"Botschaften an mich selbst"

Cherry

"Manchmal, wenn ich in Gesellschaft glamouröserer Frauen bin, frage ich mich, ob ich eine weiße, westliche, heterosexuelle Cis-Frau aus der Mittelschicht – überhaupt eine richtige Frau bin. [...] Ich schaue mich an und die Frauen um mich herum und habe das Gefühl, dass ich mich nicht mit ihnen messen kann. Und dann weiß ich, dass ich ein Mädchen bin, dass ich richtig bin. Weil nämlich diese Paranoia, nicht weiblich genug zu sein, nicht begehrenswert genug zu sein, nicht gut genug zu sein, der ultimative Ausdruck des Frauseins ist. Diese Paranoia ist ein wesentlicher Teil dessen, wie Frauen unter Kontrolle gehalten werden – dessen, wie wir uns selbst unter Kontrolle halten." (Emilie Pine: "Botschaften an mich selbst", S. 136f)  

Durch eine Empfehlung stolperte ich über dieses kleine Büchlein, das trotz seiner geringen Seitenzahl eine immense Wirkung auf mich hatte. Emilie Pine ist eine großartige Schriftstellerin, die es versteht, ihre Leser*innen an die Seiten ihrer Essays zu binden. Darin schreibt sie unverblümt über das Leben als Frau – als Tochter, Schwester, Universitätsdozentin, Feministin ... und schlägt dabei einen sehr persönlichen Weg ein. Um solch biographische Einblicke zu geben, braucht es einiges an Mut. Dieser hat sich in meinen Augen vollkommen ausgezahlt.

Ich hatte das Gefühl, eine Mischung aus Ich bin, ich bin, ich bin von Maggie O'Farrell und Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez in den Händen zu halten. Jeder der Texte strahlte einerseits eine fast schon schmerzhafte Intimität aus und war gleichzeitig höchst intelligent und nachvollziehbar. Obwohl ich einige der Erfahrungen Pines nicht selbst gesammelt habe, konnte ich mich doch in vielen wiederfinden. Aber selbst jene, mit denen ich mich weniger identifizieren konnte, berührten mich sehr und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Die Autorin hat meiner Meinung nach all das geschafft, was Glennon Doyle wahrscheinlich mit ihrem Ungezähmt erreichen wollte, nur liegen zwischen diesen beiden Büchern ganze Welten. Schon jetzt ist Botschaften an mich selbst ein Highlight für das Jahr 2021.

 

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