¡Rezension!: Sieben Minuten nach Mitternacht

VanaVanille


Titel: Sieben Minuten nach Mitternacht
Verlag: cbj
Originaltitel: A Monster Calls
Seitenzahl: 216
Preis: 16,99 € (D)
ISBN:
978-3-570-15374-1




Es gibt Bücher, die kann man mit wenigen Worten erklären. Sie sind einfach, unterhaltend und haben ein Happy End. Und dann gibt es Bücher, wie Sieben Minuten nach Mitternacht bei denen man nicht weiß, wo man anfangen soll, was das Bedeutendste ist und wie man seine Gefühle am besten in Worte fasst, ohne den Leser zu beeinflussen. Deswegen möchte ich schon im Voraus sagen, dass dieser Roman all das hält, was er verspricht und voreingenommene Meinungen wie "Das ist nur ein Kinderbuch. So etwas kann ich nicht lesen." hier ganz einfach nicht gelten. Somit kann ich nur jedem raten diesem Buch jedenfalls eine Chance zu geben, es aufzuschlagen und sich von einer Geschichte entführen zu lassen, die einen zu Tränen rührt.

Conor hat Angst, denn fast in jeder Nacht, genau um 00:07 Uhr kommt das Monster und spricht mit ihm. Doch nicht die Gestalt ist der Grund, wieso sich der Junge fürchtet, sondern ein viel tiefer sitzender Albtraum, der ihm seit Wochen keine Ruhe lässt. Zu allem Überfluss wird er auch noch in der Schule schikaniert, hat ständig Ärger mit seiner Großmutter und seinem Vater, der ja eh nicht mehr bei ihnen lebt, und muss sich fragwürdige Geschichten von seinem Monster anhören. Und das alles nur, weil seine Mutter - ... aber daran will er gar nicht denken.

Der junge Protagonist Conor erscheint am Anfang des Buches sehr stark und unabhängig. Seitdem seine Mutter krank geworden ist, schmeißt er den Haushalt fast allein, bewältigt seine Probleme ohne Hilfe und strahlt nebenbei noch eine so undurchdringliche Hoffnung aus, dass man sich als Leser nur fragen kann, wie ein 11jähriger all das schafft. Doch genau da liegt sein Problem. Während alle Menschen in seiner Umgebung versuchen an ihn heran zu kommen, ihn auf das vorzubereiten, was in naher Zukunft auf ihn wartet, verschließt er nur die Ohren und weicht jedem Blick auf ein mögliches, negatives Ende gekonnt aus. 

Man kann es nicht vermeiden für diesen tapferen Jungen eine traurige Zuneigung zu entwickeln, die hauptsächlich auch aus Mitleid besteht. Leidvoll muss man mit ansehen, wie er versucht die Wahrheit zu verdrängen und dabei einen inneren Kampf aus trägt, den er schon lange verloren hat.
Voller Gefühl geht der Autor dabei auf die Seele eines Kindes ein, welches versucht dort erwachsen, reif und stark zu sein, wo man schon längst hätte aufgeben sollen. Dabei zeigt er dem Leser die verschiedensten Facetten des Abschiedes und beweist, dass neben der Trauer auch immer Wut und Verdrängung eine große Rolle spielen, die hart aber authentisch mit in das Buch hinein fließen.

Eine weitere, ausschlaggebende Figur im Roman ist natürlich das Monster, welches den Jungen immer nachts um 00:07 Uhr besucht und eine ganz andere Bedeutung hat, als Conor zuerst glaubt. Nur langsam begreift er, dass das Wesen nicht gekommen ist, um seine Mutter zu retten, sondern es seine drei Geschichten erzählt, damit auch er endlich die Wahrheit akzeptieren kann.
Besonders diese drei Erzählungen haben mir ausgesprochen gut gefallen. Gekonnt wird hier mit den Vorurteilen Conors, aber auch des Lesers, gespielt, sodass die Geschichten nie enden, wie man es vielleicht erwartet. Nicht alles ist so schwarz-weiß, wie es einem immer erscheint und der Autor arbeitet hier mit Grautönen von denen meist niemand erzählt.
So geht man märchenhaft an ein sehr ernstes Thema heran und verliert sich dabei nie in schmerzvoller Trauer, wie es bei solchen Büchern leider oft der Fall ist. Ness hat es geschafft kein deprimierendes Buch zu schreiben, sondern ein viel mehr tröstendes, was zwar aufrüttelt und an der ein oder anderen Stelle auch zu Tränen führt, aber genauso auch einen Ausweg zeigt, der damit beginnt, loszulassen. 

