesen längst gemalte Bilder zusammen, die sich unwiderruflich in meinen Kopf gebrannt hatten. Wären sie nicht da gewesen, hätte ich den Stil des Buchs vielleicht als ein wenig öde und eben nicht mehr ganz so zeitgerecht beschrieben, was natürlich dem Erscheinen vor 200 Jahren zu Schulden kommt. Abgesehen davon ist die Geschichte jedoch so schön und die Komposition Taschaikowskys so traumhaft, dass ein Blick ins Buch sich für jede/n Nussknacker-Freund*in lohnen wird.


 

3 Kommentare:

  1. Hihi, in einer ähnlichen Reihenfolge kenne ich die Nussknacker-Story auch. Vor allem vom Trickfilm und von der Musik zum Ballett (die ich liiieebe) und vor 2 Jahren dachte ich mir auch, ich müsste das mal lesen. Ich fand es dann erschreckend schwülstig und kitschig, ehrlich gesagt (was mich wundert, weil ich alles, was ich seitdem von Hoffmann gelesen habe gar nicht so beschreiben würde).
    Wann hast du denn den Sandmann gelesen und was hat dich so ratlos gestimmt? Ich fand das Buch eigentlich ganz verständlich und cool... aber ich habe es auch im Unirahmen gelesen, also das hat vielleicht beim Verständnis geholfen.
    Auf jeden Fall hab ich jetzt Lust diesen Trickfilm mal wieder zu sehen :)

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    1. Ja, es war wirklich, wie du so schön sagtest, recht schwülstig und im Gegensatz zum Sandmann eher kindgerecht gestaltet, sodass ich auch etwas verwundert darüber war. Hoffmann war mir irgendwie als düsterer Autor im Gedächtnis geblieben und davon hat man hier nur wenig gespürt.

      Ich glaube, mir hätte es auch gut getan, den Sandmann früher im Unterricht oder jetzt in der Uni zu lesen, weil man anders an das Buch herangeht und es auch anders liest und in einer größeren Gruppe diskutieren kann. Wir haben es uns in unserem kleinen Leseclub vorgenommen und irgendwie hatte ich etwas Anderes, viel Gruseligeres erwartet. Und ich dachte auch die ganze Zeit, dass mir der Autor mit jeder Kleinigkeit etwas sagen wollte, was ich nicht ganz fassen konnte. Die Handlung an sich war ja nicht schwierig nachzuvollziehen und wahrscheinlich gibt es ganz verschiedene Wege die Geschichte zu interpretieren, aber wenn man das erste Mal ein Buch von solch einem großen Namen in den Händen hält, hat man oftmals gewisse Vorstellungen. Ich glaube auch, er ist nicht ganz mein Autor. Ich hatte ein wenig mehr mit etwas wie Poe gerechnet.

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    2. Okay, dann war das wohl wirklich einer seiner Ausrutscher xD

      Ich fand den Sandmann ja stellenweise schon gruselig, aber ich war auch überrascht, dass es eigentlich nur im ersten Teil um ihn ging und später dann vornehmlich um Olimpia (was ich aber auch sehr interessant fand). Ich glaube eigentlich finden sich vor allem die klassischen Hoffmann Motive in der Geschichte wieder, also eine Gegenüberstellung von Realismus und Romantik, Wissenschaft und Gefühl, Realität und Illusion. Wenn man das auf diese groben Gebiete runterbricht, ist Hoffmann aber fast schon langweilig, fine ich ;) weil es immer das gleiche ist und er sich auch nie für eine Seite entscheidet.

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