Ergreifend ist allerdings nicht nur das Buch an sich, sondern auch seine Entstehungsgeschichte. Die eigentliche Idee des Romans stammt nämlich  von Siobhan Dowd, die allerdings nie die Möglichkeit bekam diese Geschichte aufzuschreiben, da sie 2007 an ihrem Krebsleiden starb. Zu unserem Glück fasste Patrick Ness den Entschluss mit Dowds Konzept zu arbeiten und Sieben Minuten nach Mitternacht zu vollenden. Wie es dazu kam und was ihm beim Schreiben besonders bewegt hat, erzählt er dem Leser in einer wunderschönen Vorbemerkung, die ihr auch hier nachlesen könnt.

Schließlich möchte ich noch unbedingt etwas zu den fantastischen Illustrationen des Künstlers Jim Kay sagen, die das ganze Buch schmücken. Besonders die Art, wie die Bilder geschaffen wurden, ist sehr speziell. Dafür entwarf Kay eine Sammlung aus Klecksen, Spritzern, Schlieren und Flecken, die er dann mit Zeichnungen und Malereien zusammenfügte. Dabei wollte er etwas kreieren, was ein bisschen dunkel und ein bisschen anders ist. Ich denke ihr könnt sehen, dass ihm das mehr als brillant gelungen ist. 


Mein Urteil

Sieben Minuten nach Mitternacht ist ein trauriges, düsteres aber so wunderschönes Buch, dass ich es nur jedem ans Herz legen möchte. Die Zusammenarbeit zwischen Ness, Dowd und Kay hat dem Werk wirklich mehr als gut getan und so wurde es insgesamt zu einem Kunstwerk, sprachlich wie auch inhaltlich.


9 Kommentare:

  1. Ich hab dir doch gesagt: Es ist wunderbar *__*

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  2. Das Buch möchte ich auf jeden Fall lesen - und danke für den Tipp mit dem Buchcover, ich bin gerade auf eine Erwachsenenausgabe gestoßen, die mir viel besser gefällt als die Ausgabe von cbj http://www.amazon.de/Sieben-Minuten-nach-Mitternacht-Roman/dp/3442312809/ref=tmm_hrd_title_0
    Gruß Anette

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  3. @Leselurch: Ja, stimmt ;)

    @Katze mit Buch: Ja, die Ausgabe kenne ich auch, fand aber, dass man auch da die Illustration nicht gut umgesetzt hat. Das Cover an sich ist ja ziemlich kahl und nur ein kleines Fenster in der Mitte zeigt einen Ausblick auf die Illustration. Ist für mich etwas zu klein geraten.

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  4. Schöne Rezi :) Hatte das Buch gerade schon auf einem anderen Blog entdeckt, war mir da aber noch unsicher. Nun weiß ich: ich will das auch lesen!!!!

    LG Nanni

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  5. @Nanni: Es ist auf jeden Fall empfehlenswert und einfach wunderschön gestaltet. Ich hoffe du wirst es genauso ins Herz schließen wie ich :)

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  6. Cherry, sehr schön geschrieben! Ein wirklich tolles Buch. Kurze Frage, ist Conor wirklich 11? Ich meine irgendwo in den ersten Kapiteln gelesen zu haben, dass er gerade 13 geworden ist. Meine Rezi schreib ich morgen, da schau ich gleich nochmal :-) Das englische Cover ist super. Ich habe auch die cbj Ausgabe u. finde sie genialst. Auch das Cover, weil es eine der Schlussszenen zeigt.
    LG,
    Damaris

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  7. @Damaris: Danke für das Lob. Leider bin ich mir nicht mehr sicher, wie alt der Protagonist war =/

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  8. Sie ist ja auch super geschrieben! Also ich hab geschaut, weil's mich interessiert. Im Pressetext steht wirklich "der 11-jährige Conor" und im Buch, S. 12 unten, "Er war letzten Monat dreizehn geworden". Also hatten wir beide recht :-)

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  9. @Damaris: Ah ok, da hatte ich mich wahrscheinlich am Pressetext orientiert :) Aber irgendwie komisch, dass die 11 Jahre schreiben, obwohl im Buch 13 steht ... hast du besser aufgepasst als wir ;)

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Cherry